Faltschachtel mit Data Matrix Code

Die EU-Fälschungsschutzrichtlinie sieht Datamatrix-Codes und Sicherheitssiegel auf allen Faltschachteln vor. (Bild: Bluhm Systeme)

Entscheider-Facts

  • Corona-Impfstoffe stellen auch die Produkt- und Verpackungskennzeichnung vor große Herausforderungen.
  • Das Zusammenspiel von Etikettenmaterial, Klebestoff und Etikettiertechnik sorgen hier für eine sichere Kennzeichnung.

Die besonderen Bedingungen, unter denen viele Corona-Impfstoffe produziert, gelagert und transportiert werden müssen, stellen auch die Produkt- und Verpackungskennzeichnung vor große Herausforderungen. Maschinen und Materialien haben den Umgebungsanforderungen standzuhalten: Etikettiertechnik muss auch bei tiefkalten Temperaturen zuverlässig funktionieren, Etikettenmaterialien und -kleber müssen sowohl eine Lagerung der Impfstoffe in flüssigem Stickstoff als auch den späteren Auftauprozess unmittelbar vor der Verabreichung bestehen.

Für derart komplexe Aufgabenstellungen sind Kennzeichnungsanbieter gefragt, die über entsprechende Expertise verfügen. Bluhm Systeme aus Rheinbreitbach zum Beispiel kann eine 50-jährige Erfahrung bei der professionellen Kennzeichnung pharmazeutischer Produkte vorweisen. Das umfasst alle Verpackungsstadien von Primär- über Sekundär- bis hin zu Tertiärverpackungen. Primärverpackungen sind die Behälter, die die Pharmazeutika unmittelbar beinhalten. Bei Impfstoffen sind das oftmals Durchstechfläschchen aus Glas oder Kunststoff. Sekundärverpackungen fassen Primärverpackungen zu Einheiten zusammen, beispielweise Faltschachteln mit mehreren Impfstoffdosen. Tertiärverpackungen schützen das Produkt bei Lagerung und Transport. Dazu zählen Versandkartons, Kühlboxen und Paletten.

Glasfläschchen währen Ettikettieren
Für Aufgabenstellungen wie die Kennzeichnung pharmazeutischer Produkte sind erfahrene Anbieter gefragt. (Bild: Bluhm Systeme)

Impfstoffe etikettieren

Schnelle Temperaturwechsel und große Temperaturschwankungen stellen hohe Anforderungen an die Etikettierung von Impfstoffen. Materialien und Kleber müssen nicht nur für kryogene Anwendungen geeignet sein – müssen also extrem niedrigen Temperaturen standhalten. Sie sind zudem wechselnden Bedingungen der Kühlkette vom Hersteller und Abfüller über Lagerung und Transport bis hin zum Anwendungsort ausgesetzt. Hier reichen die Umfelder von der Gefrierkühlung über zeitweise kondensierte bis hin zu trockenen Produktoberflächen.

Für den medizinischen und pharmazeutischen Bereich bietet Bluhm Systeme Etiketten aus PP, PE und Papier an. Diese Materialien erfüllen alle erforderlichen DIN- und FDA-Normen und sind zudem vom Prüf- und Zertifizierungsinstitut Isega für unbedenklich erklärt worden. Neben dem Material entscheidet der verwendete Klebstoff maßgeblich über die Eignung der Etiketten. Im Labor und bei Impfstoffen werden oftmals Behälter aus Glas, PE oder PVC verwendet. Die Spezialklebstoffe müssen nicht nur zuverlässig auf diesen Materialien haften, sondern dürfen zudem nicht durch das Behältermaterial diffundieren.

Pharma Etikettierer
Der kompakte Pharma-Etikettierer lässt sich leicht in bestehende Systeme integrieren. (Bild: Bluhm Systeme)

Klebstoffe für breite Temperaturspanne

Größte Herausforderung bei der Impfstoffkennzeichnung ist die Haftung des Klebstoffs vom Zeitpunkt des Aufbringens der Etiketten bis hin zur Verabreichung des Impfstoffs. Denn hier können Temperaturen von - 196 (Lagerung in Flüssigstickstoff) über Raumtemperatur bis hin zu  134 °C (Sterilisation in Autoklaven) herrschen. Oberflächen können trocken sein oder im Zuge des Auftauprozesses Kondenswasser bilden. Da die Produkte im weiteren Verlauf wahlweise aufgetaut oder auch wieder tiefgekühlt werden können, müssen die Klebstoffe unter allen diesen Bedingungen geschmeidig bleiben und dürfen keinesfalls spröde werden und abfallen. Dies gilt nicht nur für größere Etiketten, sondern ebenfalls für kleine Label, die auf runden oder zylindrischen Behältern mit einem Durchmesser von weniger als 23 mm – bei Ampullen unter Umständen sogar weniger als 15 mm – haften sollen.

