Messgeräte für genaues Bild der Gesamtbelastung
EU-Grenzwerte für PFAS rücken Umweltanalytik in den Fokus
Ab 12. August 2026 treten EU-weit neue Grenzwerte für PFAS in Lebensmittelverpackungen in Kraft. Damit gewinnt die genaue Bestimmung der sogenannten „Ewigkeitschemikalien“ für Labore und Unternehmen noch größere Bedeutung.
System für die Combustion IC (CIC) für die Analyse der Summenparameter AOF beziehungsweise EOF im Labor. Von links nach rechts: Das System besteht aus einem 930 Compact IC, 920 Absorber Module und einem Combustion Module (AJ).
Metrohm
Bei per- und polyfluorierten Alkylverbindungen (PFAS)
handelt es sich um eine Gruppe von menschengemachten, chemischen Verbindungen,
die viele tausend einzelne Verbindungen umfasst. PFAS sind fett-, schmutz- und
wasserabweisend und wurden aufgrund dieser Eigenschaften über Jahrzehnte von
der Industrie hergestellt und verwendet – in der Herstellung von
Outdoorbekleidung ebenso wie für die Beschichtung von Lebensmittelverpackungen.
Viele dieser Verbindungen haben sich als
gesundheitsgefährdend erwiesen. Allen PFAS ist gemeinsam, dass sie chemisch
äußerst stabil sind: Einmal in die Umwelt eingetragen, zersetzen sie sich dort
kaum mehr. Über das Trinkwasser und die Nahrungskette gelangen sie in den
menschlichen Körper und reichern sich dort im Blut und den Organen an.
Gesamtbelastung zuverlässig messen
Der Nachweis einzelner PFAS ist technisch aufwendig und nur
für wenige Verbindungen aus dieser Gruppe möglich. Eine Evaluation der direkten
Belastung ist somit für viele Verbindungen nicht direkt realisierbar.
Stattdessen wird auf Summenparameter zurückgegriffen. Im Fall von
Lebensmittelverpackungen ist dies der Summenparameter namens TOF (Total
Organic Fluorine). Dieser Summenparameter ermöglicht Rückschlüsse über die
Gesamtmenge an PFAS. Die dafür verwendete Technologie ist die sogenannte
Combustion Ion Chromatography (CIC, Verbrennungs-Ionenchromatographie).
Zur Bestimmung wird zunächst die Menge an Gesamtfluor (Total
Fluorine, TF) erfasst. Dazu wird die Probe in einem Ofen verbrannt. Das Fluor
wird freigesetzt und als Fluorid-Ion in Reinstwasser aufgefangen. Die Menge an
entstandenem Fluorid kann dann mittels Ionenchromatographie bestimmt werden.
In einem zweiten Schritt wird eine weitere Probe zunächst
verascht, sodass sämtliche organischen Bestandteile (inklusive PFAS) verbrannt
werden. Die verbleibende Asche wird anschließend vollständig im Ofen des
CIC-Systems verbrannt, um den Gehalt an anorganischem Fluor (Total Inorganic
Fluorine, TIF) mittels Ionenchromatographie zu bestimmen. Aus der Differenz
zwischen TF und TIF lässt sich schließlich der TOF-Wert berechnen.
Experten für Methodenentwicklung und Standardisierung
Der Messtechnik-Anbieter Metrohm engagiert sich aktiv in der
Entwicklung und Standardisierung von PFAS-Analyseverfahren. Neben der
Beteiligung an europäischen Normierungsbestrebungen zur Bestimmung des
Summenparameters TOF arbeiten Experten in Gremien wie dem Deutschen Institut
für Normung (DIN) mit. Ein Ergebnis davon ist die DIN-Norm 38409-59, die die
Verbrennungs-Ionenchromatographie für die Bestimmung des Summenparameters AOF
(adsorbierbares organisch gebundenes Fluor) für Wasserproben beschreibt. Damit
liefert das Unternehmen nicht nur Geräte, sondern auch validierte
Analysevorschriften, die Labore direkt anwenden können. Der Hersteller ging bereits
1987 mit dem ersten, im eigenen Haus entwickelten Ionenchromatographen an den
Markt und gehört inzwischen zu den weltweit führenden Herstellern in diesem
Produktsegment, insbesondere in der Wasser- und Umweltanalytik.
Ein weiterer Meilenstein ist die internationale
Veröffentlichung der Methode als ISO-Norm ISO 18127:2026 „Water quality –
Determination of adsorbable organically bound fluorine, chlorine, bromine and
iodine“. Damit ist die ursprünglich als DIN 38409-59 etablierte Bestimmung
adsorbierbarer organisch gebundener Halogene mittels
Verbrennungs-Ionenchromatographie (CIC) nun weltweit standardisiert. Die
Methode ermöglicht die zuverlässige Bestimmung von AOF sowie weiterer
Summenparameter wie AOCl, AOBr und AOI in unterschiedlichsten Wasserproben und
schafft eine international harmonisierte Grundlage für die Überwachung organischer
Halogenverbindungen, einschließlich PFAS.
„Die Metrohm ist stolz darauf, mit ihrem Expertenwissen bei
der Entwicklung von neuen Methoden im Bereich Umweltanalytik mitzuwirken und
somit einen Beitrag für Nachhaltigkeit und Verbraucherschutz zu leisten“, betont
Dr. Michael Klein, Senior Regulatory Affairs Manager bei Metrohm. „Durch die
Mitarbeit in Normungsgremien sammeln wir Erfahrung mit den Methoden, welche
dann unseren Kunden, wie beispielsweise Umweltlaboren, wieder zugutekommt.“