Veranstaltung

1. Praxistagung Containment: Aha-Effekt in München

24.05.2017 Nach einer spannenden Vortragsreihe, inklusive reger Diskussion, ging gestern, den 23. Mai 2017, die 1. Praxistagung Containment zu Ende. Die Gemeinschafts-Veranstaltung von CHEMIE TECHNIK/Pharma+Food und PTS konnte 80 Besucher und die eine oder andere interessante Erkenntnis verbuchen.

Anzeige
DSC_0138

Richard Denk, Vertriebsleiter Containment bei Skan, startete die Veranstaltung mit einem kleinen Rückblick zum Thema Containment. (Bild: Redaktion)

DSC_0171

Im Ausstellungsbereich der Praxistagung konnten sich die Teilnehmer über aktuelle Containment-Lösungen informieren. (Bild: Redaktion)

sdr

Im Zuge der Vortragsveranstaltung konnten die Teilnehmer ihre Fragen an die Referenten stellen. (Bild: Redaktion)

DSC_0223

Rund 80 Teilnehmer informierten sich über Strategien und Lösungen zur erfolgreichen Umsetzung von Containment. (Bild: Redaktion)

DSC_0258

Bei der Abschlussdiskussion stand die Erkenntnis, dass Chemie und Pharma zwar eine unterschiedliche Sprache sprechen, aber ähnliche Problemstellungen zu lösen versuchen. (Bild: Redaktion)

Pharma und klassische Chemie in einem Raum versammelt – eine zunächst ungewöhnliche Kombination, die sich da zur 1. Praxistagung Containment in München zusammenfand. Doch am Ende der Veranstaltung mit Fokus auf den Arbeits- und Produktschutz stand die Erkenntnis: Das passt. Denn wenn auch beide Branchen eine recht unterschiedliche Terminologie benutzen, so das Fazit der Teilnehmer, sind die Problemstellungen übertragbar. Weshalb auch angeregt wurde, eine dauerhafte Plattform zwischen den „Gewerken“ zu schaffen.

Ganz viel Praxis und ein bisschen Theorie

Im Zentrum der Vorträge und der begleitenden Ausstellungen standen Strategien und Lösungen, mit denen Anwender Containment erfolgreich umsetzen können. Um hierfür das  nötige Fundament zu schaffen, startete die Praxistagung aber zunächst mit zwei Vorträgen, die das nötige Hintergrundwissen schafften. Den Beginn machte dabei Richard Denk, Vertriebsleiter Containment bei Skan, der in seinen Vortrag mit einem Rückblick über die Entwicklungen im Bereich Containment startete und dann zu den aktuellen Trends überging. Die klare Erkenntnis: Die Anforderungen werden immer höher. Nachdem die Containment-Pyramide mit OEB 6 (OEL < 01 µg/m3) erst kürzlich eine neue Spitze aufgesetzt bekam, gibt es bereits erste Diskussionen über die Einführung OEB 7. Woraus sich die Frage ableitete: Hat der Mensch hier überhaupt noch Platz, oder werden Containment-Anlagen in diesen Bereichen künftig vollautomatisiert sein?

Im Folgevortrag wurde es dann chemisch: Dr. Martin Tischer, Gruppe 4.1 Expositionsszenarien der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, referierte über die europäische Chemikalienverordnung Reach und deren – zaghafte – Umsetzung: Ein Screening der Echa von 400 Zwischenprodukt-Registrierungen hatte ergeben, dass bei 86 % Zweifel an der Einhaltung der Bedingungen erhoben wurden. Hier sei „noch ein langer Weg zu gehen.“ Als mögliche Ursache nannte Tischer, dass bei vielen Betrieben wohl schlicht nicht bekannt sei, welche Schutzmaßnahmen überhaupt am Markt verfügbar seien.

