Mehrzweck-Demonstrationsanlage Biocampus Multipilot
Skalierung industrieller biotechnologischer Verfahren
Die biotechnologische Anlage Biocampus Multipilot in Straubing soll eine Brücke zwischen Labormaßstab und industrieller Produktion schaffen und die Skalierung biotechnologischer Prozesse bis zum vorindustriellen Maßstab beschleunigen.
Geplanter Aufbau der Biocampus-Multipilot-Anlage im Hafen Straubing-Sand zur Demonstration industrieller Biotechnologieprozesse.
Biocampus Straubing
Im Hafen Straubing-Sand entsteht derzeit mit der Biocampus
Multipilot (BMP) eine spezialisierte Mehrzweck-Demonstrationsanlage für die
industrielle Biotechnologie. Das Projekt mit einem Gesamtvolumen von rund 90
Mio. Euro wird vom Zweckverband Hafen Straubing-Sand getragen und durch
die Biocampus Straubing GmbH betrieben. Ziel der Anlage ist es, Kunden die
Weiterentwicklung, Skalierung und Optimierung biotechnologischer Prozesse bis
zum vorindustriellen Maßstab zu ermöglichen sowie deren Wirtschaftlichkeit zu
validieren.
Aufschluss und Weiterverarbeitung von Biomasse
Der technologische Schwerpunkt der BMP liegt auf dem
Aufschluss von Biomasse durch thermische und chemische Prozesse sowie der
anschließenden Weiterverarbeitung der gewonnenen Stoffströme. Die vom Ausstatter
Schrader Verfahrenstechnik bereitgestellten Anlagenteile ermöglichen hierbei
die Extraktion von Feststoffen, die Vermischung mit Enzymen,
Aufkonzentrierungsprozesse sowie die Reinigung und Rückgewinnung eingesetzter
Lösungsmittel.
Das Kernstück der Anlage bildet eine spezialisierte
Aufschlussanlage, die verfahrenstechnisch als Fest-Flüssig-Extraktion konzipiert ist. Diese dient dazu, Ansätze
aus vorangegangenen Fermentationsprozessen weiter aufzuschließen. Eine
Besonderheit der Prozessführung ist die Auslegung auf Hochdruck- und
Hochtemperaturbedingungen: Viele Prozesse können bei einem Druck bis 40 bar und Temperaturen bis 200 °C durchgeführt werden. Diese Möglichkeiten
sind unter anderem für höhere Ausbeuten bei der Gewinnung von Aromastoffen
relevant, beispielsweise in der Herstellung von Instantkaffee.
Expertise für Extrembedingungen
Die extremen Betriebsbedingungen stellen hohe Anforderungen
an die Konstruktion und die verwendeten Werkstoffe. Die Apparate werden gemäß
dem Regelwerk AD2000 gefertigt.
Als Hauptwerkstoff kommt austenitisch-ferritischer
Duplex-Stahl 1.4462 zum Einsatz. Dieser hochfeste Stahl zeichnet sich
durch seine Korrosionsbeständigkeit aus, stellt jedoch aufgrund seiner
Zähigkeit und der anspruchsvollen Schweißbarkeit besondere Anforderungen an die
Fertigungsprozesse. Aufgrund der hohen Druckbelastungen sind die Apparate mit Wandstärken von teilweise bis zu 30 mm
ausgeführt. Die Verarbeitung solcher Blechstärken, insbesondere beim Walzen,
erfordert eine entsprechende maschinelle Ausstattung und fertigungstechnisches
Know-how beim Anlagenbauer.
Die BMP ist für ein breites Spektrum an Rohstoffen und
Produkten ausgelegt. Ein ursprünglicher Fokus liegt auf der Verwertung
landwirtschaftlicher Reststoffe wie Stroh oder Heu, um diese im industriellen
Maßstab in Bioethanol umzuwandeln. Darüber hinaus ist die Anlage für die
Gewinnung und Weiterverarbeitung von aktiven pharmazeutischen Inhaltsstoffen (APIs) sowie von Aromen und Inhaltsstoffen wie
Vanillearoma ausgelegt. Die Bereitstellung dieser Infrastruktur soll die
Kommerzialisierung nachhaltiger Produkte beschleunigen, indem die Lücke
zwischen Labormaßstab und industrieller Produktion geschlossen wird.