Effiziente Diätenformulierung in Aquakultur

Software-gesteuertes Fischfutter

27.08.2017 Fisch ist als Nahrungsmittel beliebt, doch immer mehr Bestände in den Weltmeeren sind überfischt. Ein Ausweg ist die Fischzucht in Aquakultur, sofern sie nachhaltig betrieben wird.

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Fishes - Nile Tilapia

Der Nil-Tilapia macht etwa drei Viertel der zum Verzehr gezüchteten Tilapia aus.
(Bild: paulrdunn – iStock)

Eine Software des Chemie- und Futtermittelkonzerns Evonik soll die Aquakultur von Buntbarschen effizienter machen. Der Buntbarsch oder Tilapia gehört nach Lachs und Karpfen zu den beliebtesten Speisefischen aus Aquakultur. Er zeichnet sich durch ein besonders hohes Verhältnis der begehrten Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren aus. Außerdem enthält der Tilapia nur wenig gesättigte Fettsäuren und Kohlenhydrate, dafür viel Protein sowie Phosphor, Kalzium, Selen und die Vitamine Niacin und B12. Hinzu kommt eine relativ geringe Belastung des schnellwachsenden Fisches mit Quecksilber. Daher ist es wenig überraschend, dass die Aquakultur von Tilapia ein wachsender Industriezweig ist. Im Jahr 2015 betrug die Jahresproduktion über
5 Mio. t. Den größten Anteil macht dabei mit rund 75 % der Nil-Tilapia aus.

Genau wie der Fisch selbst stammt auch die Tilapia-Aquakultur ursprünglich aus Afrika. Hieroglyphen deuten darauf hin, dass schon die alten Ägypter den Speisefisch schätzten und züchteten, und auch den Fischern auf dem biblischen See Genezareth ging er ins Netz. Heute findet die Zucht vor allem in Asien statt, wo das Klima ebenfalls günstig ist. Größter Produzent ist China, gefolgt von Ägypten, Indonesien, den Philippinen und Thailand.

Alle Aminosäuren im richtigen Verhältnis

Der vor allem für seine Spezialchemikalien bekannte Konzern Evonik beliefert in seinem Segment Nutrition & Care auch Anwendungen im Bereich Konsumgüter des täglichen Bedarfs ebenso wie in Tierernährung und Gesundheit. Um der steigenden Nachfrage nach gesundem und nahrhaftem Fisch gerecht zu werden, unterstützt das Unternehmen die Aquakulturindustrie mit der Software Aminotilapia. Damit können Fischzüchter ihre Futtermittel effizienter formulieren. Dies betrifft insbesondere die essentiellen Aminosäuren, die den größten und teuersten Teil des Fischfutters ausmachen. Der Chemiekonzern profitiert dabei von seiner über 60jährigen Erfahrnung in der Produktion essentieller Aminosäuren.

Die Software berechnet und empfiehlt die idealen Aminosäure-Zusammensetzungen für verschiedene Wachstumsstadien von Tilapia und berücksichtigt dabei verschiedene Produktionsfaktoren. Sie unterstützt so Tierernährer, Diäten zu formulieren, die die Bedürfnisse der Tiere optimal erfüllen und zugleich die Futterumwandlungsrate verbessern. Damit steigt die Effizienz, mit der die Tiere Nährstoffe verstoffwechseln. So sind moderne Diäten möglich, die alle Aminosäuren genau im richtigen Verhältnis enthalten und den Einsatz von zu viel Protein vermeiden. Ausgewogene Diäten erhöhen somit nicht nur die Effizienz, sondern tragen auch zum Schutz der Umwelt bei, da die Fische weniger überschüssigen Stickstoff ausscheiden. [ak]

 

Heftausgabe: August 2017
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Über den Autor

Ansgar Kretschmer, Redaktion
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