Geschäftsziele

Merck: 2017 schwierig, 2018 optimistisch

29.09.2017 Der Pharma- und Chemiekonzern rechnet damit, seine Jahresziele für das kommende Jahr zu erreichen. Für das laufende Geschäftsjahr werde das Anschneiden im Rahmen der Prognose jedoch „verdammt schwierig“.

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Finanzvorstand Marcus Kuhnert meint, das erreichen der Jahresziele für 2017 werde für Merck

Finanzvorstand Marcus Kuhnert meint, das erreichen der Jahresziele für 2017 werde für Merck „verdammt schwierig“. (Bild: Merck)

Letzteres Urteil fällte Merck-Finanzvorstand gegenüber Analysten auf dem Kapitalmarkttag am 28.09.2017, berichtet Reuters. CEO Stefan Oschmann bestätigte „einige Herausforderungen“ im Jahr 2017, sieht den Konzern insgesamt jedoch „in guter Verfassung“. Der Vorstand sei zuversichtlich, die übergeordneten Ziele für 2018 zu erreichen. Währungseffekte und das schwache Flüssigkristall-Geschäft hatten Merck im August dazu gebracht, die Umsatzprognose von 15,5 bis 16 Mrd. auf 15,3 bis 15,7 Mrd. Euro zu senken.

Übergeordnete Ziele für 2018 sind der Ausbau der Healthcare-Pipeline, die vollständige Integration des Zukaufs Sigma-Aldrich in die Life-Science-Sparte sowie die „technologische Führerschaft bei Performance Materials“ langfristig zu sichern. Außerdem will der Konzern langfristig seinen akquisitionsbedingten Verschuldungsgrad planmäßig abbauen.

Healthcare profitiert von Fokus auf neuen Medikamenten

Merck hat im bisherigen Jahresverlauf Neuzulassungen des Immunonkologie-Präparats Bavencio (Avelumab) in den Indikationen Merkelzell- und Harnblasenkarzinom sowie für Mavenclad zur Behandlung von Multipler Sklerose erhalten. Beide Medikamente werden 2017 bereits erste Umsätze erzielen. Für Bavencio werden 2017 Umsätze von rund 20 Mio. Euro erwartet und für Mavenclad Umsätze im hohen einstelligen Millionen-Euro-Bereich. Hier erfolgte bereits die Markteinführung in Deutschland und dem Vereinigten Königreich. In der EU erwartet Merck für Mavenclad bis 2024/2025 jährliche Spitzenumsätze von 500 Mio. bis 700 Mio. Euro. Ob das Unternehmen Mavenclad in den USA zur Zulassung einreichen wird, will Merck bis Ende 2017 entscheiden. Insgesamt laufen für Avelumab derzeit neun Phase-III-Studien. Merck erwartet klinische Daten für drei davon in der ersten Hälfte 2018.

„Merck ist in guter Verfassung“, sagt Stefan Oschmann, CEO und Vorsitzender der Geschäftsleitung. (Bild: Merck)

„Merck ist in guter Verfassung“, sagt Stefan Oschmann, CEO und Vorsitzender der Geschäftsleitung. (Bild: Merck)

Auch das Bestandsgeschäft mit Medikamenten des Unternehmensbereichs Healthcare entwickelte sich gut. Es wuchs in jedem der letzten 25 Quartale organisch und Merck verfolgt das Ziel, die Umsätze des Bestandsgeschäfts auch bis 2022 auf organischer Basis stabil zu halten. Strategisch konzentriert sich Healthcare auf die Erforschung und Entwicklung innovativer Medikamente in den drei Therapiegebieten Onkologie, Immunonkologie und Immunologie. Im Einklang mit dieser Strategie hat Merck Anfang September das Biosimilars-Geschäft an Fresenius verkauft und prüft strategische Optionen für das Consumer-Health-Geschäft, einschließlich eines teilweisen oder kompletten Verkaufs sowie Partnerschaften.

Life Science wächst stärker als der Markt

Im Unternehmensbereich Life Science entwickelte sich das Geschäft in den vergangenen Quartalen schneller als der Markt. Insbesondere eine starke Nachfrage aus der biopharmazeutischen Industrie wirkte sich positiv aus. Merck realisierte plangemäß weitere Synergien aus der Sigma-Aldrich-Integration. Die Integration der E-Commerce-Plattform sigmaaldrich.com ist inzwischen sehr weit fortgeschritten. Rund 80 % der geeigneten ehemaligen Merck-Millipore-Produkte in Nordamerika und Europa sind inzwischen online verfügbar, wodurch nun auch erste Umsatzsynergien sichtbar werden. Im Zuge der Integration von Sigma-Aldrich hat Merck bereits elf Life-Science-Produktionsstandorte sowie sechs Logistikstandorte weltweit konsolidiert, um die geplanten Kostensynergien zu realisieren.

