Wie alles begann ...

Einblick

18.06.2013 So manches hat mal klein angefangen... Kennen Sie die Geschichte der Arzneimittelforschung? Kaum zu glauben, denn lang, lang ist's her. Stichwort: 1848: Nicht nur Deutschland, sondern halb Europa war in politische Unruhen verstrickt, die schließlich in einer Revolution gipfelten. Aber dieses Jahr hatte auch etwas Gutes - Chloroform wurde auf den Markt gebracht und stand in mehr oder weniger ausreichender Menge zur Verfügung. Verwundete Soldaten werden es zu schätzen gewusst haben ...

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Ein Sprung zum Jahr 1885. Die Tollwut, um deren Ursache sich zahlreiche Mythen rankten, konnte besiegt werden. Louis Pasteur, anerkannter Wissenschaftler, gelang es, aus dem Rückenmark eines infizierten Kaninchens abgeschwächte Tollwutviren zu gewinnen und daraus einen Impfstoff zu entwickeln. Menschen, die von tollwütigen Hunden gebissen worden waren, konnte damit das Leben gerettet werden.

1919 war ein denkwürdiges Jahr für alle an Syphilis Erkrankten, denn von mehr als 600 Arsenverbindungen hatten Paul Ehrlich und Sahachiro Hata das „Präparat 606″ als positiv getestet. Es wurde von Hoechst produziert und kam unter dem Handelsnamen „Salvarsan“ auf den Markt. Seine Wirksamkeit war enorm: In manchen Fällen half schon eine einzige Injektion, doch mussten Patienten auch starke Nebenwirkungen in Kauf nehmen. Das war ein großer Schritt in die Richtung der modernen antibakteriellen Therapie. Dieses Mittel war übrigens das erste Präparat, dass eine umfassende klinische Prüfung durchlaufen hatte.

Einer weiteren Geisel der Menschheit wurde 1955 der Kampf angesagt. Jonas Salk entwickelte die inaktivierte Polio-Vakzine (IPV), 1961 zog Albert Sabin mit einer oralen Polio-Vakzine (OPV) nach. Beide Präparate hatten Vor- und Nachteile, aber die Zahl der an Poliomyelitis Erkrankten konnte in den 50er Jahren deutlich reduziert werden. Ziel der WHO ist es nach wie vor, mit dem oralen Impfstoff das Polio-Virus gänzlich auszurotten.

Zurück in das Jahr 1923. Es gelang erstmals, Insulin als groben Extrakt aus der Bauchspeicheldrüse geschlachteter Schweine zu gewinnen, den sich Diabetiker spritzen konnten – das allerdings alle vier Stunden, auch nachts. Eine regelrechte Erlösung war es für Betroffene, als es ab 1936 ein Insulin-Präparat gab, das mindestens acht Stunden wirkte. Es wurden immer neue Aufbearbeitungs- und Reinigungsverfahren entwickelt, die ein hoch gereinigtes Insulin tierischen Ursprungs möglich machten. Heutzutage nehmen die meisten Diabetiker biosynthetisches Humaninsulin, das – seit 1982 – per Gentechnik mithilfe von Bakterien produziert wird und dem menschlichen Insulin sehr nahe kommt.

Es gab im Laufe der kommenden Jahrzehnte zahlreiche weitere Meilensteine. Ab Mitte der 70er Jahre trat die Gentechnik in der Arzneimittelforschung ihren Siegeszug an. Heute sind Medikamente mit etwa 75 gentechnisch hergestellten Wirkstoffen zugelassen. Wichtigste Anwendungsgebiete sind Impfstoffe, Diabetes, Multiple Sklerose, Krebs und seltene Krankheiten. Apropos Krebs: 1957 bzw 1958 gab es schon erste Zytostatika gegen Leukämie und Lungenkrebs. Es folgten 1979 ein hochwirksames Medikament – ein Zytostatikum auf Platin-Basis – gegen Hodenkrebs, 2006 wurde ein Impfstoff gegen Gebärmutterhalskrebs entwickelt und 2007 ein Medikament gegen Leberkrebs. Und seit 1991 gibt es ein Präprat, das den heftigen Brechreiz während einer Chemotherapie erheblich mindert.

Dennoch: Es bleibt noch viel zu tun. In ihren Labors in Deutschland kümmern sich forschende Pharma-Unternehmen insbesondere um Schlaganfall und andere Thrombose-Erkrankungen, Diabetes, Krebs, Schmerzen sowie Alzheimer. Da kann man nur sagen: dranbleiben!

Hier erfahren Sie mehr über Arzneimittelforschung

 

Heftausgabe: Juni 2013
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Li.
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