Was IT-Standards leisten sollten

zukunft gesichert?

09.11.2006 Nicht nur die großen Unternehmen der chemischen, pharmazeutischen und Lebensmittelindustrie, sondern auch kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sind gezwungen, ihre IT-Topografie so zu gestalten, dass sie an die Erfordernisse eines sich ständig wandelnden Markt- und Rechtsumfelds schnell und zuverlässig angepasst werden kann. Das bedeutet: Die eingesetzten IT-Systeme müssen über eine ausgeprägte Releasefähigkeit verfügen, wie sie in aller Regel modulare Standardlösungen bieten.

Insellösungen, wie sie vor wenigen Jahren noch den Anforderungen genügten, werden inzwischen zum Auslaufmodell. Ganz gleich, in welchem Markt sich das Unternehmen bewegt, immer deutlicher wird, dass ohne homogene und zukunftssichere IT-Strategie Marktchancen verspielt werden. Nicht nur das Entwicklungs- und Produktionsumfeld wird durch sich permanent ändernde gesetzliche Regelungen und Qualitätsansprüche fortgesetzten Erneuerungs- und Anpassungsprozessen unterworfen. Auch die übrigen Abläufe innerhalb eines Betriebes sind immer wieder auf den Prüfstand zu stellen und an neue Herausforderungen anzugleichen.

IT-Standards sollten als offene, modulare und plattformunabhängige Lösungen ausgelegt sein. Dieses Konzept stellt die notwendige Flexibilität und Releasefähigkeit sicher. Auch weitere Optionen sind im Hinblick auf die mittel- und langfristige Verwendbarkeit unerlässlich: Mandantenfähigkeit, Fremdwährungs- und Fremdsprachenunterstützung, Skalierbarkeit sowie Datensicherheit in jeder Richtung. Das ERP-System Casymir erfüllt diese Ansprüche.

Expansion und Validierung

Seit 1995, also schon seit mehr als zehn Jahren, wird die ERP-Lösung von dem weltweit agierenden Pharmaunternehmen Pentapharm Ltd., mit Hauptsitz in Basel, eingesetzt. In enger Zusammenarbeit mit den Entwicklern wird die IT-Umgebung immer wieder auf sich ändernde Anforderungen angepasst.

Beginnend im Jahr 2003 wurden die Module für das Wägesystem, die PPS/Protokollierung, die Chargenverwaltung und die Stabilitätsdatenbank gemäß den entsprechenden Richtlinien nach GMP (Good Manufacturing Practice) validiert. Weitere Module befinden sich in der Vorbereitungsphase hierzu.
Auch die Expansion des Unternehmens wurde durch die gewählte IT-Struktur unterstützt. Die seit dem Jahr 2000 zur Pentapharm Ltd. gehörende Pentapharm GmbH mit Sitz in München wurde einfach als zusätzlicher Mandant eingebunden. Auf gleiche Weise geschah dies mit der französischen Tochter Coradin Ltd. mit Sitz in Cannes. Die Mehrsprachigkeit des Systems ermöglicht jedem Anwender die Arbeit in seiner Muttersprache. Zusätzlich wurde bei der Tochter in München noch eine Rückverfolgbarkeit der Produkte auf Seriennummernbasis implementiert. Über einen Virtual Private Network (VPN)-Tunnel ist das Unternehmen in München permanent mit dem Firmensitz in Basel verbunden. Es werden sämtliche Datenänderungen automatisch auf das System in der Schweiz gespiegelt.

Standardlösung zur Prozessabbildung

Die Bomo Trendline.innovative Cosmetic aus Tennenbronn versteht sich inzwischen als „Full-Service-Partner“ von kosmetischen Unternehmen. Die Unternehmensstrategie hat das Ziel, den Kunden als Zulieferer „Alles aus einer Hand“ zu bieten. Von der Entwicklung kosmetischer Produkte über deren Verpackung bis hin zur Abfüllung und zum Versand reicht die Angebotspalette. Um diese neue Strategie umsetzen zu können, musste das selbst entwickelte Unternehmenssteuerungssystem abgelöst werden. Es war abzusehen, dass sich zukünftige gesetzliche Bestimmungen, auch im Hinblick auf die Rückverfolgbarkeit mit dem hauseigenen System, nicht mehr umsetzen lassen konnten. Ende 2001 entschied sich das Unternehmen zur Anschaffung einer IT-Standardlösung. Diese war in der Lage, die gesamte Prozesskette abzubilden und üblich anfallende Unternehmensverwaltungsaufgaben zu meistern. Die genaue Kontrolle aller Workflows über To-do-Listen führte zu einer deutlichen Effizienzsteigerung im Unternehmen. Die Releasefähigkeit des Systems verhinderte Probleme bei der Umsetzung neuer Rechtsnormen und Verordnungen, auch im Verwaltungsbereich.

