Stromerzeugung aus Druckdifferenzen reduziert CO2-Emissionen
In Druckreduzierstationen, Abdampfleitungen und Kondensationsanlagen geht wertvolle Energie verloren. Dabei lassen sich bereits geringe Druckdifferenzen wirtschaftlich in elektrische Energie umwandeln, geregelt mit passenden Gleischieberventilen.
Auf geringem Raum erzeugt die Anlage je nach Laufzeit bis zu 175 MWh/a. Die Amortisationszeit der Installation beträgt dann weniger als drei Jahre.Schubert & Salzer Control Systems
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„Zu Beginn müssen wir immer Überzeugungsarbeit leisten“,
erzählt Selcuk Aslan, Projektleiter für das System Energify bei der Firma CFT.
„Unser System ist hochentwickelt, aber die Idee und der Grundaufbau sind eben
sehr einfach. Manchmal stoßen wir deshalb auf Skepsis. Wer Energify aber einmal
gesehen und verstanden hat, ist schnell überzeugt von der Robustheit und
Zuverlässigkeit der Technologie – und davon, dass ‚einfach‘ deshalb auch ein
großer Vorteil ist.“
Durch die Entspannung von Dampf oder Gas in einem Drehkolbenexpander (1) wird mechanische Energie erzeugt und diese mithilfe eines Asynchrongenerators (2) zu Strom umgewandelt. Ein Gleitschieberventil (3) von Schubert & Salzer steuert die Expanderleistung.CFT
Das Unternehmen bietet eine Lösung für Herausforderungen,
mit denen sich nahezu alle Industrieunternehmen konfrontiert sehen: die
Reduktion von CO₂-Emissionen sowie die Verbesserung der Energie- und
Kosteneffizienz. Das System nutzt bereits geringe Druckdifferenzen, um daraus
Strom zu erzeugen und in das werkseigene Netz einzuspeisen. Solche
Druckdifferenzen gibt es in nahezu allen Industrieanlagen. Sie entstehen in
Druckreduzierstationen, Abdampfleitungen, Kondensations- und Gegendruckanlagen
– und in den meisten Fällen geht die in den Fluiden gespeicherte Energie
ungenutzt verloren.
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Optimale Nutzung der bereits eingesetzten Energie
„Energify optimiert die Nutzung der bereits vorhandenen
Energie“, erklärt Maximilian Igelbüscher, Projektingenieur bei CFT. „Um einen
unterbrechungsfreien Prozessablauf zu garantieren, wird unser System immer im
Bypass betrieben. Der Grundaufbau ist wie folgt: Dampf oder ein beliebiges Gas
wird in einem Drehkolben-Expander auf ein niedrigeres Druckniveau expandiert.
Dadurch wird mechanische Energie erzeugt. Diese wird über eine Welle auf einen
Asynchrongenerator übertragen, der dann Strom ins Niederspannungsnetz
einspeist.“
Anfangs gab es Schwierigkeiten bei der präzisen Regelung der
Expanderleistung. Das ursprünglich eingesetzte Sitzkegel-Stellventil reagierte
zu träge auf sich ändernde Prozessanforderungen und konnte das gasförmige
Medium nicht zuverlässig mit dem gewünschten Ausgangsdruck bereitstellen. „Wir
haben lange nach einer Lösung gesucht, um unser System in diesem Punkt zu
optimieren. So kamen wir schließlich in Kontakt mit Marcel Mokosch aus dem
technischen Vertrieb von Schubert & Salzer. Er war sofort vor Ort, um die
Thematik zu besprechen, und hat uns mit dem Gleitschieberventil eine Lösung
vorgestellt, die unsere Erwartungen sogar übertroffen hat“, erzählt
Igelbüscher.
