Schweizer Maschinenbauer leiden unter Corona-Krise

Wirtschaftsbarometer des Verbandes Swissmechanic

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02.11.2020 Die Corona-Krise hat die Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM) noch stärker getroffen als die Gesamtwirtschaft. Das zeigt der Geschäftsklima-Index des Arbeitgeber-Verbandes Swissmechanic.

Entscheider-Facts

  • Das Wirtschaftsbarometer des Verbandes Swissmechanic hat sich im Sommer auf tiefem Niveau stabilisiert.
  • Zwar verlief die Produktionstätigkeit reibungsloser als noch im April, dafür leiden fast alle Unternehmen unter Auftragsmangel.
  • 27 % müssen Entlassungen vornehmen, 63 % haben die Investitionsausgaben reduziert und noch mehr Kurzarbeit angemeldet.
Wirtschaftskrise - Virus - Rezession

Bild: m.mphoto – stock.adobe.com

Das Hauptproblem sei dabei der Auftragsmangel, erklärt Direktor Jürg Marti fest. So verdeutlicht die jüngste Quartalsbefragung von Swissmechanic und dem Wirtschaftsforschungsinstitut BAK Economics bei rund 300 kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), dass sich der Krisenherd in der MEM-Branche zunehmend von der Angebots- auf die Nachfrageseite verschiebt. Zwar war auch im Juli noch ein Teil der Unternehmen von Unterbrechungen in den Lieferketten (19 %) und Personalausfällen (12 %) betroffen, deren Anzahl hat sich im Vergleich zum April aber mehr als halbiert.

Auftragsmangel verschärft sich weiter

Hingegen stieg im Juli der Anteil der Unternehmen, bei denen Auftragsmangel das Hauptproblem darstellt, auf 89 % (April 63 %). Knapp die Hälfte richtet sich darauf ein, dass der Auftragsmangel noch mehr als sechs Monate dauern wird. Der Hintergrund ist, dass die Endkunden der MEM-Branche aufgrund des globalen Konjunktureinbruchs, der hohen Unsicherheit und des erhöhten Liquiditätsbedarfs nur noch die nötigsten Investitionen tätigen. Von dieser Nachfrageschwäche zeugt – befeuert von der Frankenstärke – auch der dramatische Einbruch der Exporte im zweiten Quartal 2020 von 25 % über das gesamte MEM-Warenspektrum gesehen. Auch die Produzentenpreise haben im gleichen Zeitraum abgenommen, jedoch nur moderat.

Einstellungsstopp und Kurzarbeit

Die Branche gibt stark Gegensteuer. Rund 70 % der Unternehmen haben einen Einstellungsstopp verhängt und Kurzarbeit beantragt. Im zweiten Quartal wurden im Branchenschnitt 29 % Kurzarbeit abgerechnet, im dritten Quartal dürften es 34 % werden. Dass der Schweizer Bundesrat Mitte August beschlossen hat, die Vollzugserleichterungen für Kurzarbeitsentschädigung bis Ende Jahr zu verlängern, kommt den Kantonen und natürlich auch der gebeutelten Wirtschaft entgegen. Im Vergleich zum April (16 %) hat auch der Anteil der Firmen zugenommen, welche angeben, Entlassungen vorzunehmen (Juli 27%). Die MEM-Unternehmen setzen aber nicht nur beim Personal an, zwei Drittel sparen auch bei den Investitionen.

Verhalten positive Zeichen

Inmitten der schlechten Nachrichten gibt es jedoch auch verhalten positive Zeichen. Verbandschef Marti sagt: „Die befragten KMU erwarten für das dritte Quartal eine leichte Abschwächung des Auftragseinbruchs. Zudem berichten weniger Unternehmen von Liquiditätsproblemen als noch im April und weiterhin sieht nur eine kleine Minderheit (5 %) ein ernsthaftes Konkursrisiko.“ Auch hält die Mehrheit der befragten KMU an geplanten FuE-Projekten und Weiterbildungen fest. [jg]

 

Heftausgabe: Pharma+Food November 2020

Über den Autor

Jona Göbelbecker, Redaktion
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