Hygienisch und exakt zum leckeren Tropfen

80-GHz-Radar liefert zuverlässige Bestandswerte aus Lagertanks

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20.09.2019 Im Tanklager von Winzern trifft Aroma auf Technologie: Hier gilt es, den besonderen Geschmack großartiger Weine zu bewahren und trotzdem moderne Anforderungen an die Logistik zu erfüllen. Radarfüllstandmessgeräte liefern die dazu nötigen Messsignale für den kontinuierlichen und zuverlässigen Überblick im Tanklager.

Entscheider-Facts

  • Bei der Füllstandmessung in Weintanks kommt es auf Genauigkeit und Hygiene an.
  • Die Radarmessung mit 80 GHz hat den Vorteil, dass der fokussierte Messstrahl die Installation vereinfacht.
  • Das Füllstandmessgerät mist in den 15 m hohen Tanks mit einer Genauigkeit von ±1 mm.
Aufmacher

Bild: Vega Grieshaber

Das Trentino ist ein besonderes Fleckchen in Italien, an dem unterschiedliche Klimazonen aufeinander treffen. Auf der einen Seite findet man das alpine Klima, auf der anderen Seite die submediterranen Einflüsse und dazwischen ein Kontinentalklima. Das wichtigste, zumindest wenn es nach den Besitzern von Mezzacorona geht, ist jedoch der Boden, der ebenso unterschiedlich ist wie die dortigen Klimazonen. Diese Besonderheit, drei Klimazonen auf einem Fleck zu finden, hat das Unternehmen für seine Weine ausgenutzt: Für jede Rebsorte findet sich der perfekte Platz. Der Weinbaubetrieb baut daher die verschiedenen Rebsorten nur da an, wo die Reben ihren Charakter am besten entwickeln können: den Teroldego in der Rotaliana-Ebene, den Müller Thurgau im Cembra-Tal, den Pinot Grigio und den Chardonnay im Etschtal und den Merlot und den Cabernet im Valle dei Laghi und am Gardasee.

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Wichtigste Aufgabe des neu installierten Radarsensors ist es, den Inhalt in den drei gewaltigen Lagertanks zu messen. (Bilder: Vega Grieshaber)

Radarsensor ersetzt externen Füllstandanzeiger und erfüllt hygienische Anforderungen

Trotz aller Tradition setzt Mezzacorona jedoch auch auf modernste Technologien und Produktionsmethoden. Seit mehr als einem Jahr ist Vega mit seinen Sensoren in der Produktion vertreten. Wichtigste Aufgabe des neu installierten Radarsensors Vegapuls 64 ist es, den Inhalt in den drei gewaltigen Lagertanks zu messen. Bislang bediente man sich eines externen Füllstandanzeigegerätes, das über miteinander kommunizierende Röhren mehr oder weniger funktionierte. Vor allem die Temperaturschwankungen – auch im idyllischen Trentino können die Temperaturen unter 0 °C fallen – sorgten für ungenaue und unzuverlässige Messungen. Zudem war das System umständlich zu bedienen und schlecht zu warten. Außerdem wollte man eine kontinuierliche Füllstandmessung mit hoher Genauigkeit. Da sich der Wein in aseptischer Umgebung befindet, gingen die Überlegungen schnell in Richtung berührungslos messendem Gerät, das die hygienischen Anforderungen erfüllte.

Von dem 2016 auf den Markt gebrachten Radarfüllstandmessgerät Vegapuls 64 erhoffte sich Martino Mischi, verantwortlicher Servicetechniker bei Vega Italien, einiges. So misst das Messgerät mit einer Frequenz von 80 GHz statt wie bisher die meisten Radarmessgeräte mit 26 GHz. Der entscheidende Unterschied: Lag der Öffnungswinkel bei bisherigen Messgeräten mit vergleichbarem Prozessanschluss bei 10°, sind es nun nur noch 3°. Auch die höhere Dynamik des neuen Sensors führt nicht nur zu einem genaueren sondern auch zu einem zuverlässigeren Signal.

Die bessere Fokussierung sollte sich bei der speziellen Messanordnung als nützlich erweisen. Denn der Sensor selbst wurde auf einer Art Schornstein mit einer Höhe von 50 cm und einem Durchmesser von 40 cm auf dem Tank installiert. Der Sensor misst – dank des schmalen Messstrahls – jedoch innerhalb von diesem schmalen Radius. Eine weitere Herausforderung war das Rührwerk in den Tanks – dieses verhindert Wärmeschichtungseffekte. Normalerweise führen solche Einbauten gerne mal zu Störechos, der Messstrahl des 80 GHz-Geräts gleitet aber an solchen Rührwerken einfach vorbei.

Auch aus Hygienesicht ist der Sensor ideal. Zum einen eignen sich Radarfüllstandmessgeräte prinzipiell gut für solche Einsätze, weil sie berührungslos messen und somit optimale hygienische Voraussetzungen bieten. Zum anderen ist die frontbündig eingebaute Antenne optimal zu reinigen und unempfindlich bei extremen SIP- und CIP-Prozessbedingungen. Darüber hinaus benötigt das Messgerät keine weiteren Wartungsaktivitäten.

Gesamter Tankinhalt wird erfasst

Ein weiterer Vorteil des Radarsensors ist, dass über die gesamte Tankhöhe von unten nach oben gemessen werden kann, also sowohl in der Nähe des Tankdeckels als auch nah am Behälterboden. Damit kann das Tankvolumen voll ausgenutzt werden. Der Boden des Tanks bei Mezzacorona ist leicht geneigt. Dennoch misst das Radarfüllstandmessgerät in den bis zu 15 m hohen Tanks den Füllstand mit einer Genauigkeit von bis zu ±1 mm. Erstmals ist nun eine kontinuierliche Messung der Tankinhalte möglich. Die gemessenen Werte des Sensors werden vom Auswertgerät Vegamet 391 erfasst. Dieses eignet sich für eine Vielzahl an Regelungs- und Steuerungsaufgaben wie Füllstand-, Pegel- und Prozessdruckmessung, Bestandserfassung, VMI (Vendor Managed Iventory) und Fernabfrage.

Selbst die Inbetriebnahme war einfach, obwohl das Unternehmen das erste Mal mit Geräten des Herstellers arbeitet. So dient wie gewohnt das Anzeige- und Bedienmodul Plicscom zur Inbetriebnahme und Bedienung der Sensoren und zeigt die Messwerte vor Ort an. Das Anzeige- und Bedienmodul kann jederzeit in den Sensor eingesetzt und wieder entfernt werden, ohne die Spannungsversorgung zu unterbrechen. In der Kombination mit Bluetooth kann der Anwender seine plics-Sensoren aus sicherer Entfernung mit dem Smartphone oder Tablet, unabhängig davon, ob Apple- oder Android-Gerät, konfigurieren und parametrieren. Auch Anzeige- und Diagnosefunktionen stehen hierbei zur Verfügung. Auf diese Weise können die Werte jederzeit und überall abgerufen werden, wo sich der Önologe oder Produktionsleiter gerade befindet, unabhängig vom Standort. So sind sichere Bestandsaufnahme, schnelle Reaktionen und hohe Flexibilität in Bezug auf die Bestände in den Lagertanks sicher gestellt. Damit bleibt genügend Zeit, sich auf die wesentlichen Aufgaben zu konzentrieren: einen guten Wein zu produzieren.

 

 

Heftausgabe: Oktober 2019

Über den Autor

Jürgen Skowaisa ist Produktmanager bei Vega Grieshaber
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