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Signifikante Verbesserung durch Gleitschieberventil
Eine senkrecht zur Strömungsrichtung im Gehäuse (1) fixierte Dichtscheibe (3) besitzt eine bestimmte Anzahl von Querschlitzen. Eine bewegliche Dichtscheibe (2) mit der gleichen Schlitzanordnung wird senkrecht dazu verschoben und verändert so den Durchflussquerschnitt. Die anliegende Druckdifferenz presst die bewegliche Scheibe auf die feststehende Scheibe (3).Schubert & Salzer Control Systems
Ursache für diese Regelleistung ist das den
Gleitschieberventilen des Ventilanbieters zugrunde liegende
Konstruktionsprinzip, welches auf zwei aufeinander gleitenden Dichtscheiben
basiert. Es führt dazu, dass der maximale Hub zwischen offen und geschlossen
lediglich 6-9 mm beträgt und nur sehr geringe Stellkräfte nötig sind. Die
Regelung ist dadurch äußerst präzise und agil. „Die Regelpräzision hat sich
durch den Einsatz der Gleitschieberventile deutlich verbessert. Wir regeln den
Ausgangsdruck jetzt absolut exakt“, sagt Aslan.
Ein weiterer Vorteil: Durch den Einsatz des
Gleitschieberventils konnten zwei andere Ventile ersetzt werden. Aus
Sicherheitsgründen muss die Dampf- oder Gaszufuhr innerhalb von maximal zwei
Sekunden gestoppt werden können. Zuvor war dem Regelventil deshalb ein
Schnellschlussventil vorgeschaltet. Gleitschieberventile schließen jedoch
innerhalb von Millisekunden und übernehmen diese Funktion mit. „Für den wirtschaftlichen
Betrieb einer Anlage wie Energify spielen Zuverlässigkeit und geringe
Wartungskosten eine entscheidende Rolle. Deshalb setzen wir auf einen einfachen
Aufbau und eine robuste Konstruktion“, erklärt Aslan. „Das Gleitschieberventil
hilft uns, indem es die Komplexität der Anlage reduziert – und das bei sehr
kompakter Bauform.“
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Der Unterschied zur vorherigen Technik ist deutlich: Das
jetzt eingesetzte Gleitschieberventil in DN80 wiegt lediglich 15 kg, während
die beiden zuvor genutzten Sitzkegelventile zusammen ca. 170 kg auf die Waage
brachten. „Gerade bei den jährlich nötigen Instandhaltungsarbeiten ist das ein
enormer Vorteil“, ergänzt Igelbüscher.
„Mit nahezu jedem Gas betreiben“
Das eingesetzte Schubert & Salzer-Gleitschieberventil in DN80 (15 kg) ist kompakter und leichter als jedes der beiden zuvor installierten Sitzkegelventile.Schubert & Salzer Control Systems
Die Energify-Demonstrationsanlage befindet sich in einer
Molkerei im Münsterland und wird dort auf der 8-bar-Dampfschiene eingesetzt.
Die Wirtschaftlichkeit des Systems lässt sich hier gut veranschaulichen: Bei
einem Eingangsdruck von 8 bar(Ü), einem Ausgangsdruck von 5 bar(Ü) und einer
Dampfmenge von durchschnittlich 2 t/h wird eine elektrische Leistung von 27 kW
erzielt. Bei einer angenommenen jährlichen Laufzeit von rund 6.500 Stunden ergibt
sich eine Stromproduktion von 175 MWh pro Jahr. Die Amortisation liegt bei den
Bedingungen bei weniger als drei Jahren. Über zehn Jahre Betriebszeit könnten sich
laut Anbieter inklusive Wartungskosten über 270.000 Euro einsparen lassen.
„Das Potenzial der Technologie ist gewaltig“, ist Aslan überzeugt.
„Allein in Deutschland sind tausende Dampferzeuger im Einsatz. Und Dampf – egal
in welcher Form – ist nur eines der Medien, aus denen wir Energie gewinnen
können. Grundsätzlich lässt sich Energify mit nahezu jedem Gas betreiben, etwa
Stickstoff, Kokereigas, Erdgas oder Wasserstoff.“