Halbjahresbilanz des Chemieverbands VCI

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14.08.2018 Die Hunderter-Marke ist geknackt: Chemieprodukte im Wert von über 100 Mrd. Euro haben die deutschen Hersteller im ersten Halbjahr verkauft – und damit mehr als 5 % auf den sowieso schon sensationellen Wert des Vorjahres draufgepackt.

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Entscheider-Facts für Betreiber und Manager

  • Der Umsatz der deutschen Chemieindustrie ist im 1. Halbjahr 2018 um 5,5 % auf über 100 Mrd. Euro gestiegen.
  • Besonders erfolgreich ist die Branche mit Spezialchemikalien und pharmazeutischen Produkten.
  • Aufgrund politischer und wirtschaftlicher Risiken rechnet der VCI für das zweite Halbjahr mit einer Abschwächung: Für das Gesamtjahr geht der Verband von einem Umsatzplus von 4,5 % aus.
Panorama Himmel

Bild: Claudia Paulussen – AdobeStock

Und dennoch wird die „German Angst“ wieder spürbar: Der Chemieverband betonte auf der Halbjahres-Pressekonferenz vor allem die wirtschaftlichen und politischen Risiken.

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Kurt Bock, Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie
Die aktuelle Geschäftslage wird überwiegend positiv bewertet, allerdings hat das Tempo des Wachstums nachgelassen, und der Gegenwind wird stärker.

Wie der Verband der Chemischen Industrie in seiner Halbjahresbilanz berichtet, kletterte der Umsatz von Januar bis Juni 2018 im Vergleich zum Vorjahr um 5,5 % auf gut 100 Mrd. Euro. Die Produktion der drittgrößten Branche in Deutschland legte insgesamt um 5 % zu. Doch nicht alle Sparten konnten von der guten Wirtschaftslage gleichermaßen profitieren: Während Spezialchemikalien ein Produktionsplus von 4,5 und Pharmazeutika sogar von über 11 % erzielten, legte die Produktionsmenge bei Petrochemikalien und Polymeren nur um 1,5 % zu. Dagegen stieg die Produktivität der Beschäftigten: Deren Zahl erhöhte sich leicht auf 455.200 Mitarbeiter (+0,5 %).

Brexit, Handelskrieg und Ölpreis behindern weiteren Aufschwung

Die Geschäftserwartungen der Branche haben sich laut VCI inzwischen etwas eingetrübt. Wie der Verband im Juli berichtete, blicken die Unternehmen inzwischen weniger optimistisch in die Zukunft als noch zu Jahresbeginn. Wirtschaftliche und politische Risikofaktoren häuften sich. Die Gefahr eines globalen Handelskrieges zwischen den USA, China und der EU, die Folgen eines harten Brexits und die stürmische Ölpreisentwicklung gäben wenig Anlass, auf eine Fortsetzung des Aufschwungs zu hoffen. „Das Tempo des Wachstums hat nachgelassen, gleichzeitig haben die konjunkturellen Risiken zugenommen. Der Gegenwind wird stärker“, bewertete VCI-Präsident Kurt Bock die Lage der Branche.

In Erwartung einer schwächeren zweiten Jahreshälfte geht der Verband für das Gesamtjahr 2018 von einem Produktionswachstum von 3,5 % aus. Bei einem höheren Preisniveau von 1 % dürfte der Umsatz der Branche laut VCI um 4,5 % auf über
204 Mrd. Euro zulegen.

Forschungsförderung angemahnt

Dass die Einschätzung der Unternehmen für das zweite Halbjahr verhalten ausfällt, liegt aus Sicht des Chemieverbands auch daran, dass die Bundesregierung den wachsenden konjunkturellen Risiken keine positiven industriepolitischen Impulse für die Wirtschaft entgegensetzt. Vor allem beim Thema Innovation bestehe Handlungsbedarf. Deutschland brauche mehr Innovationstempo, so Bock, um in einer Welt globalen Wettbewerbs durch hochwertige Arbeitsplätze Wohlstand und Beschäftigung zu sichern. Der Verband plädiert für die Einführung einer steuerlichen Förderung von Forschung und Entwicklung und verweist auf globale Vorbilder in Sachen staatlicher Forschungsförderung. So spiele die Forschungsförderung bei der Standortwahl für Investitionen in forschungsintensive Projekte eine erhebliche Rolle.

VCI-Präsident Bock forderte die Bundesregierung auf, im Herbst einen konkreten Gesetzentwurf für eine steuerliche FuE-Förderung vorzulegen. „Die Glaubwürdigkeit politischen Handelns steht hier auf dem Spiel – nicht nur innerhalb unserer Branche“, betonte er. Der finanzielle Gestaltungsspielraum des Bundeshaushalts sei durch die stark steigenden Steuereinnahmen in der Legislaturperiode so groß wie nie zuvor.

Eine steuerliche Förderung sei ein wichtiges Instrument, um das im Koalitionsvertrag vereinbarte Ziel von 3,5 % des BIP für die Ausgaben von Forschung und Entwicklung bis 2025 in Deutschland zu erreichen. Diese Messlatte bedeutet eine Kraftanstrengung für die Wirtschaft: Sie bringt zwei Drittel aller finanziellen Mittel auf. Die chemisch-pharmazeutische Industrie trägt das 3,5-%-Ziel mit. Die Branche investiert derzeit jährlich knapp 11 Mrd. Euro in die Forschung.

(as)

Heftausgabe: August 2018
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