Tiefkalte Impfstoffe serialisieren

Zur Sicherstellung der Rückverfolgbarkeit haben die Kennzeichnungen der Impfstoffe zudem bestimmte Sicherheitsmerkmale wie Serialisierungscodes zu tragen. Hier kommen verschiedene EU-Verordnungen wie zum Beispiel die EU-Fälschungsschutzrichtlinie 2011/62/EU zur Anwendung. Daher werden die Etiketten oftmals mit gleichbleibenden Daten wie Firmenname, Produktname, Anschrift, Anwendungsbereich oder Verabreichungsform vorgedruckt geliefert. Unmittelbar vor dem Applizieren durch Etikettendruckspender bringen Thermotransferdrucker variable Daten wie Serialisierungscodes, Lot-Nr., Charge, Datum, Barcode, Artikelnummer, Mengeninhalt oder Dosierung auf. Neben Material und Klebstoff muss natürlich auch dieser Druck den herausfordernden Produktions- und Transportbedingungen standhalten. Er muss zudem beständig gegen Lösemittel, Desinfektionsmittel und Feuchtigkeit sein.

Technik und Material optimal aneinander anpassen

Vorteilhaft ist es zudem, wenn das Etikettenmaterial an die Etikettiertechnik angepasst wird. Mit eigenem Maschinenbau sowie Etikettenproduktion hat Bluhm Systeme die Möglichkeit, Material und Technik aufeinander abzustimmen und im Vorfeld ausgiebig testen zu können. Dies ist zum Beispiel beim Anwender Apetito am Standort Rheine geschehen. Hier sollte eine Etikettieranlage ohne Einhausung in eine Produktionsumgebung von - 24 °C implementiert werden. Volker Bluhm, Prokurist und Mitglied der Geschäftsleitung beim Kennzeichnungsanbieter, erinnert sich: „Das Etikettenmaterial wurde bei der Kälte zuerst steif und brüchig und ließ sich nicht automatisch verarbeiten. Und bei den Etikettenspendern gab es nach Inbetriebsetzung zunächst Probleme mit der Linearachse, obwohl wir diese vorher wochenlang in der Kälte getestet hatten.“

Doch die Ingenieure fanden eine Lösung. Verschiedene Etikettenmaterialien und Kleber wurden ausprobiert, bis das passende Etikettenmaterial gefunden war, das sich auch bei den extremen Temperaturen vollautomatisch verarbeiten lässt und haftet. Bei den Etikettenspendern testete man Linearachsen verschiedener Anbieter und machte die Lager tiefkühltauglich. Der Ehrgeiz und das Durchhaltevermögen haben sich letztendlich ausgezahlt. Heute etikettieren an zwei Zuführlinien Etikettieranlagen die durchlaufenden Kartons mit farbigen Etiketten.

Sicherheitsmerkmale zuverlässig aufbringen

Neben den Produktionsumgebungen sind bei den Impfstoffen Fälschungsschutzmerkmale zu berücksichtigen. Hierfür ist ein Tamper-Evidence-Etikettierer im Programm, der Faltschachteln nicht nur mit manipulationssicheren Etiketten, sondern gleichzeitig per Tintenstrahldrucker mit Serialisierungscodes versehen kann. Diese Einheit wurde zum Beispiel in die sogenannte Item-Unit-Tamper-Evident der Seidenader-Tochter Traxeed inte-griert. Diese Anlage bedruckt und versiegelt Faltschachteln richtlinienkonform und checkt anschließend beide Schritte zur Sicherheit.

„Es war uns ein Anliegen, diese Unit möglichst kompakt zu bauen“, erklärt Christian Frenz, Produktmanager bei Traxeed. „Wir brauchten daher einen Partner, der das Tamper-Evident-Modul zum Anbringen des Erstöffnungsschutzes platzsparend in die Einheit integrieren konnte.“ Hierfür eignete sich das neue Gerät in besonderem Maße.

Etikettierer
Etikettenmaterial und Etikettierer müssen perfekt aneinander angepasst sein. (Bild: Bluhm Systeme)

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