Schön der Reihe nach

Verpackungskonstruktion für Therapietreue

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18.09.2013 Himmel, schon wieder die Tabletten vergessen! Mangelnde Therapietreue verursacht dem Patienten gesundheitliche Schäden, dem Gesundheitssystem hohe Kosten. Dabei lässt sich mit intelligenten Verpackungskonstruktionen die Compliance deutlich erhöhen. Verpackungshersteller wissen, wie.

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Entscheider-Facts


Für Pharmazeuten
  • Einige Studien haben bereits belegt, dass die Konstruktion und die grafische Gestaltung der Arzneimittelverpackung die Medikamenteneinnahme erleichtern und damit die Compliance verbessern können.
  • Drei Bereiche, in denen eine Arzneimittelverpackung punkten kann: das Öffnen, die übersichtliche Anordnung des Verpackungsinhalts und Verpackungskonstruktionen, die eine Therapie auch ortsunabhängig erleichtern.
  • Die Partnerschaft mit Maschinenbauern ermöglicht es Verpackungsherstellern zudem, die Konstruktionen an die Verarbeitungsprozesse beim Kunden anzupassen.

Regelmäßig schlagen Therapien nicht an, weil Medikationen falsch oder nicht konsequent eingenommen werden. Bei jedem zweiten Patient, so die Weltgesundheitsorganisation WHO, ist dies der Fall. Je nach Erkrankung kann der Wert sogar bei 80 Prozent liegen. Die Folgen liegen auf der Hand. Ausbleibender Therapieerfolg bis hin zu gesundheitlichen Schäden stellen eine Gefährdung für die Patienten dar. Darüber hinaus entstehen den Gesundheitssystemen dadurch jährliche Kosten in zum Teil dreifacher Milliardenhöhe. Therapietreue, international auch Compliance oder Adherence genannt, ist daher nicht umsonst ein Thema, mit dem sich Mediziner, aber auch Arzneimittelhersteller befassen.

Die WHO sieht mangelnde Compliance in verschiedenen Ursachen begründet. Faktoren wie Nebenwirkungen oder hohe Behandlungskosten spielen dabei genauso eine Rolle wie das persönliche Umfeld des Patienten oder eine schlechte Kommunikation mit ihm über seine Krankheit und deren Behandlung. Die Ansätze, die Therapietreue zu erhöhen, sind daher vielschichtig. Immer öfter rückt dabei die Verpackung in den Mittelpunkt.

Compliance mal drei
Einige Studien haben bereits belegt, dass die Konstruktion und die grafische Gestaltung der Arzneimittelverpackung die Medikamenteneinnahme erleichtern und damit die Compliance verbessern kann. So ermittelten US-Forscher bereits in den 1980er Jahren, dass ein Tablettenblister mit Kalendarium gegenüber Röhrenverpackungen die Therapietreue für ein Zwei-Phasen-Präparat von 30 auf 82 % nahezu verdreifachen kann. Auch in anderen Versuchen führte allein der Einsatz von Kalendarien und übersichtlich angeordneten Dosierungen zu ähnlichen Ergebnissen.

„Patientenfreundlichkeit spielt in der Verpackungsentwicklung eine zentrale Rolle“, bestätigt auch Dierk Schröder. Schröder ist Geschäftsführer der Edelmann Gruppe, die zu den führenden Herstellern von Sekundärpackmitteln für Arzneimittel zählt. Auch in der Kommunikation der Pharmaunternehmen mit dem Patienten sieht er für das sogenannte Compliance Packaging einen hohen Stellenwert. „Nicht zuletzt über die Verpackung kann ein Arzneimittelhersteller zum verlässlichen Therapiepartner werden.“

Punkten beim Patienten
Edelmann definiert drei Bereiche, in denen eine Arzneimittelverpackung beim Patienten punkten kann. Das beginnt mit dem leichten Öffnen und Wiederverschließen der Faltschachtel. Die wichtigsten Richtlinien wie die FDA-Vorgabe 16 CFR 1700.20 setzen voraus, dass Anwender ohne nähere Erläuterungen einen Öffnungsmechanismus in angemessener Zeit verstehen können müssen. Verschiedenste Öffnungs- und Verschlusskonstruktionen stehen dafür zur Verfügung.

Der zweite Bereich ist die übersichtliche Anordnung des Verpackungsinhalts. Das betrifft in allen Fällen das Medikament und die Packungsbeilage, oftmals aber auch mehrere Komponenten eines Präparats. Innenkonstruktionen wie Gefache oder Kammern ermöglichen eine einfache Handhabung aller Inhalte. Ein Beispiel ist die mehrfach ausgezeichnete Ampullenverpackung für Weleda. Acht einzelne Dosierungen werden von einem Kartoneinsatz übersichtlich und sicher zur handlichen Entnahme zusammengefasst. Eine verständliche Grafik auf dem Klappendeckel erläutert die Anwendung des Medikaments.

