Medikamente unter der Lupe

Immer mehr Pharmafirmen müssen sich in den USA Untersuchungen wegen ihrer Rolle in der Opioid-Epidemie stellen. Die Ermittlungen reichen mittlerweile bis zu Strafverfolgung und Haftstrafen für die Verantwortlichen. (Bild: Falko Matte - Fotolia)

| von Ansgar Kretschmer

Die Opioid-Epidemie in den USA hat bereits über 400.000 Todesopfer gefordert, viele weitere Menschen sind abhängig von opioid-haltigen Schmerzmitteln. Die Verantwortung sehen Betroffene wie auch Behörden bei Pharmaunternehmen, die entsprechende Mittel aggressiv vermarktet und die Risiken heruntergespielt haben.

Insys Therapeutics schreckte offenbar zur Verbreitung seines Fentanyl-Spray Subsys auch nicht vor Bestechung zurück: Insgesamt zahlte das Unternehmen aus dem Bundesstaat Arizona nach Ansicht des Gerichts mehr als 10 Mio. US-Dollar an Ärzte, damit diese das Medikament verschreiben. Das starke Schmerzmittel ist für Fälle wie Krebspatienten im Endstadium vorgesehen und macht hochgradig abhängig. Die Zahlungen an die Ärzte verschleierte das Unternehmen als Honorar für Seminarvorträge. Die Ärzte wurden außerdem gedrängt, das Mittel auch an Patienten zu verschreiben, die es gar nicht benötigen. Darüber hinaus sollten sie Krankenkassen täuschen, damit diese die Bezahlung übernehmen. Kapoors Anwälting kündigte an, gegen das Urteil Berufung einzulegen.

Strafverfolgung und Verurteilungen

Der Fall erlangte in den USA große Aufmerksamkeit: Es handelt sich um einen der bislang wenigen Fälle in der Opioid-Krise, in dem die Ermittlungen gegen ein Pharmaunternehmen zu Strafverfolgung und Verurteilung einzelner Personen führten. In der vergangenen Woche waren bereits der ehemalige CEO Michael Babich und der Vize-Vertriebschef Alec Burlakoff zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden.

Das Unternehmen Insys hatte schon im Mai 2019 Vergleichszahlungen in Höhe von 225 Mio. US-Dollar zugestimmt und kurz darauf Insolvenz angemeldet. Dieses Schicksal ereilte einige Monate auch die Pharmafirma Purdue nach einem Vergleich über bis zu 10 Mrd. US-Dollar. Auch der Pharmariese Johnson & Johnson mit seiner Tochter Janssen musste bereits über eine halbe Milliarde Dollar zahlen. (ak)


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