Merck beweist auch im Life-Science-Bereich seine große Innovationskraft. So arbeitet das Geschäft neben digitalen Lösungen für das Labor der Zukunft auch intensiv an Instrumenten zur sogenannten Geneditierung. Im August hat das Europäische Patentamt (EPA) Merck das Patent für eine CRISPR-Technologie erteilt, die in einem Genomintegrationsverfahren für eukaryotische Zellen eingesetzt werden soll. Mit der Patentierung soll die CRISPR-Genom-Integrationstechnologie von Merck umfangreich geschützt werden.

Performance Materials steht auf vier starken Säulen

Der Unternehmensbereich Performance Materials steht im Geschäft mit Flüssigkristallen, wie berichtet, derzeit vor Herausforderungen. Insbesondere im Geschäft mit etablierten Flüssigkristalltechnologien sieht sich Merck einer einsetzenden Normalisierung seiner überdurchschnittlich hohen Marktanteile bei anhaltendem Preisdruck gegenüber. Merck will seine Markt- und Technologieführerschaft im Bereich der Displaymaterialien langfristig sichern und setzt hierbei auf Kundennähe, technisches Knowhow und Innovationen. Dazu zählen zum Beispiel die technisch neuen Display-Schaltmodi SA-VA und UB-Plus, die derzeit gemeinsam mit mehreren Kunden getestet werden. Zugleich treibt Merck die Anwendung seines Flüssigkristall-Knowhows in Bereichen jenseits der Displayherstellung voran. So zum Beispiel in Flüssigkristallfenstern und Flüssigkristallantennen mit einem sehr hohen Datendurchsatz. Letztere sollen unter anderem im Automobilbereich zum Einsatz kommen. Auch in sehr präzisen Scheinwerfern, die Merck gemeinsam mit Hella entwickelt hat und die jüngst auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt präsentiert wurden, werden Flüssigkristalle angewendet.

Unterdessen hat Merck das Performance-Materials-Geschäft gezielt strategisch weiterentwickelt. Der Unternehmensbereich steht heute auf vier starken Säulen, wobei das Flüssigkristallgeschäft mittlerweile weniger als 50 % zum Gesamtumsatz des Unternehmensbereichs beisteuert. So sind in der Geschäftseinheit Integrated Circuit Materials das Geschäft mit Materialien für die Produktion integrierter Schaltkreise sowie das SAFC-Hitech-Geschäft von Sigma-Aldrich gebündelt. Als Innovationsführer bei Perlglanzpigmenten und funktionellen Additiven zeigte Merck auf der IAA auch deren Einsatzmöglichkeiten in Autolacken. Die Produkte der Geschäftseinheit Pigments & Functional Materials kommen jedoch auch in Kosmetika oder Lebensmitteln zum Einsatz. Der Bereich Advanced Technologies umfasst das Geschäft mit OLED-Materialien, in welchem Merck eine führende Position einnimmt und bestens darauf vorbereitet ist, Marktchancen zu nutzen.

Klar definierter Pfad zum Schuldenabbau

Merck hat seine Nettofinanzverbindlichkeiten nach der Sigma-Aldrich-Akquisition weiter reduziert. „Wir haben gegenüber Ratingagenturen und somit auch den Anleihe-Investoren einen klar definierten Pfad zum Schuldenabbau kommuniziert. Diesen verfolgen wir kontinuierlich weiter, um bald wieder mehr finanzielle Flexibilität zu haben. Dann werden auch wieder Zukäufe möglich sein“, sagte Finanzvorstand Marcus Kuhnert. Solange der Verschuldungsgrad aus Nettofinanzverbindlichkeiten/EBITDA vor Sondereinflüssen jedoch über 2 liegt, schließt Merck Zukäufe im Volumen von über 500 Mio. Euro allerdings aus, es sei denn, sie ließen sich durch Veräußerungen gegenfinanzieren. Merck hat seit 2002 Zu- und Verkäufe im Volumen von knapp 40 Mrd. Euro getätigt. Dabei wurden alle vier großen Zukäufe erfolgreich integriert und haben maßgeblich zur strategischen Weiterentwicklung des Unternehmens beigetragen.

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