P+F-Trendbericht Easy to Clean

Sauberkeit als Kostenfaktor

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18.09.2017 Der Stillstand ist der Feind des Fortschritts. Je nach Quelle gilt dieser Spruch ebenso für die Kreativität oder ganz allgemein jeder positiven Entwicklung. Fakt ist: In der Prozessindustrie bedeuten Stillstandszeiten Produktionsausfälle.

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Entscheider-Facts für Betreiber

  • Hygienic Design beziehungsweise Easy to Clean ist längt kein alleiniges Thema der Pharma- und Lebensmittelbranche.
  • Auch die Prozessindustrie erkennt die Vorteile einer schnellen Reinigung, denn Stillstandszeiten sind Produktionsausfälle und verunreinigte Chargen führen zu Verlusten.
  • Daher geht der Trend hin zu hygienischen Produkten, die leicht zu reinigen sind. Dabei fragen nicht alle Anwender die hygiene-spezifischen Zertifikaten nach.
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Leicht zu reinigende Anlagen und -komponenten sparen bares Geld, denn eine Maschine, die gereinigt wird, kann nicht produzieren. (Bild: Edler von Rabenstein – Fotolia)

Dabei spielt es keine Rolle, ob die Maschine defekt ist, gewartet oder gereinigt wird. Daher sind Anlagenbetreiber darauf erpicht, die (planbaren) Ausfälle durch notwendige Reinigungen so kurz wie möglich zu halten. Die Forderung nach leicht zu reinigenden Anlagen und Anlagenkomponenten ist daher längst nicht mehr nur ein Thema der Lebensmittel- und Pharmaproduzenten. Mehr und mehr erkennen auch andere Branchen, wie die Chemie, die Vorteile von Anlagenkomponenten im Hygienic Design beziehungsweise in „Easy-to-clean“-Ausführungen.

Getrieben durch den Trend zu immer hochwertigeren Produkten geht es da­rum, Produktreste bei Chargenwechseln restlos zu entfernen, um eine Vermischung und damit Qualitätsverluste zu vermeiden. Beispiele für die Pharma- und Lebensmittelbranche sind Kontaminationen mit Allergenen (Milchprodukten, Nüsse oder Ei) oder die fehlerhafte Beimischung von pharmakologisch wirksamen Stoffen. In der Prozessindustrie sind es Verunreinigung von Farbpigmenten oder die unbeabsichtigte Vermischung von reaktionsfähigen Stoffen. Dazu kommt der Wunsch nach dem Vermeiden von „Handarbeit“ bei der Reinigung und nach einer Automatisierung von Reinigungsvorgängen.

 

Der Trend hin zur Hygiene

Volker Spieß, General Manager bei Gericke, sieht bei seinen Kunden eine einfache Reinigung als Grundvoraussetzung für Investitionsentscheidungen. Hintergrund ist das Optimieren der Reinigung und der Wunsch nach kürzeren Stillstandszeiten. Diese Anforderung sieht auch Sandra Drawe, Team Leader Marketing bei Rembe. Auch sie bemerkt seit einigen Jahren einen Anstieg der Anfragen nach Produkten im Hygienic Design. Als Gründe nennt sie die Verschärfungen in der Gesetzgebung und Normung, die Unternehmen neue Standards auferlegt und die wachsende Sensibilität beim Konsumenten. Theron Harbs, Business Field Manager bei Netzsch, zählt weitere Gründe auf: „Die Produktsicherheit steigt, und das Risiko von externen oder Kreuz-Kontaminationen sinkt. Außerdem sollen Qualitätsschwankungen vermieden werden.“

Stefan Gebhardt, General Manager Business Unit Food & Pharma bei Coperion, sieht in Lebensmittelskandalen einen wesentlichen Aspekt dafür, dass das Thema Lebensmittelsicherheit und damit die Verbrauchersicherheit, immer stärker in den Vordergrund rückt. Daher wird auch für sein Unternehmen das Thema Hygiene von Jahr zu Jahr wichtiger. Laut Gebhard fragen in manchen Bereichen Anwender explizit nach Easy-to-clean-Ausführungen. Johan Roels, Sales Manager Food von J-Tec, beobachtet in der chemischen Industrie einen Trend zum Hygienic Design, wenn die Produkte der Unternehmen in der weiteren Verarbeitung mit Lebensmitteln in Kontakt kommen. Als Beispiel nennt er Kunststoffe für Lebensmittelverpackungen.

Mit der steigenden Nachfrage nach hygienischen Produkten wächst laut Volker Spieß auch der Wissensstand der Anwender. Allerdings gäbe es immer noch ein breites Spektrum. Dieses reicht von expliziten Nachfragen, etwa nach Oberflächengüten, die eine leichte Reinigung ermöglichen, bis zu dem Fall, dass essenzielle Begriffe erklärt werden müssen. Er zieht Parallelen zur Einführung der Atex-Richtlinie. Auch damals lautete oftmals das Motto „Da müssen wir was machen“ – aber viele wussten nicht genau, wie und was.

Heftausgabe: September 2017
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Dr. Martin Large, Redaktion

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