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Zertifiziertes Containment: Die hochaktiven Wirkstoffe müssen im Inneren des Tablettiersystems bleiben.

  • Existierende Richtlinien zur Bewertung und Qualifizierung von Containment-Anlagen messen zwar das Partikel-Rückhaltevermögen einer Anlage, sind jedoch nicht spezifisch auf Tablettiersysteme ausgelegt.
  • Das Qualitätszertifikat Containment Guard ist speziell für die Expositionsmessung an Containment-Anlagen der Tablettenproduktion angepasst. So lassen sich Anlagen mit gefordertem Containment-Level vergleichen.
  • Das standardisierte Verfahren senkt den Planungsaufwand, beschleunigt die Inbetriebnahme und steigert die Anlagensicherheit für Pharmaproduzenten.

Die Smepac-Richtlinie geht jedoch nicht speziell auf die Tablettenherstellung ein. „Mit unseren Containment Guard-Messungen haben wir die entsprechenden Parameter definiert und diese Lücke geschlossen“, sagt Jörg Gierds, Manager Containment Systems bei Fette Compacting. Das Unternehmen hat mit dem Containment Guard ein eigenes Verfahren entwickelt, das Expositionsmessungen speziell für die Tablettenproduktion auslegt.

Maximierter Nutzen für die Tablettierung

Diese Expositionsmessungen bauen auf der Richtlinie der ISPE zur Bewertung des Partikelrückhaltevermögens von pharmazeutischer Ausrüstung (Assessing the Particulate Containment Performance of Pharmaceutical Equipment, APCPPE) auf. Dieses standardisierte Verfahren misst die Konzentration von Partikeln, die aus der Anlage austreten. Um breite Anwendbarkeit zu gewährleisten, sind die APCPPE-Richtlinien allgemein gehalten und gelten für unterschiedliche Anlagentypen. Der Containment Guard fügt diesen Messvorgaben weitere hinzu, um den Nutzen für die Tablettierung zu maximieren. Er legt zum Beispiel fest, wo sich Messsonden oder Bediener während des Messvorgangs befinden sollten.

Weitere Faktoren sind die Anzahl der Tablettenmuster und die möglichen Betriebszustände, inklusive potenzieller Fehlersituationen. Dieses erweiterte Verfahren ermöglicht eine reproduzierbare Bewertung speziell für Containment-Tablettiersysteme. Da das System auf geprüften Standardmodulen sowie einem Standardverfahren aufbaut, vereinfacht und beschleunigt es das Engineering und die Inbetriebnahme. Noch vor der Inbetriebnahme sinkt der Aufwand von Pharmaproduzenten für die Einrichtung, den Testaufbau und eventuelle Nachbesserungen. Zudem erhalten Anwender die größtmögliche Prozesssicherheit über den gesamten Lebenszyklus der Anlage hinweg.

Aussagekräftige Vergleiche möglich

Das System ermöglicht es Pharmaherstellern außerdem, Containment-Anlagen auch unterschiedlicher Anbieter aussagekräftig zu vergleichen und zu bewerten. Es ist das erste Qualitätszertifikat, das die Rückhalteleistungen von Containment-Tablettiersystemen schon vor der abschließenden Risikoprüfung des Betreibers ermittelt. Aus den Ergebnissen eines standardisierten Verfahrens wird das Containment Guard-Level abgeleitet, das die Rückhalteleistung einer Anlage dokumentiert. Das Herzstück des Verfahrens sind die standardisierten Expositionsmessungen, die seit Anfang 2018 im deutschen Competence Center von Fette Compacting durchgeführt werden. Als Testanlage für die Expositionsmessungen dient dort eine Tablettenpresse 2090i WiP mit Isolator.

