Coriolis Durchflussmessgeräte

Coriolis-Durchflussmessgeräte können auch zur Konzentrationsmessung eingesetzt werden. (Bild: Endress+Hauser)

Mit klassischen elektrochemischen Geräten wie pH-Sensoren auf Basis der digitalen Memosens-Technik ist Endress+Hauser bereits seit vielen Jahren in der Prozessanalytiik auf Wachstumskurs. Doch in den vergangenen Jahren hat der Hersteller vor allem im Bereich der optischen Analyse zugekauft. Fast ein Viertel des Umsatzes erzielt das Unternehmen, das vor allem aus dem Bereich klassischer Betriebsmesstechnik bekannt ist, inzwischen mit Analysentechnik. „Wir haben unsere Basis in den letzten Jahren mit gezielten Akquisitionen deutlich erweitert“, sagte E+H-Vorstand Dr. Manfred Jagiella heute im Rahmen einer Pressekonferenz: Neben Analytik Jena, mit dem der Anbieter den Einstieg in die Laboranalyse gefunden hat, Imko zur Feuchtigkeitsmessung in Feststoffen und schließlich die Laser-Spezialisten Spectrasensors und Kaiser Optical Systems. Um letztere noch stärker in die E+H-Struktur einzubinden, wurden deren Aktivitäten zuletzt im neuen Unternehmen Endress+Hauser Optical Analysis gebündelt.

Im Rahmen der jüngst definierten „Strategie 2027“ hat E+H „ein umfassendes und wettbewerbsfähiges Angebot für die qualitative und quantitative Analyse im Labor und Prozess“ zu einer von sieben Säulen erklärt, berichtete Jagiella im Rahmen der Pressekonferenz. Allerdings wurde bei der Online-Veranstaltung deutlich, dass auch die klassischen Messverfahren noch Potenzial haben: „Wir befähigen bestehende Technologien, die traditionell für Durchfluss und Füllstand eingesetzt werden, auch zur Messung von Stoffeigenschaften wie Dichte oder Viskosität“, erklärte Jagiella. Die Produktmanagerin Dr. Jana Knall zeigte dazu anhand eines Beispiels, wie ein Coriolis-Durchflussmessgerät dazu genutzt werden kann, auch Dichte und Konzentration zu messen. „Aus dem Labor bekannte Messgrößen im Prozess nutzen zu können, ist für viele Anwender sehr hilfreich. Die Dichte als Maß für die Konzentration bei bekannten Stoffgemischen ist ein sehr gängiger Summenparameter“, verdeutlichte Knall. Ab Mai 2022 will der Hersteller dazu das Coriolisgerät Promass Q in der Nennweite DN 25 mit einer „Premiumdichte-Option“ anbieten. Die Geräte werden dabei üblicherweise im Bypass als reiner Dichtemesser betrieben und sollen eine Genauigkeit von 0,1 kg/m³ erreichen.

Messgeräte
Memosens Wave CKI50 und der Messumformer Liquiline CM44P ermöglichen robuste Inline-Farbmessungen sowie die Kombination aller relevanter Parameter für die jeweilige Applikation. (Bild: Endress+Hauser)

Raman und TDLAS werden Prozess-tauglich

Große Fortschritte macht das Unternehmen auch in der Adaption der Raman-Technologie auf Prozessbedingungen: Philipp Pyka, Prozessingenieur bei Evonik Operations, berichtete im Rahmen der Fachpresseveranstaltung, wie die Raman-Spektroskopie in einer Anwendungskooperation mit Endress+Hauser so angepasst wurde, dass ein Online-Monitoring von Hydrierprozessen und die Überwachung qualitätsrelevanter Komponenten bei der Herstellung von Carbonylderivaten auch im Ex-Bereich möglich wurde. So konnte die Raman-Spektroskopie bei Evonik innerhalb von fünf Jahren „als wichtiges PAT-Werkzeug“ etabliert werden, das nun im Produktionsnetzwerk des Chemiekonzerns international ausgerollt werden soll.

