Verkauf nach anhaltenden Verlusten
Boehringer Ingelheim trennt sich von chinesischer Biologika-CDMO-Sparte
Der deutsche Pharmakonzern Boehringer Ingelheim verkauft seine Sparte für die Auftragsentwicklung und -herstellung (CDMO) biologischer Arzneimittel in China an den lokalen Antikörper-Entwickler Shanghai RAAS Blood Products.
Boehringer Ingelheims Einweg-Bioreaktorplattform in Shanghai
Boehringer Ingelheim
Die Transaktion umfasst 100 Prozent der Anteile an der Boehringer Ingelheim Biopharmaceuticals (China) zu einem Kaufpreis von bis zu 20 Mio. Chinesischen Yuan (ca. 3 Mio. US-Dollar). Der Abschluss der Transaktion ist für das zweite Halbjahr 2027 geplant; bis zum Vollzug bleibt Boehringer Ingelheim für die operative Führung des Standorts verantwortlich.
Die 2014 in Shanghai gegründete Tochtergesellschaft verfügt über ein eingetragenes Stammkapital von 66 Mio. US-Dollar und betreibt eine Produktionsstätte mit einer kommerziellen Kapazität von 6.000 l. Das Dienstleistungsportfolio der Sparte reicht von der klinischen bis zur kommerziellen Fertigung und beinhaltet zudem Registrierungsunterstützung (CMC) sowie Analytikentwicklung für globale und chinesische Kunden.
Der Verkauf erfolgt aufgrund anhaltender finanzieller Verluste der chinesischen CDMO-Einheit, die im Wettbewerb mit starken lokalen Anbietern wie WuXi Biologics unter Druck geraten ist. Für das Gesamtjahr 2025 wies die Boehringer-Tochter einen Nettoverlust von 259 Mio. Yuan (ca. 38,5 Mio. US-Dollar) aus, gefolgt von einem weiteren Verlust von 16,8 Mio. Yuan (ca. 2,5 Mio. US-Dollar) im ersten Quartal 2026.
Der Käufer Shanghai RAAS erhält mit der Übernahme eine Fertigungsplattform für großmolekulare Biopharmaka dar. Die Einheit besitzt eine Arzneimittelherstellungslizenz der Shanghai Municipal Drug Administration sowie ein erfahrenes technisches Team. Shanghai RAAS beabsichtigt, die Produktionskapazitäten und Qualitätskontrollsysteme zu nutzen, um Engpässe bei der Industrialisierung innovativer Wirkstoffe zu beheben und die fristgerechte Fertigung des eigenen Leithämophilie-Antikörpers SR604 abzusichern. SR604 ist ein monoklonaler Antikörper gegen das aktivierte Protein C zur Behandlung von Hämophilie A und B, für den derzeit Vorbereitungen auf eine klinische Phase-3-Studie laufen. Bereits 2024 hatten beide Unternehmen einen Vertrag geschlossen, bei dem Boehringer Ingelheim den Technologietransfer und die klinische Fertigung für SR604 übernahm.
Trotz der Veräußerung betont Boehringer Ingelheim sein anhaltendes Engagement auf dem chinesischen Markt und plant steigende Investitionen in Forschung und Entwicklung. Geplant sind unter anderem ein neues Humanpharma-Forschungszentrum in Shanghai sowie Kapazitätserweiterungen an den Standorten für niedermolekulare Wirkstoffe (NCE) in Shanghai und für Tiergesundheit in Nanchang und Taizhou. Das weltweite Geschäft von Boehringer Ingelheim verzeichnete im ersten Halbjahr 2026 ein Umsatzwachstum von 12 Prozent, das maßgeblich durch die Nachfrage nach dem Diabetes- und Herzmedikament Jardiance getrieben wurde.