Vom Rohstoffeintrag bis zum fertigen Proteinpulver in 24 Stunden

Drees & Sommer plant Werk für mikrobielles Protein in Leuna

Die Pläne für die Proteinproduktion des Biotech-Unternehmens Microharvest in Leuna werden konkret: Drees & Sommer hat in dieser Woche die technische und wirtschaftliche Machbarkeitsstudie abgeschlossen und erstellt nun das Flächenlayout für das Werk. Die Produktion soll 2028 starten.

Grün-weiße Industrieanlage mit Gebäuden, Rohrleitungen und leuchtendem Schild auf eingezäuntem Gelände.
Protein aus dem Bioreaktor statt vom Sojafeld.

Microharvest investiert einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag und schafft mit der Produktionsanlage in Leuna etwa 25 neue Arbeitsplätze. Auf einer Bruttogrundfläche von rund 5.800 m2 sollen dort 15.000 t/a Protein durch Biomassefermentation aus regionalen Agrar-Nebenströmen entstehen. Dass das Verfahren funktioniert, hat das Biotechunternehmen schon bewiesen. Im November 2023 eröffnete es in Lissabon eine Pilotanlage, die zunächst 25 kg/d Einzeller-Protein produzierte und damit die erste handfeste Evidenz für die Skalierbarkeit des Prozesses lieferte.

Dass sich das Projekt technisch und wirtschaftlich realisieren lässt, hat Drees & Sommer mit einer Machbarkeitsstudie bestätigt. Darin hatten die Fachleute die Rahmenbedingungen für das Bauvorhaben in Leuna analysiert und bewertet – von den behördlichen Vorgaben bis hin zu möglichen Risiken. Auf dieser Grundlage prüfte das Projektteam verschiedene Planungsvarianten auf Wirtschaftlichkeit und Optimierungspotenzial.

Mit dem Produktionsstart in der ersten Jahreshälfte 2028 ist der Zeitrahmen eng gesteckt für das, was es umzusetzen gilt: „Wir planen unter anderem Bereiche für die Rohmaterialannahme, Lagerung und Vorbereitung. Dazu kommt eine Anlage zum Trocknen, Abfüllen und Verpacken des Proteins sowie Systeme, die den Fermentationsprozess unterstützen. Büros, Labore, die Technische Gebäudeausstattung und Außenanlagen ergänzen die Planung”, erläutert Manuel Paulick, Projektleiter beim Planungsunternehmen. Zunächst legt das Projektteam die Anlage auf die GMP+ Zertifizierung der Produktionsstandards für den Futtermittelbereich aus; später soll sie sich auf Lebensmittelstandard erweitern lassen.

Um Protein zu gewinnen, nutzt das Biotechunternehmen Mikroorganismen, die Agrar-Nebenströme wie Melasse als Ausgangsstoff für die Fermentation nutzen. Melasse ist ein Nebenerzeugnis der Zuckerproduktion, das in der Agrarregion um Leuna in großen Mengen anfällt.

Wofür wird das Protein genutzt?

Sobald die Zulassung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) im Rahmen des Novel-Food-Verfahrens vorliegt, soll das Protein auf dem Lebensmittelmarkt für Menschen verfügbar sein, zum Beispiel als Zutat in Hackbällchen oder in Proteinriegeln. Zunächst will das Biotechunternehmen sein Protein aber im Tierfutterbereich vermarkten. Erste Produkte sind schon verfügbar: Gemeinsam mit dem deutschen Anbieter Vegdog und dem britischen Heimtierfutter-Hersteller The Pack hat es Hundeleckerlis auf Basis seines fermentierten Proteins entwickelt.

„Wer Proteinnachschub von Argentinien, Brasilien oder den USA abhängig macht, hat wenig Spielraum, wenn Häfen blockiert sind, Ernten ausfallen oder Exportzölle verhängt werden. Mit unserem Vorhaben in Leuna haben wir die Chance, unabhängig und resilient zu werden. Das gilt es jetzt zu nutzen“, meint Jonathan Roberz, Mitgründer und COO des Biotechunternehmens.