Bei E+H sieht man Raman und die Absorptionsspektroskopie mit abstimmbaren Laserdioden (TDLAS) als strategisch wichtig. „Die Raman-Spektroskopie ist eine ideale Methode für unsere Kunden in der Life-Sciences-Industrie – zum Beispiel in der Impfstoffproduktion. TDLAS eröffnet uns zusätzliche Möglichkeiten im globalen Markt für Gasanalyse“, sagt Manfred Jagiella: „Unser Fokus liegt auf den Branchen Life Sciences, Chemie sowie Öl und Gas. Eine weitere Diversifizierung in den Lebensmittelmarkt mit der Raman-Technologie ist ein Ziel.“

Zu den im Rahmen der Pressekonferenz vorgestellten Neuheiten gehört ein TDLAS-Gerät zur Messung von Wasserspuren in Wasserstoff, Erdgas oder Gasgemischen, bei dem das ursprünglich von der US-Tochter Spektrasensor gebaute Lasergerät um einen Messumformer im E+H-Look&Feel ergänzt wurde: Kompakt gebaut und mit der aus den Feldgeräten bereits bekannten Heartbeat-Sensorverifikation ausgestattet.

Auf die Feuchtemessung in Schüttgütern zielen die auf Radar-Technologie basierenden Solitrend-Geräte. Als Prozessgeräte ersetzen sie die im Schüttgutbereich üblichen zeitaufwendigen Stichproben und liefern, ausgehend von der Feuchte-abhängigen Dielektrizitätsmessung, kontinuierlich Messwerte für den Feuchtegehalt in einem Schüttgut-Strom. Eine Hochtemperatur-Version bis 120 °C ermöglicht es, Schüttgüter auch direkt hinter einem Trockner zu messen und eröffnen so die Möglichkeit, den Trocknungsvorgang online zu regeln.

Farbe und TOC-Gehalt

Die Beurteilung von Produktfarben ist ebenfalls eine Möglichkeit, um die Qualität von Produkten der Chemie, Pharmazie oder Lebensmittelindustrie zu charakterisieren. Mit dem Prozess-Spektrometer Memosens Wave CKI50 steht ebenfalls ein Prozessgerät zur Verfügung, das die Farbmessung ohne zeitaufwendigen Probezug erlaubt. Das Gerät scannt den Wellenlängenbereich zwischen 380 und 830 Nanometern und gibt den Wert als dreidimensionales Farbraummodell nach Norm aus. Dadurch kann das Gerät Farbvariationen oder die Genauigkeit der zu erwartenden Farbe bestimmen.

Im Bereich der Flüssigkeitsanalyse für Life-Science-Anwendungen hat E+H schließlich sein Portofolio um einen Online-TOC-Analysator ergänzt. Der Gesamtgehalt von organischem Kohlenstoff (TOC) ist ein wichtiger Qualitätsparameter bei der Herstellung und Verwendung von Reinstwasser. Ist der TOC-Gehalt zu hoch, kann die Leistung der Wasseraufbereitungssysteme beeinträchtigt oder sogar pharmazeutische Chargen verunreinigt werden. Der Online-TOC-Analysator CA79 bietet eine kontinuierliche, präzise Überwachung des TOC-Gehalts im Reinstwasser. Zu den Eigenschaften gehört die Pharma-konforme Kalibrierung und Konfiguration (21 CFR 11) sowie die modulare Bauweise, die für eine einfache Wartung und niedrige Betriebskosten sorgen soll.

Mann
„Wir haben unsere Basis in den letzten Jahren mit gezielten Akquisitionen deutlich erweitert“Dr. Manfred Jagiella ist im Vorstand von Endress+Hauser zuständig für die Analysentechnik (Bild: Endress+Hauser)

Entscheider-Facts

  • Prozessanalysentechnik hilft, Prozesse anhand der Stoffeigenschaften zu steuern.
  • Optische Verfahren aus dem Labor werden Prozess-tauglich.
  • Mit einer Reihe neuer Geräte befeuert Endress+Hauser den Trend.

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Unternehmen

Endress+Hauser SE+Co. KG

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