Überkapazitäten durch rückläufige Nachfrage

GSK will Impfstoffwerk in Dresden schließen

Der Nachrichtenagentur dpa zufolge, hat GSK vor, die Impfstoff-Produktion in Dresden bis September 2027 einzustellen und den Standort bis Sommer 2028 abzuwickeln. Betroffen sind rund 650 Beschäftigte. Als Gründe nennt der Konzern eine weltweit rückläufige Nachfrage und Überkapazitäten bei klassischen Impfstoffen.

Person in Schutzkleidung bedient ein Steuerpanel in einer automatisierten Produktionsanlage.
Die Impfstoffproduktion im belgischen Wavre.

Die Produktion von Grippeimpfstoffen plant GSK, künftig am kanadischen Standort Ste-Foy zu bündeln. In Dresden produziert der Konzern bislang Impfstoffe gegen Grippe und Hepatitis. Nach früheren Unternehmensangaben können dort pro Woche rund zwei Millionen Impfdosen hergestellt werden.

Der Konzern kündigte an, mit dem Betriebsrat und den Beschäftigten zusammenzuarbeiten und Unterstützungsmaßnahmen für die betroffenen Mitarbeitenden anzubieten. Deutschland bleibe ein wichtiger Markt und Standort.

Die Industriegewerkschaft IGBCE kündigte Widerstand gegen die Pläne an. Sie fordert den Konzern auf, die Schließungspläne auszusetzen, die Entscheidungsgrundlagen offenzulegen und mit Betriebsrat und Gewerkschaft über Alternativen zu verhandeln. Von Bund und Freistaat fordert sie zudem einen gemeinsamen Standortgipfel.

Sächsische Regierung will verhandeln

Auch die sächsische Staatsregierung kritisiert die Entscheidung. Wirtschaftsminister Dirk Panter bezeichnete die Ankündigung als überraschend. Die Regierung wolle nun mit Unternehmensleitung und Arbeitnehmervertretern über die Gründe und mögliche Handlungsspielräume sprechen. Mit dem Werk könnten Sachsen nicht nur rund 650 hochqualifizierte Industriearbeitsplätze, sondern Deutschland auch pharmazeutische Produktionskompetenz verlieren.

Ministerpräsident Michael Kretschmer kritisierte zudem das Vorgehen des Konzerns gegenüber den Beschäftigten. Er bemängelte, dass dieser nach seiner Einschätzung nicht ausreichend versucht habe, neue Produkte nach Dresden zu holen. Gemeinsam mit der Politik hätte geprüft werden können, welche anderen Produkte am Standort hergestellt werden könnten.

Der sächsische Europaabgeordnete Oliver Schenk bezeichnete die geplante Schließung als schweren Schlag und europäisches Warnsignal. Er forderte Politik und Unternehmen auf, Perspektiven für den Standort zu prüfen.