Skalierbarkeit, Lagerhaltung undLogistik

Das pharmazeutische Unternehmen Dr. Theiss Naturwaren aus Homburg/Saar setzt Module der ERP-Lösung seit Beginn des Jahres 2003 ein. Ursprünglicher Grund war, die bis dato vorhandenen Insellösungen für Produktion und Verwaltung wegen Inflexibilität und Inkompatibilitäten zu ersetzen. Die meisten der sich abzeichnenden neuen Regelungen waren DV-seitig nicht mehr umsetzbar; eine durchgängig IT-gestützte Produktion, die zur neuen Unternehmensstrategie passte, nicht darzustellen. Dies war jedoch unerlässlich, da sich das Unternehmen ständig vergrößerte. Durch eine Produktoffensive und auf Grund der Eingliederung weiterer Pharmahersteller in die Theiss-Gruppe hat sich die zu fertigende und zu verwaltende Produktanzahl zum Beispiel innerhalb eines Jahres von rund 400 auf über 700 Artikel erhöht.

Die schon vor 2004 einsetzende Expansion des Unternehmens, besonders in Richtung Osteuropa wie auch in die USA und nach Asien, stellte hohe Anforderungen an die Skalierbarkeit und Mandantenfähigkeit des IT-Systems. Die Integration der von der Theiss-Gruppe im August 2005 übernommenen Allga Pharma aus Sonthofen war nach etwa zwei Monaten vollzogen. Die komplette Verwaltung dieser Firma wurde mit Unterstützung der IT-Lösung in den Hauptsitz nach Homburg/Saar übertragen. Die in Sonthofen verbliebene Produktion wurde in das ERP-System eingebunden.
Der empfindliche Markt, in dem sich die Theiss-Gruppe bewegt, erfordert eine Sicherstellung der Lieferfähigkeit innerhalb von 24 bis 48h. Automatisch werden die benötigten Etiketten für die Kennzeichnung der Pakete und Paletten gedruckt. Ebenfalls automatisch werden die betroffenen Paketdienste per DFÜ über den Umfang und die Lieferorte vorinformiert. Das IT-System erlaubt die Datenerfassung vor Ort. Vom Wareneingang bis zur Übergabe an den Versender besteht die Möglichkeit, mit Hilfe von Handgeräten und Funknetz die relevanten Daten einerseits unverzüglich in das IT-System einzuspeisen, andererseits aber auch daraus die notwendigen Informationen zu erhalten.

Rückverfolgbarkeit und der EAN128

Die ins Haus stehende Umsetzung der „EU VO 178/2002“ bei Rietmann, Saarlouis, einem Hersteller von Backmischungen und Konzeptprodukten, zwang das Unternehmen Anfang 2004, die vorhandenen, auf das Unternehmen zugeschnittenen Insellösungen zu ersetzen. Der IT-Standard wurde durchgreifend erneuert und mit einer ERP-Standardlösung umgesetzt. Das neue System löst jetzt in der Produktion exakt definierte Aktionen aus. Das sichert die gleich bleibende Qualität der Produkte. Auch sie werden jetzt mit Hilfe des Systems verwaltet. Per Einsatz des EAN128-Konzeptes erfüllt das Unternehmen voll die Ansprüche an die Rückverfolgbarkeit von Produkten in der Lebensmittelindustrie. Von Vorteil: Das System EAN128 ist vollständig in die ERP-Lösung integriert und nicht als Add-in oder Ähnlichem angebunden.

EU-Verarbeitungsfristen undKontrolle

Saumweber, unter anderem auch Hersteller der bekannten Marke Butaris, ist einer Menge zwingend einzuhaltender EU-Verordnungen ausgesetzt. Diese branchenspezifischen Regelungen und die Umsetzung der EU VO 178/2002 zur Rückverfolgbarkeit konnte das in die Jahre gekommene EDV-System nicht mehr leisten. Nachdem der Wartungsvertrag vom bisherigen Software-Hersteller gekündigt wurde, fiel Mitte 2004 die Entscheidung: Eine total neue IT-Strategie musste her. Es sollte sich dabei um eine Lösung handeln, mit der auch auf zukünftige Anforderungen aus Brüssel zuverlässig reagiert werden konnte. Dabei traf das Unternehmen seitens der Software die Auswahl für die komplette und releasefähige Standardlösung. Das System ermöglicht die Erfüllung und den Nachweis über die Einhaltung der Verarbeitungsfristen. Begleitende Daten werden automatisch in die Herstell-Vorschriften übernommen. In Echtzeit erfährt man, wie viel noch zur Befolgung der Verarbeitungsfristen produziert werden muss. Die Richtlinien zur DEÜV und GDPdU wurden über einen Release in das ERP-System eingearbeitet.

Heftausgabe: November-Dezember 2006

Über den Autor

Gerd Hessler , Pressereferent, Opag Informatik
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