Investorenprozess ohne Ergebnis
Arzneimittelhersteller R-Pharm vor dem Aus
Der seit März geführte Investorenprozess um den insolventen Arzneimittelhersteller R-Pharm ist ohne Abschluss geblieben. Damit gibt es laut Insolvenzverwalter keine Aussicht mehr auf eine Fortführungslösung.
KI-generiert mit ChatGPT / OpenAI
Update vom 26.08.2026: Mit den beiden zuletzt noch beteiligten Interessenten konnte keine Vereinbarung über eine gesicherte Übernahme des traditionsreichen Pharmaunternehmens erzielt werden. Zwar bestand grundsätzlich Interesse an einer Übernahme von R-Pharm Germany, doch die für einen verbindlichen Vertragsabschluss und dessen Umsetzung erforderliche Finanzierungssicherheit (‚financial proof‘) konnte von den Interessenten nicht bereitgestellt werden. „Wir haben bis zuletzt unter enormem Zeitdruck alles darangesetzt, eine Zukunftslösung für R-Pharm Germany und die Beschäftigten zu erreichen. Für einen Vertragsabschluss benötigen wir aber die Sicherheit, dass sowohl der Kaufpreis als auch die für die Fortführung erforderlichen Mittel tatsächlich zur Verfügung stehen. Diese Transaktionssicherheit war trotz der zusätzlichen Zeit, die wir den Interessenten eingeräumt haben, leider nicht gegeben“, bedauert Insolvenzverwalter Fröhlich.
Fehlende Grundlage für Betriebsfortführung
Da kein Abschluss mit einem Investor erzielt werden konnte, fehlt nun die wirtschaftliche Grundlage für eine weitere Betriebsfortführung. Insolvenzverwalter Fröhlich ist deshalb gezwungen, den Geschäftsbetrieb kurzfristig einzustellen und die geordnete Betriebsstilllegung einzuleiten. Betroffen sind rund 280 Beschäftigte. Noch Ende Juli hatte eine drohende Stilllegung zunächst abgewendet werden können. „Diese Entscheidung fällt mir außerordentlich schwer. Ich weiß, was das Aus für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ihre Familien und die gesamte Region bedeutet. Wir haben seit Beginn des Verfahrens alles versucht, um diesen traditionsreichen Standort zu erhalten. Doch ohne einen Investor gibt es nun keine wirtschaftlich verantwortbare Alternative zur Stilllegung“, sagt Fröhlich.
Aus eigener Kraft kann R-Pharm Germany den operativen Geschäftsbetrieb nicht dauerhaft aufrechterhalten. Ein Erwerber hätte neben dem Kaufpreis erhebliche zusätzliche Mittel für das Hochfahren des operativen Geschäfts und das erforderliche Working Capital bereitstellen müssen. Denn gerade bei einer dünnen Auftragslage müssen neue Kunden gewonnen werden und für diese Phase bedarf es ausreichender Mittel.
Erschwert wurde die Investorensuche durch die schwierige wirtschaftliche Ausgangslage des Unternehmens. Infolge der internationalen Sanktionen gegen Russland und der damit verbundenen Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem russischen Gesellschafterkreis hatten sich in den vergangenen Jahren zunehmend Kunden und Geschäftspartner zurückgezogen. Die rückläufige Auftragslage belastete die Liquidität und den Produktionsbetrieb erheblich.
—Ursprüngliche Nachricht vom 17. März 2026 —
Mit Beschluss vom 12. März 2026 bestellte das zuständige Amtsgericht Neu-Ulm Rechtsanwalt Markus Fröhlich von der Kanzlei Fröhlich zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Dieser kümmert sich derzeit um die Sicherstellung der Löhne und Gehälter der rund 300 Beschäftigten über eine Insolvenzgeldvorfinanzierung. R-Pharm Germany blickt auf eine seit 1849 bestehende Firmengeschichte zurück und entwickelt, produziert und versendet Arzneimittel für Kunden in rund 150 Ländern weltweit. Während der Corona-Pandemie hatte das Unternehmen vorrübergehend auch Impfstoffdosen für Astrazeneca sowie den russischen Impfstoff Sputnik produziert.
Schwierige Rahmenbedingungen durch fortgeschrittene Krisensituation
Der vorläufige Insolvenzverwalter will trotz schwieriger Rahmenbedingungen aufgrund der bereits fortgeschrittenen Krisensituation im Unternehmen alle Sanierungsoptionen ausloten, um für das Traditionsunternehmen eine nachhaltige Perspektive für den Standort sowie für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu schaffen. Sanierungsexperte Markus Fröhlich und sein Team verschaffen sich derzeit einen umfassenden Überblick über die wirtschaftliche Situation des Unternehmens. Parallel dazu führt er Gespräche mit Kunden, Lieferanten und weiteren Geschäftspartnern, um den laufenden Geschäftsbetrieb zu stabilisieren und fortzuführen. „Der Arzneimittelhersteller genießt in der Branche einen guten Ruf, stellt im Markt nachgefragte Arzneimittelprodukte her und verfügt über einen internationalen Kundenstamm. Das sind grundsätzlich gute Voraussetzungen für eine Sanierung, wenngleich die Ausgangssituation sicherlich nicht einfach ist“, erklärt Fröhlich.
Nach einer ersten Analyse sieht er Chancen für eine Zukunftslösung. „Unser Ziel ist es, im Rahmen eines strukturierten Investorenprozesses einen starken Partner zu finden, der das Unternehmen langfristig stabilisiert und den Standort Illertissen weiterentwickelt“, so Fröhlich. Ziel des vorläufigen Insolvenzverfahrens ist eine sogenannte übertragende Sanierung. Nun soll ein strukturierter Investorenprozess unverzüglich über ein renommiertes M&A-Beratungsunternehmen gestartet werden. Bereits jetzt haben sich erste Interessenten gemeldet, die sich für den Pharmahersteller und seine Produktionskapazitäten interessieren. Im Fokus stehen hier insbesondere die technologische Ausstattung, der internationale Kundenstamm und die qualifizierte Belegschaft.
Hintergrund der wirtschaftlichen Situation
Die Gründe für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten liegen vor allem im Gesellschafterkreis des Unternehmens, der einem russischen Konsortium angehört. Infolge internationaler Russland-Sanktionen kam es zunehmend zu Unsicherheiten bei Kunden und Geschäftspartnern, was sich negativ auf die Geschäftsentwicklung auswirkte. Bereits im Herbst 2024 hatte es Medienberichte über mögliche Veränderungen in der Eigentümerstruktur und einen Verkauf gegeben. Durch die Einleitung des Insolvenzverfahrens könnte der angestrebte Verkauf des Unternehmens erleichtert werden.
Torsten Falke, Bezirksleiter der zuständigen Branchengewerkschaft IGBCE aus Augsburg, bestätigt die massiven sanktionsbedingten Einschränkungen, die aber beidseitig von EU und der Russischen Regierung verhängt wurden. Aus Russland sei es so gut wie unmöglich geworden, einen gesicherten Geldfluss zu generieren. Torsten Falke verbindet mit einem geordneten Insolvenzverfahren und einem ambitionierten, professionellen M&A Verfahren die Hoffnung, dass die Mitarbeiter, die seit Monaten ihre Löhne und Gehälter immer wieder verspätet erhielten, endlich eine positive Zukunft bekämen. „Wir werden gemeinsam mit dem Betriebsrat und dem Insolvenzverwalterteam eng zusammenarbeiten, damit eine schnelle und gute Lösung erzielt werden kann“, sagt Torsten Falke.