Supreme Court fällt Grundsatzurteil

Befreiungsschlag für Bayer im Glyphosat-Streit

Der Bayer-Konzern hat vor dem US Supreme Court einen entscheidenden juristischen Sieg im Konflikt um Glyphosat errungen. Das Gericht stellte klar, dass Bayer nicht zu Krebs-Warnhinweisen auf Etiketten des Unkrautvernichters verpflichtet ist.

Monsanto hat in den USA einen Sammelvergleich zu durch das Herbizid Roundup bedingten Krebsfällen vereinbart. Die Regelung umfasst bis zu 7,25 Mrd. US-Dollar über 21 Jahre und soll anhängige sowie künftige Klagen abdecken.
Der US-Supreme Court hat entschieden, dass einzelne Bundesstaaten nicht auf Krebs-Warnhinweisen für Glyphosat-haltige Unkrautvernichter bestehen können.

Im Kern der Entscheidung steht ein bisheriger „Flickenteppich“ an Regeln in den USA, weil einige Bundesstaaten eigene Warnhinweise auf den Verpackungen forderten, während die oberste Bundesbehörde EPA dies untersagte und Glyphosat als nicht krebserregend eingestuft hat.

Mit einer deutlichen Mehrheit von sieben zu zwei Stimmen entschieden die Richter nun im Fall Durnell, dass das US-Bundesrecht Vorrang vor den Gesetzen einzelner Bundesstaaten hat. Damit stellten sie klar: Da die EPA das Etikett ohne Warnhinweis offiziell genehmigt hat, dürfen einzelne Bundesstaaten keine abweichenden Warnungen erzwingen. Wer sich an die bundesweiten Vorgaben hält, kann also nicht auf Ebene der Bundesstaaten wegen „fehlender Warnhinweise“ verklagt werden. Von den über 60.000 noch offenen Klagen gegen Bayer in den USA basieren die meisten auf der Theorie der fehlenden Warnhinweise. Diese Verfahren können nun voraussichtlich abgewiesen werden.

Trotz des Erfolgs vor dem Supreme Court will Bayer an seiner mehrgleisigen Strategie festhalten. Dazu gehört ein im Februar 2026 geschlossener Sammelvergleich mit Klägeranwälten. Dieser soll insbesondere Fälle von Betroffenen regeln, die an einer bestimmten Krebsart (Non-Hodgkin-Lymphom) erkrankt sind und die nicht direkt durch das aktuelle Grundsatzurteil abgedeckt werden. Eine endgültige Entscheidung der Richter über diesen Vergleich wird nach einer Anhörung am 9. Juli erwartet.

Die Nachricht sorgte für einen Sprung des Bayer-Aktienkurses um fast 20 Prozent. Dennoch bleibt das Thema eine enorme finanzielle Last: Die Gesamtkosten für den Rechtsstreit, den sich Bayer 2018 durch den Kauf von Monsanto ins Haus geholt hat, werden auf rund 20 Milliarden US-Dollar geschätzt. Bayer-Chef Bill Anderson erklärte, dass das Urteil „längst überfällige Gerechtigkeit“ bringe. Das Geld, das bisher für Anwälte ausgegeben wurde, soll künftig wieder verstärkt in die Forschung für neue Medikamente und nachhaltige Landwirtschaft fließen.