Blister-verpackte Tabletten (Bild: Mara Zemgaliete - Fotolia.com)

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Purdue Pharma gehört neben Johnson & Johnson zu den Pharmakonzernen, denen die Hauptverantwortung für die seit Jahren anhaltende Opioid-Krise in den USA zugeschrieben wird. Der mittlerweile insolvente Hersteller des verbreiteten, aber hochgradig suchterzeugenden Schmerzmittels Oxycontin soll, so der Vorwurf, die Risiken des Mittels heruntergespielt und gleichzeitig das Medikament mit aggressiven Methoden vermarktet haben. Im Zusammenhang mit der in den USA epidemiehaft verbreiteten Opiat-Abhängigkeit sind nach Angaben der New York Times mehr als 500.000 Menschen gestorben. Die Zahl der an einer Opiat-Überdosis gestorbenen Menschen hat sich in den USA im letzten Jahrzehnt mehr als verdoppelt.

Notstand im öffentlichen Gesundheitswesen

Im Zusammenhang mit diesem Notstand im öffentlichen Gesundheitswesen sind zehntausende Klagen anhängig, von Einzelpersonen, Bezirksregierungen bis zu mehreren Bundesstaaten. Der Pharmakonzern Johnson & Johnson hatte im Juli 2021 einen großen Teil solcher Klagen in einem 26 Mrd. Dollar schweren Vergleich beigelegt. Nach einem am Mittwoch, 1. September 2021, von einem Konkursgericht gefällten Vergleichsurteil soll Purdue Pharma nun 4,5 Mrd. US-Dollar zahlen. Das Geld soll der New York Times zufolge zum Teil auch aus dem Vermögen der Eignerfamilie Sackler stammen. Kritiker hatten der Familie schon zu Beginn des seit Jahren verhandelten Prozesses vorgeworfen, mit der Insolvenz des Unternehmens ihr Privatvermögen retten zu wollen und sich aller Verantwortung zu entziehen.

Insbesondere letzterer Punkt ist nach wie vor umstritten: Das aktuelle Urteil befreit die Sacklers weitgehend von der Haftung von Purdue im Zusammenhang mit Opioiden. Auch nach der Milliardenzahlung werden sie weiter zu den reichsten Familien des Landes gehören. Der Vergleich gewährt den Sacklers einen Rechtsschutz, der in der Regel nur Konkursunternehmen gewährt wird, nicht aber den Eigentümern – insbesondere, wenn diese keine Privatinsolvenz angemeldet haben. Die Familie hatte jedoch Erfolg mit ihrer Drohung, andernfalls das Zahlungsangebot von 4,5 Mrd. US-Dollar völlig zurückzuziehen. Dass die US-Behörden in der Opioid-Krise mittlerweile auch harte Urteile fällen, hatte Anfang 2020 der Fall von John Kapoor, Gründer des US-Pharmaunternehmens Insys Therapeutics, gezeigt: Er wurde zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt, weil sein Unternehmen Ärzte bestochen haben soll, damit sie mehr Opioide verschreiben.

 

Noch im vergangenen Monat hatte Richard Sackler, ehemaliger Vorstandsvorsitzender von Purdue, jede Verantwortung des Unternehmens, der vermarkteten Produkte oder der Familie Sackler an der Opioid-Krise abgestritten. Dass die persönlichen Verwicklungen der Familie nun wohl nie vollständig aufgeklärt werden können, bezeichnete auch Richter Robert Drain bei der Urteilsverkündung als „bitteres Ergebnis.“ Frustrierend sei auch, dass ein großer Teil des Familienvermögens auf ausländischen Konten liege – und damit außer Reichweite der US-Justiz. Im Gegenzug für diese private Unantastbarkeit liefern die Sacklers rund 30 Millionen Dokumente, darunter vertrauliche E-Mails, die Einblick in die umstrittenen Marketing-Strategien von Purdue gewähren könnten.

Geld wird kaum ausreichen

Nach dem nun gefällten Vergleich erhalten die im Prozess vertretenen Bundesstaaten Gelder aus einem nationalen Fonds zur Bekämpfung von Opioiden, die sie an ihre Kommunalverwaltungen weitergeben werden. Amerikanische Ureinwohnerstämme erhalten einen eigenen Fonds. Ein weiterer Fonds entschädigt 130.485 Einzelpersonen und Familien von Menschen, die an einer Überdosis gestorben sind, mit Beträgen zwischen 3.500 und 48.000 Dollar. Die Erziehungsberechtigten von etwa 6.550 Kindern, die aufgrund der Opiat-Abhängigkeit ihrer Mütter während der Schwangerschaft mit Entzugssymptomen geboren wurden, können jeweils etwa 7.000 Dollar erhalten.

Einigkeit herrscht darüber, dass das bislang in Vergleichen erstrittene und noch zu erwartende Geld kaum ausreichen wird, um die Kosten der Opioid-Epidemie – medizinische Kosten, Prozesskosten sowie soziale Dienste – zu decken. Der kürzlich mit Johnson & Johnson und mehreren Pharmahändlern geschlossene Vergleich über 26 Mrd. USD könnte erst in einem Jahr genehmigt werden, und selbst dann erfolgt die Zahlung über einen Zeitraum von 18 Jahren. Purdue wird zunächst 500 Mio. Dollar zahlen, die Zahlungen der Sacklers sollen aus deren Investitionen und aus dem Verkauf ihrer internationalen Pharmaunternehmen stammen, wofür sie sieben Jahre Zeit haben. Weitere Geldmittel sollen aus den erwarteten Gewinnen eines neuen Unternehmens stammen, das neben Oxycontin auch unterstützende Medikamente zur Therapie von Abhängikeit vertreiben soll.

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