Containment zum Anfassen

Diese Bemerkung war dann auch sogleich der perfekte Startschuss für den nächsten Tagungspunkt: Das Speed-Networking im Ausstellungsbereich, bei dem die Teilnehmer die Möglichkeit erhielten, sich über aktuelle Containment-Lösungen zu informieren. Danach ging es auch nahtlos weiter mit der Praxis: Andreas Hänel, Manager OSD bei R-Pharm Germany, berichtete aus Sicht eines Betreibers, wie sich Containment auf unterschiedliche Varianten umsetzen lässt, nämlich vollautomatisiert wie in den High Containment Facility Newcon oder hoch flexibel im PPDC (Product and Process Development Center), bei dem Mitarbeiter viele Tätigkeiten noch händisch ausführen, was dann allerdings im Schutzanzug erfolgen muss. Wer wollte, konnte sich die beiden Facilities im Übrigen am Montag vor der Praxistagung im Zuge einer Exkursion nach Illertissen auch live vor Ort ansehen. Eine Möglichkeit, die knapp 30 Teilnehmer wahrnahmen.

Auf Hänel folgten dann die Beiträge der Lösungsanbieter: Dr. Matthias Kruse, Directer Sales bei Hecht, erklärte, wie das sichere Arbeiten mit gefährlichen Schüttgütern möglich ist. Dabei geht es nämlich nicht nur um die geeignete Produktlösung. Sondern auch darum, dass das Personal gut mit dieser arbeiten kann. Soll heißen: Die Ergonomie beim Bedienen und Reinigen ist ein wichtiger Aspekt des Designs. Und dann: Schulen, schulen, schulen. Denn auch die beste Applikation nützt nichts, wenn es dann in der Praxis zu Bedienfehlern kommt.  Michael Maintok, Business Development Manager Containment Solutions bei Glatt widmete sich den Prozess-Schnittstellen. „Hier ist Hirnschmalz gefragt“, argumentiert Maintok. Denn überall dort, wo das Containment geöffnet wird, kann es kritisch werden. Dabei geht es nicht nur um Operationen des Produktionsalltags wie das Beschicken und Entleeren der Anlage, sondern auch das Reinigen und Warten sind Gefahrenmomente, die beim Anlagendesign zu beachten sind.

Aufwand runter, Produktivität rauf

Wer die letzten beiden Gefahrenpunkte aus seinem Prozess verbannen will, für den können Einwegtechnologien eine Lösung sein, erklärte Thomas Weingartner, Geschäftsführer Lugaia Deutschland, im Folgevortrag, in dem er die Vor- und Nachteile sowie die Grenzen der Single-use-Technologie vorstellte. Fazit: Korrekt in den Prozess eingeplant, können Betreiber mit der „Wegwerf-Technologie“ ihre Reinigungsaufwand reduzieren und die Produktivität erhöhen, ohne Abstriche beim Thema Sicherheit machen zu müssen. Den Abschluss der Vortragsreihe machte Markus Rückert, Inhaber Pharma Containment Solutions, der die Risikobetrachtung bei der Integration von Containment-Systemen zum Thema machte.

Die wichtigste Erkenntnis, die die Teilnehmer hier mitnehmen konnten, klang im ersten Moment vielleicht trivial, doch wird sie im Alltag an vielen Stellen dennoch nicht verinnerlicht: Bei der Risikoanalyse geht es darum, tatsächliche Gefahren zu erkennen, richtig einzuordnen und dabei die Subjektivität zu eliminieren. Wichtiges Werkzeug ist hier eine Dokumentation, um die Nachvollziehbarkeit der Rationalen zu ermöglichen.

Folgeveranstaltung steht bereits fest

Die Kombination aus Vorträgen und Ausstellung stieß auf positives Feedback der Teilnehmer, was sich auch in den angeregten Diskussionen während der Vorträge und den Pausen widerspiegelte. Gleichzeitig stand auch die Erkenntnis, dass das Thema Containment die Branchen Chemie und Pharma aufgrund aktueller Entwicklungen wie der Chemikalien-Verordnung Reach sowie dem ungebrochenen Trend zu immer hochaktiveren Wirkstoffen auch künftig nicht zur Ruhe kommen lassen wird. Weshalb auch schon jetzt eines feststeht: Am 16. Oktober 2018 startet die 2. Praxistagung Containment im Hochhaus des Süddeutschen Verlags.

Auf unserem Portal finden Sie viele weitere Beiträge rund um das Thema Containment.

Heftausgabe: Juni 2017
Anzeige
Loader-Icon