Der dritte Bereich umfasst schließlich Verpackungskonstruktionen, die eine Therapie auch ortsunabhängig erleichtern. Nicht selten muss eine Medikamenteneinnahme für den Therapieerfolg mehrmals am Tag erfolgen, meist in genau vorgegebenen Zeitabständen. Sogenannte Unterwegsverpackungen sind hierfür eine Lösung, die sich vor allem in Form von Wallets bereits bei namhaften Herstellern etabliert haben. Sie bieten Hüllen für Tablettenblister, mit denen auch unterwegs die wichtigsten Anwendungshinweise ohne großen Verpackungsmehraufwand verfügbar sind.

Konzepte proaktiv entwickeln
„Bereits mit intelligent angepassten Konstruktionen lässt sich der Grad der Compliance deutlich erhöhen“, fasst Schröder von Edelmann zusammen. „In unserer Entwicklungsarbeit entstehen dafür proaktiv Konzepte, die im engen Austausch mit Arzneimittelherstellern schnell auf das jeweilige Produkt und seine Anwendung zugeschnitten werden können.“ Die Partnerschaft mit Maschinenbauern ermöglicht es Verpackungsherstellern, die Konstruktionen an die Verarbeitungsprozesse beim Kunden anzupassen. Damit wird die wirtschaftliche Fertigung selbst außergewöhnlicher Konstruktionen sichergestellt.

Auch künftig werden konstruktive Lösungen das Gros ausmachen, wenn es um Compliance-gerechte Verpackungen geht. Neue Technologien werden die Anwendungsmöglichkeiten noch- mals erweitern. Bereits heute umfassen Compliance-Überlegungen elektronische Elemente, wie zum Beispiel Erinnerungs- oder Erklärungssysteme für das Handy. Über Codes, druckbare Elektronik oder Chips wird die Verpackung in Zukunft auch dabei mitspielen.

 

INTERVIEW MIT DIRK SCHRÖDER

Drei Fragen an Dierk Schröder, Geschäftsführer Edelmann Gruppe

Herr Schröder, Edelmann feiert dieses Jahr sein 100-jähriges Bestehen. Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?
Schröder: Edelmann orientiert sich unmittelbar an den Anforderungen des Marktes. Das Unternehmen war beispielsweise Vorreiter im Qualitätsmanagement. 1985 erhielt es als eines der ersten deutschen Unternehmen das RAL-Gütezeichen Pharmaverpackung, 1990 die Zertifizierung nach ISO 9001. Heute ist Edelmann eine internationale Unternehmensgruppe mit Produktionsstätten in sechs Ländern auf drei verschiedenen Kontinenten. Sukzessive haben wir uns weiterentwickelt – wie die Anforderungen unserer Kunden in der Health- und Beauty-Care-Industrie.
Sie betreuen internationale Verpackungsaufträge global agierender Unternehmen. Wie stellen Sie deren Umsetzung sicher?
Schröder: Unser Qualitätsversprechen lautet „High Q
Packaging“. Jede Verpackung, die einen der zwölf Edelmann-Produktionsstandorte auf dieser Welt verlässt, erfüllt dieses Versprechen. Dafür folgen wir gruppenweit einheitlichen Produktions- und Technologiestandards. Interne Schulungen und digitale Vernetzung regeln den Austausch zwischen den Standorten. So gelangen auch aufwendige Konstruktions- und Veredelungskonzepte sicher zur genauen Umsetzung.
Wie geht es für Edelmann weiter?
Schröder: Wir rechnen mit einem wachsenden Bedarf an Komplettlösungen. Als Systemhersteller liefern wir von der Verpackung über die Packungsbeilage bis hin zu Etiketten, Produktbeigabe, Kunststoffeinsatz alles aus einer Hand. Dieses Angebot werden wir weiter ausbauen. Auch ein weiteres internationales Wachstum ist nicht ausgeschlossen. Denn die Internationalität des Verpackungsgeschäfts wird durch die dynamische Entwicklung neuer Wachstumsmärkte, allen voran in den Asean-Staaten, weiter zunehmen.

 

Fachpack Halle 6/6 – 319

 

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Heftausgabe: September 2013
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Christiane Hilsmann, Redaktionsbüro Faktum

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Christiane Hilsmann, Redaktionsbüro Faktum
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