Wachsender Markt für Antikörper-Wirkstoff-Konjugate

Lonza erweitert Ausbaupläne für ADC-Herstellung in Visp

Der Schweizer Auftragsentwickler und -hersteller Lonza erweitert den Projektumfang für seine Kapazitäten zur Produktion von Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten (ADCs) im Schweizerischen Visp. Die Inbetriebnahme der neuen Kapazitäten ist für das Jahr 2028 geplant.

Lonza-Standort Visp

Der CDMO-Konzern Lonza baut seine Kapazitäten für die Herstellung von Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten (Antibody-Drug Conjugates, ADCs) und anderen Biokonjugaten am Forschungs- und Produktionsstandort Visp weiter aus. Aufbauend auf den im Juni angekündigten Investitionen zur Erweiterung der Payload-Linker-Herstellung wurden nun konkrete Details zur Skalierung und Ausgestaltung des Projekts vorgelegt. Wie das Unternehmen bekanntgab, wird der Standort um drei Multi-Produkt-Suiten erweitert, um flexible Herstellkapazitäten im mittleren Maßstab mit der im Sommer angekündigten Großanlage zu verknüpfen. Damit zielt Lonza darauf ab, Kunden eine durchgängige Unterstützung von der klinischen Entwicklung bis hin zur kommerziellen Marktversorgung zu bieten. Durch die Kombination von flexibler Biokonjugation im mittleren Maßstab (Mid-Scale) mit den Großanlagen-Kapazitäten soll die steigende Nachfrage im Markt für Biokonjugationslösungen bedient werden.

Die Erweiterung umfasst sowohl die Aufrüstung bestehender Anlagen als auch den Neubau großtechnischer Kapazitäten. Ab dem kommenden Jahr stellt Lonza in den bestehenden Biokonjugations-Suiten Single-Use-Kapazitäten mit einem Reaktorvolumen von 500 Litern bereit. Parallel dazu befindet sich eine Großanlage im Bau, die sowohl Edelstahl- als auch Single-Use-Herstellungssysteme für Volumina von bis zu 1.200 Litern aufnehmen wird. Zur Optimierung der Betriebsabläufe werden die Anlagen mit erweiterten Chromatografie-Systemen sowie parallelen Fertigungskapazitäten ausgestattet. Diese technischen Anpassungen sollen schnellere Kampagnenwechsel, flexible Produktionsplanungen und die Abwicklung eines breiten Spektrums an Biokonjugat-Projekten ermöglichen.

Über die genaue Investitionssumme für das Erweiterungsprojekt in Visp macht Lonza keine Angaben. Die Pläne bauen direkt auf der Ankündigung vom Juni auf, bei der Lonza seine Kapazitäten zur Herstellung hochpotenter pharmazeutischer Wirkstoffe (Highly Potent Active Pharmaceutical Ingredients, HPAPI) verstärkt hatte.

Der Ausbau am Standort Visp fügt sich in die weltweite Expansionsstrategie des Schweizer CDMO-Konzerns ein. Lonza hatte im Sommer zudem eine erweiterte Vereinbarung mit einem führenden US-Pharmakonzern zur kommerziellen Produktion zweier Biologika-Programme an europäischen und US-amerikanischen Standorten bekannt gegeben. Zusätzlich baut der Konzern seine Präsenz in den USA aus: Im Bundesstaat Oregon (Bend) entsteht derzeit eine neue kommerzielle Sprühtrocknungsanlage, deren Fertigstellung für das Jahr 2029 vorgesehen ist. Auch für dieses Projekt wurden keine finanziellen Einzelheiten veröffentlicht.

Lonza will mit der Investition neue Fertigungskapazitäten innerhalb einer bestehenden GMP-Anlage schaffen und zusätzliche Produktions- und Reinigungsmöglichkeiten für Payload-Linker sowie dedizierte Labore für Analytik und Prozessentwicklung bereitstellen. Die Anlage ist für den Mehrzweckbetrieb und das „Scale-out“ konzipiert, was eine flexible Produktion einer breiten Palette von Payload-Linker-Molekülen ermöglicht, mit der Option, bei steigender Kundennachfrage weitere Einheiten hinzuzufügen.

Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADC)  stellen eines der am schnellsten wachsenden Segmente auf dem Pharmamarkt dar. Damit steigt auch die Nachfrage nach komplexen Payload-Linkern, den Verbindungsstücken zwischen Antikörper und Wirkstoff. Diese erfordern eine maßgeschneiderte Synthese und fortschrittliche Reinigungstechnologien. Diese Moleküle werden strukturell immer komplexer, was den Bedarf an spezialisierten Kapazitäten für die hochpotente Herstellung erhöht.