Corona-Impfstoff-Pionier

Nach Personalkarussell: Curevac findet Lösung für Aufsichtsratsvorsitz

03.04.2020 Das Tübinger Unternehmen Curevac stand zuletzt im Zentrum des Kampfes um einen Corona-Impfstoff. Auch personell geht es beim Biotech-Pionier derzeit turbulent zu: Nach einem Doppelwechsel an der Unternehmensspitze, folgt nun ein neuer Aufsichtsratschef.

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Curevac forscht an einem Impfstoff gegen das Coronavirus. (Bild: Olivier – Fotolia)

Das Personalkarussell in Tübingen hat sich in den letzten Wochen kräftig gedreht: Am 13. März war bekannt gegeben worden, dass Curevac-CEO Dan Menichella sein Amt aufgeben muss. Angeblich wünschten sich die Investoren des Biotech-Unternehmens und Impstoff-Entwicklers in Zeiten der Corona-Krise mehr Erfahrung und hievten daher den langjährigen CEO und Mitgründer Ingmar Hoerr vom Aufsichtsrats-Vorsitz wieder zurück in den Chefsessel. Dieser musste aber nur wenige Tage später aus „gesundheitlichen Gründen“ einen Rückzieher machen und sein neues Amt aussetzen.

Jean Stéphenne übernimmt Aufsichtsratsvorsitz

Während mit dem stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden Franz-Werner Haas schnell ein Interims-Ersatz auf dem Chefposten gefunden wurde, blieb der durch den Wechsel Hoerrs freigewordene Aufsichtsrat-Vorsitz bisher noch unbesetzt. Nun präsentierte Curevac mit Jean Stéphenne auch eine Lösung für diese Funktion. Stéphenne ist bereits seit September 2015 Mitglied des Aufsichtsrats und war bisher dessen stellvertretender Vorsitzender. Er leitete ab 1998 die Impfstoff-Sparte des Pharmakonzerns Glaxo-Smith-Kline, GSK Biologicals. Er ist derzeit auch im Verwaltungsrat verschiedener anderer Life-Science-Unternehmen tätig, darunter bei Bone Therapeutics, Vaxxilon und Bepharbel.

Was sind mRNA-Impfstoffe und wie funktionieren sie?

Impfstoffe ahmen Krankheitserreger nach, um das Immunsystem zu stimulieren. Dieses baut dadurch einen Abwehrmechanismus auf, der im Körper aktiv bleibt, um zukünftige Infektionen zu bekämpfen. Übliche Impfstoffe nutzen dazu beispielsweise inaktivierte Viren oder einzelne Proteine aus der Hülle eines Virus. Diese sogenannten Antigene dienen dem Immunsystem dann gewissermaßen als Vorlage, um Antikörper gegen das Virus herstellen zu können.

Einen anderen Ansatz verfolgen messengerRNA-Impfstoffe (mRNA): Sie bestehen nicht aus dem Antigen selbst, sondern stellen einen Bauplan für das Antigen dar. Gelangt dieser Plan in eine Körperzelle, produziert diese zunächst das Antigen. Darauf reagiert das Immunsystem mit der Produktion von Antikörpern. Eine M-RNA kann auch als Vorlage für mehrere verschiedene Antigene dienen. Dies ermöglicht höhere Flexibilität und Effizienz im Entwicklungsprozess. mRNA-Impfstoffe sind deutlich einfacher und schneller zu synthetisieren als die Massenproduktion von Virus-Bestandteilen. Außerdem sollen diese Impfstoffe gezielter und verträglicher wirken. Aufgrund dieser Vorteile gelten mRNA-Impfstoffe auch als vielversprechend gegen einige Krankheiten, für die bislang keine Impfung praktikabel umsetzbar ist.

Investor Dietmar Hopp äußert sich

„Jean kennt das Unternehmen seit vielen Jahren. Aufgrund seiner langjährigen Erfahrung im Gesundheitswesen und seiner großen Expertise im Bereich der Impfstoffentwicklung ist er der richtige Aufsichtsratsvorsitzende“, meint Curevac-Hauptinvestor Dietmar Hopp. Das Unternehmen war in die Schlagzeilen geraten, da einen vielversprechenden Impfstoff-Kandidaten gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 auf mRNA-Basis entwickelt und angeblich ein „feindliches“ Übernahme-Angebot von der US-Regierung erhalten habe. Investor Hopp erteilte diesem allerdings eine Absage. (jg)

Bildergalerie: Pharmaindustrie in der Coronakrise

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