Production of ice-cream at factory

Der aktuelle Boom im Convenience-Bereich führt dazu, dass vermehrt hochviskose Produkte gefördert werden müssen. Deshalb liegen Verdrängerpumpen im Trend. (Bild: Shchipkova Elena - AdobeStock)

| von Armin Scheuermann ist Chefredakteur von Pharma+Food

P+F: Die EHEDG hat jüngst eines ihrer zentralen Dokumente – die Guideline 8 – zu grundlegenden Konstruktionsprinzipien für Equipment in Hygieneprozessen auf den neuesten Stand gebracht. Was war der Hintergrund dafür?
Hofmann: Die EHEDG hat sich zum Ziel gesetzt, ihre Guidelines alle fünf Jahre zu überarbeiten. Die alte Version der Guideline 8 stammte von 2004 – die Überarbeitung war also überfällig. Die Guideline hatte außerdem früher nur die Mikroorganismen im Fokus – die Ansprüche haben sich hier geändert. Heute sind die Betrachtung von Fremdkörpern und Allergenen hinzugekommen. Insgesamt lässt sich feststellen, dass sich das Verständnis von Hygienic Design wandelt. Hygienic Design wird heute viel globaler gesehen und beschränkt sich nicht nur auf Maschinen zur Lebensmittelfertigung
sondern auf alle Bereiche, in denen gereinigt wird.
Beispielsweise hat ein Bodenablauf in der Lebensmittelverarbeitung keinen Lebensmittelkontakt, muss aber trotzdem hygienisch gestaltet werden, um gut gereinigt werden zu können.

P+F: Welches sind die wichtigsten Änderungen gegenüber der Vorgängerversion von 2004?
Hofmann: Der Inhalt wurde gestrafft. Seit der letzten Publikation wurden viele neue spezifische Guidelines veröffentlicht. Auf diese wird jetzt verwiesen und nicht mehr die Inhalte wiederholt. Beispielsweise wurde das Kapitel über Werkstoffe mit der Beschreibung der Oberflächenbehandlungen gekürzt und auf die Leitlinie Werkstoffe verwiesen; damit wurde die neue Fassung auch nicht umfangreicher. Die Konstruktionsanforderungen beschränken sich nicht nur auf den produktberührten Bereich, sondern auch auf alle Bereiche, die
gereinigt werden müssen und eine Gefährdung für die Lebensmittelqualität darstellen, beispielsweise Gullyrinnen. Das neue Dokument beschreibt sehr eindeutig, welche Anforderungen für die Bauteilzertifizierung der EHEDG eingehalten werden müssen, zum Beispiel dass nicht verschweißte Metall-Metall-Verbindungen nicht als CIP-fähig zertifizierbar sind.

 

Jürgen Hofmann

Dr. Jürgen Hofmann ist Vorsitzender der deutschen Sektion der EHEDGFast täglich gibt es Meldungen über den Fund von Fremdkörpern in Lebensmitteln – zum Teil auch verursacht durch falsche Wartung. Hygienic Design kann dabei helfen, Fremdkörper in Lebensmitteln zu verhindern.

P+F: Welches sind aus Ihrer Erfahrung die neuralgischen Punkte von Pumpen, die in hygienischen Prozessen eingesetzt werden?
Hofmann: Bei Kreiselpumpen zeigt sich mit dem neunen EHEDG Zertifizierungssystem, dass das Baukastenprinzip mancher Pumpenhersteller nicht optimal ist. Wenn bei Kreiselpumpen die Leistung bei gleichem Pumpengehäuse über den Laufraddurchmesser angepasst wird, dann verändern sich die Strömungsverhältnisse in der Pumpe. So kann es dazu kommen, dass sich die Reinigungseigenschaften verschlechtern. Zum Teil entstehen Grenzbereiche, die nicht mehr leicht zu reinigen sind. Insgesamt registriere ich eine steigende Nachfrage nach CIP-fähigen Verdrängerpumpen. Insbesondere Schraubenspindelpumpen wurden optimiert und so konstruiert, dass sie leicht reinigbar sind.

P+F: Warum sind die Verdrängerpumpen gegenüber den Kreiselpumpen stärker im Kommen?
Hofmann: Ein Grund könnte der Boom im Convenience-Bereich sein, wo viele Produkte gefördert werden müssen, die hochviskos sind. Beispiele sind Joghurts, Soßen oder Pudding-Produkte. Diese lassen sich mit Kreiselpumpen nicht fördern. Schraubenspindelpumpen sind gut zu reinigen und gegenüber Exzenterschneckenpumpen besteht auch das Problem des Elastomerabriebs vom Stator nicht. Der Nachteil der Schraubenspindelpumpen besteht in den Investitionskosten. Aber die Vorteile überwiegen offenbar häufig.

P+F: Welche Trends sehen Sie derzeit in der Lebensmittel- und Pharmaindustrie, die für die hygienische Konstruktion von Anlagen und -komponenten wichtig sind?
Hofmann: Vor allem geht es um die Vermeidung von Rückrufaktionen. Fast täglich gibt es Meldungen über den Fund von Fremdkörpern in Lebensmitteln – zum Teil auch verursacht durch falsche Wartung. Hygienic Design kann dabei helfen, Fremdkörper in Lebensmitteln zu verhindern. Daneben geht es um die Optimierung der Herstellprozesse und der Reinigung – insgesamt mit dem Ziel, Kosten zu sparen. Das wird unter anderem von den Herstellern von Reinigungsmitteln vorangetrieben, die den Service „Optimierung der Reinigung“ als Geschäftsmodell verstärken. Dabei treten die Schwachpunkte einer Anlage in Sachen Hygienic Design stärker hervor.
Ein Problemfeld sehe ich zudem immer wieder im Anlagenbau: Die hohe Auslastung und der starke Termindruck führen dazu, dass oft nicht genug über Hygienic Design nachgedacht wird. Es gibt in der Regel genügend Lösungen, um eine Anlage hygienisch zu gestalten, aber es kommt darauf an, dass der Anlagenbauer diese kennt und auch einsetzt.

 

 

 

 

ZUR PERSON

Dr.-Ing. Jürgen Hofmann
studierte und promovierte an der Technischen Universität München im Fach Lebensmitteltechnologie. Nach wissenschaftlicher Tätigkeit an der Universität ist er seit 13 Jahren selbstständiger Berater und Gutachter im Bereich Hygienic Design. Projektplanung und Engineering in der Lebensmittelproduktion sind sein Schwerpunkt. Gleichzeitig betreut er einen Lehrauftrag Hygienic Design an der TU Karlsruhe und ETH Zürich.

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