Klimaneutrale Dampferzeugung im Pharma-&-Life-Science-Park Marburg
Energieversorgung als Grundlage für Sicherheit, Qualität und Wachstum
Eine sichere, resiliente und nachhaltige Energieversorgung wird für die Pharmaindustrie zu einer zentralen Zukunftsfrage. Dafür spielt eine Pilotanlage zur CO₂-neutralen Dampferzeugung im Pharma-&-Life-Science-Park Marburg eine zentrale Rolle.
V.l.n.r.: Dr. Thomas Spies (Oberbürgermeister Universitätsstadt Marburg), Dr. Martin Egger, (CEO Innexis-Gruppe), Markus Stertmann (Innexis Marburg), Sasha Savic (CEO E2S Power)
Innexis
Für die pharmazeutische Industrie ist Energie weit mehr als
ein Betriebsfaktor. Sie ist Voraussetzung für stabile Prozesse, Qualität,
regulatorische Sicherheit und die kontinuierliche Versorgung von Patienten und Patientinnen
weltweit. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Standorte, ihre Energie-
und Wärmeversorgung so aufzustellen, dass sie effizient, widerstandsfähig und
langfristig nachhaltig ist. Resilienz, Autarkie und Dekarbonisierung müssen
deshalb gemeinsam gedacht und in belastbare Infrastruktur übersetzt werden.
Baustein nachhaltiger Energieversorgung
Vor diesem Hintergrund haben die Unternehmen Innexis und E2S
Power im Pharma-&-Life-Science-Park Marburg gemeinsam gezeigt, wie sich
Versorgungssicherheit, Nachhaltigkeit und technologische Innovation miteinander
verbinden lassen. Im Zentrum steht die kürzliche Inbetriebnahme eines
Graphit-Wärmespeichers auf Basis der Twest-Technologie (Traveling Wave Energy
Storage Technology) mit einer Kapazität von 6 MWh. Der Graphit-Wärmespeicher
speichert überschüssigen Strom aus erneuerbaren Energien in Form von Wärme und
gibt ihn bei Bedarf als überhitzten Dampf wieder ab. Mit einem Wirkungsgrad von
95 % ist die Anlage eine hocheffiziente Lösung für die industrielle
Energieversorgung. „Mit unserem Twest-System zeigen wir, wie erneuerbare
Energie für industrielle Wärmeprozesse nutzbar gemacht werden kann. Für
energieintensive Branchen wie Pharma ist das ein wichtiger Schritt, um
Nachhaltigkeit und Versorgungssicherheit gemeinsam voranzubringen. Die Zusammenarbeit
mit Innexis macht deutlich, wie Innovation durch partnerschaftliche Umsetzung
an Wirkung gewinnt“, betont Sasha Savic, CEO von E2S Power.
Die Pilotanlage kann bis zu 10 % des Dampfbedarfs am
Standort Marburg im Werksteil Görzhausen decken. In der geplanten, knapp
zweijährigen Testphase werden verschiedene Betriebszustände unter
unterschiedlichen Zeitpunkten und Marktbedingungen erprobt. Ziel ist es, die
Technologie bestmöglich auf das bestehende System abzustimmen und eine
wirtschaftlich wie technisch fundierte Entscheidung über eine mögliche
Gesamtlösung zu treffen. Bei erfolgreichem Testbetrieb kann die Pilotanlage von
derzeit 6 MWh Speicherkapazität auf bis zu 60 MWh erweitert werden. Im
Vollausbau wäre eine elektrische Anschlussleistung von 10 MW sowie eine
Dampfleistung von bis zu 13 t/h möglich. Die Entscheidung über eine Umsetzung
soll voraussichtlich im Jahr 2028 erfolgen.
Einblicke in Energieinfrastruktur und Technologielösung vor Ort
Am Pharma-&-Life-Science-Park Marburg hat die Innexis-Gruppe sich ein klares Ziel gesetzt: CO2-Neutralität bis 2030. Dies wird seit
vielen Jahren konsequent verfolgt. Schritt für Schritt werden fossile
Energiequellen durch erneuerbare und intelligente Energiesysteme ersetzt. Schon
heute deckt der Park seinen Strombedarf vollständig aus erneuerbaren Energien.
Die Energieversorgung beruht auf einem Zusammenspiel moderner Technologien, die
Effizienz, Innovation und Umweltschutz verbinden. Erst im vergangenen Jahr
wurde eine große Photovoltaikanlage auf einer Freifläche in Betrieb genommen.
Zusammen mit PV-Modulen auf dem Dach des neuen Parkhauses wird eine
Gesamtleistung von rund 4 MW erreicht. Ebenfalls im Einsatz sind zwei
unterirdische Eis-Energiespeicher mit 870 und 1500 m³ zur Kühlung des Logistik-Centers
und eines Forschungsgebäudes. Bis 2030 sind sechs Windräder mit jeweils 7 MW Leistung auf dem „Marburger Rücken“ geplant.
„Der Pharma-&-Life-Science-Park ist für unsere Stadt und
die gesamte Region, aber auch weit darüber hinaus ein zentraler Wirtschafts-
und Innovationsstandort. Mit der konsequent auf Zukunft ausgerichteten
Energieinfrastruktur bietet er Unternehmen nicht nur hohe Versorgungssicherheit
und planbare Energiekosten, sondern schafft auch mehr Unabhängigkeit von
volatilen Energiemärkten. Das ist heute wichtiger denn je. Eine nachhaltige und
resiliente Energieversorgung wird damit zum klaren Wettbewerbsvorteil und leistet
zugleich einen konkreten Beitrag zum Klimaschutz. So stärkt der Pharma-&-Life-Science-Park die Zukunftsfähigkeit unserer Region“, sagt Oberbürgermeister
Dr. Thomas Spies.
Ort für angewandte Innovation
Dr. Martin Egger, CEO der Innexis-Gruppe macht deutlich:
„Wer Versorgungssicherheit, regulatorische Anforderungen und Dekarbonisierung
zusammenbringen will, braucht belastbare Infrastruktur und den Mut, neue
Lösungen in die Praxis zu bringen. Genau daran arbeiten wir in Marburg und unseren
anderen Parks. Das Ökosystem aus Forschung & Entwicklung, Herstellung und
Dienstleistungen, das in den letzten Jahren hier am Standort – aber auch in der
Region – entstanden ist, bietet ideale Voraussetzungen für Pharma, Biotech und
Life-Science-Unternehmen. Starke Netzwerke schaffen die Grundlage, um
Innovationen schneller in die Anwendung zu bringen und neue Lösungen gemeinsam
tragfähig zu machen. Dieses Projekt, das auch vom Fraunhofer-Institut für
Energieinfrastruktur und Geothermie begleitet wird, ist der Beweis dafür.“