Im eigens entwickelten Messverfahren werden Tablettenpressen und Prozess-Equipment in sämtlichen denkbaren Zusammenstellungen aufgebaut. Sie durchlaufen in der Regel eine Reihenfolge von sieben Mess-zyklen, den Cycles. Dabei wird unter anderem die Rückhalteleistung beim Ein- und Ausschleusen von Werkzeug oder bei einem Stromausfall ermittelt. Alle Cycles werden dreimal pro Konstellation wiederholt.

Cycle 1: Nullmessung

Zu Beginn des Messdurchlaufs wird die Grundbelastung des Messraums mit der Testsubstanz ermittelt. Anhand dieses Werts kann eine bessere Einordnung der nachfolgenden Versuchszyklen erfolgen.

Cycle 2: Produktion

Der Bediener richtet die Tablettenpresse ein und startet den Betrieb. Um die Rückhalteleistung während der laufenden Produktion zu messen, arbeitet die Maschine eine halbe Stunde im Normalbetrieb. Auch typische Prozesse wie das Ziehen von Mustertabletten für die Qualitätskontrolle werden in diesem Zyklus getestet.

Cycle 3: Ein- und Ausschleusen

Der Bediener schleust Stempel und Werkzeug durch den Rapid Transfer Port (RTP) in die Maschine. Anschließend nutzt er die Handschuheingriffe, um die Stempel zu wechseln. Am Ende des Cycles werden die Werkzeuge wieder aus der Anlage entnommen.

Cycle 4: Fehlertest

Der Fehlertest simuliert einen Stromausfall. Dafür laufen die Tablettenpresse und die Filtereinheit zunächst fünf Minuten im regulären Betrieb und werden dann abgeschaltet. Ab diesem Punkt übernimmt das Notfallsystem des Air-Management-Systems. Die anschließende Messung dauert 25 Minuten.

Cycle 5: Reinigung des Innenraums

Über die Handschuheingriffe fasst der Bediener in den Maschineninnenraum und führt eine Innenraumreinigung des Pressraums und gegebenenfalls des Isolators durch. Je nach Anlage wird zudem eine Handwasch-pistole eingeschleust und die Komponenten werden manuell nachgereinigt. Anschließend startet das Waschprogramm. Die ganze Zeit bleiben die Fensterklappen der Maschine geschlossen.

Cycle 6: Prozess-Equipment entfernen

Der Aufwärtsentstauber und der Checkmaster des Geräts werden abgedockt. Für diesen Schritt gibt es zwei Messszenarien: Tablettenpresse mit Isolator und Tablettenpresse mit waschbarem Prozess-Equipment. Wird eine Maschine mit Isolator gemessen, entfällt dieser Schritt und es geht nach Cycle 5 direkt mit Cycle 7 weiter.

Cycle 7: Ausbau der Fill-O-Matic

Der Bediener öffnet die Fensterklappen und baut die Fill-O-Matic und die Stempel aus. Die Tablettenpresse wird feucht ausgewischt.

Standardisiertes Containment-Portfolio

Auch die Containment Guard-App nutzt die erhaltenen Messergebnisse. Dabei handelt es sich um eine Art Konfigurator für Containment-Anlagen. Mit ihr können die Vertriebsexperten des Unternehmens dem Kunden bereits in einer frühen Projektphase eine individuelle Systemlösung anbieten und erläutern. Ausgangspunkt ist immer die angeforderte Rückhalteleistung der neuen Anlage. Anschließend führt die App den Nutzer durch die Module Technology, Competence und Service und informiert über die zur Verfügung stehenden Lösungen.

Nach der Vorstellung seiner Entwickler soll der Containment Guard zum Standard bei der Produktion mit aktiven und hochaktiven Wirkstoffen werden und es den Anwendern ermöglichen, ihre Lieferanten frühzeitig in ein Projekt einzubinden. Darum hat Fette Compacting sein Portfolio für alle Containment-Level standardisiert. Dem Nutzer bleibt dennoch genug Spielraum, nach eigenen Präferenzen mitzugestalten.[ak]

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