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Medikamente und Impfstoffe: Was hilft und schützt gegen Sars-Cov-2? Bild: alphaspirit – Adobe Stock

| von Redaktion

Besonders zu Anfang der Covid-19-Pandemie gab es einen regelrechten Hype um vielversprechende Kandidaten für wirksame Therapien. Eines der ersten Medikamente, dass auf diese Weise bejubelt wurde, war das Malaria- und Rheuma-Mittel Hydroxy-chloroquin. Bei der geradezu verzweifelten Suche nach Medikamenten gegen das neue Virus schien der Wirkstoff zunächst zu helfen. In den USA erhielt Hydroxychloroquin zunächst eine Zulassung für den Einsatz als Notfall-Medikament. Diese wurde jedoch wieder zurückgezogen, nachdem der weitläufige Einsatz sowie großangelegte Studien den tatsächlichen Nutzen nicht belegen konnten.

Teilerfolge und dünne Datenlage

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Besonders zu Anfang der Pandemie kamen bei der Suche nach Medikamenten bereits bekannte Wirkstoffe zum Einsatz, die für die Therapie von Covid-19 umgewidmet werden sollten. Bild: luckybusiness – Adobe Stock

Ein Teilerfolg ist immerhin mit dem entzündungshemmenden Kortison-Präparat Dexamethason möglich. Während anfangs noch der Eindruck vorherrschte, Covid-19 sei eine reine Lungenkrankheit, schlug dieses Bild bald um. Zwar beginnt die Krankheit in der Regel in den Atemwegen, sie betrifft aber schließlich den ganzen Körper „vom Gehirn bis in die Füße“, betont Dr. Siegfried Throm, Geschäftsführer Innovation im Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (VFA). Verläuft die Krankheit besonders schwer, kommt es zu einer Überreaktion des Immunsystems, einem sogenannten Cytokin-Sturm.

Diese anhaltende Überreaktion der Körperabwehr kann letztendlich tödlich sein, lässt sich aber mit Dexamethason oft eindämmen. Bei schweren Krankheitsverläufen von Covid-19 ist darum die unterstützende Therapie mit diesem Mittel mittlerweile etabliert. Verschiedene weitere solcher Immunmodulatoren unterschiedlicher Entwickler befinden sich in klinischen Tests, unter anderem die namhaften Pharmakonzerne Sanofi, Novartis, Glaxo Smith Kline und Bristol Myers Squibb verfolgen jeweils Kandidaten unterschiedlicher Wirkmechanismen.

Auch das antivirale Medikament Remdesivir galt zu Beginn der Pandemie als großer Hoffnungsträger. Der US-Pharmakonzern Gilead entwickelte das Mittel ursprünglich gegen das Ebola-Virus. Klinische Studien zeigten allerdings keinen ausreichenden Erfolg. Da das Medikament allerdings auch schon ein vielversprechender Kandidat gegen das mit Sars-Cov-2 verwandte Mers-Virus war, lag es nahe, den Wirkstoff auch bei Covid-19 zu testen. Dabei zeigten sich vereinzelte Erfolge, insbesondere bei Patienten mit besonders schwerem Krankheitsverlauf, weshalb Remdesivir in den USA und der EU eine begrenzte Zulassung erhielt.

Die Solidarity Studie der WHO kam allerdings zu dem Ergebnis, dass die bisherigen Daten keine ausreichende Wirksamkeit belegen. Das gleiche Urteil fällte die Behörde auch über die Wirkstoffe Hydroxychloroquin, Lopinavir und Ritonavir sowie Interferon-Therapien – alles Medikamente, die ursprünglich für andere Zwecke entwickelt wurden und gegen Covid-19 zu schnellen Helfern in der Not werden sollten. Der WHO zufolge zeigen sie jedoch „wenig oder keinen Effekt“ auf die Überlebensrate oder den Krankheitsverlauf bei hospitalisierten Patienten.

Die Studie betont jedoch auch die außergewöhnliche Geschwindigkeit, mit der Forscher auf der ganzen Welt in zahlreichen Studien Informationen über mögliche Medikamente suchen und sammeln. Dies zeige, dass große und international angelegte Studien selbst während der Pandemie noch möglich seien und schnelle und zuverlässige Antworten in der Suche nach Therapien gegen Covid-19 bringen können. Denn eine Gemeinsamkeit, die viele weitere potenzielle Wirkstoffe teilen, ist eine unklare und teilweise widersprüchliche Datenlage. Nach anfänglichen Erfolgen im Labor und positiven Beobachtungen im Einsatz gegen Covid-19 folgte oft wenig später die Ernüchterung: nicht zuverlässig, nicht reproduzierbar, nicht kontrollierbar, zu viele Nebenwirkungen.

Aufsehen erregt hat auch der umgangssprachlich nach dem Entwickler-Unternehmen benannte Regeneron-Cocktail. Mit diesem Gemisch sogenannter Monoklonaler Antikörper wurde unter anderem Ex-US-Präsident Trump behandelt, nachdem er positiv auf Sars-Cov-2 getestet worden war. Die Antikörper blockieren gezielt die charakteristischen Stachel auf der Außenhülle des Virus Sars-Cov-2, mit denen sich dieses an Zellen des menschlichen Körpers anheftet. Sind diese Andockstellen besetzt, kann das Virus nicht in die Zelle eindringen und sich folglich nicht mehr vermehren. Ähnlich wie mit dem antiviralen Medikament Remdesivir lässt sich so im Frühstadium einer Infektion die Viruslast verringern und das Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs mindern.

Impfstoffe in Rekordzeit

Nach den bislang zum großen Teil enttäuschenden Ergebnissen mit der Umwidmung von bekannten Medikamenten war es überraschenderweise die Impfstoff-Entwicklung, die alle Geschwindigkeitsrekorde brach. Überraschend, weil die Entwicklung eines Impfstoffes mit allen Studien bis zur Zulassung und Markteinführung klassischerweise mindestens zehn Jahre dauert, in der Regel eher 15 bis 20 Jahre. In der Covid-Pandemie haben dagegen gleich mehrere Unternehmen oder Partnerschaften einen wirksamen Impfstoff in der praktisch unmöglichen Zeitspanne von unter einem Jahr bis zur Zulassung gebracht.

Möglich war dies durch bisher beispiellose Anstrengungen sowie Koordination und Zusammenarbeit auf allen Ebenen. So schlossen verschiedene Pharmaunternehmen Kooperationen zur gemeinsamen Entwicklung und Produktion, so beispielsweise die Partnerschaft zwischen dem deutschen Forschungsunternehmen Biontech und dem US-Pharmariesen Pfizer. Auch die Zulassungsbehörden haben sich bei der Bewertung von Medikamenten und Impfstoffen auf die Dringlichkeit der Lage eingestellt und Zulassungsverfahren beschleunigt, beispielsweise mit dem Rolling Review. Das bedeutet ein beschleunigtes Verfahren, bei dem die Behörde bereits die Studienergebnisse der vorangegangenen Phasen prüft, noch bevor alle Daten für die Zulassung vorhanden und eingereicht sind.

Hilfreich für die Entwickler der Impfstoffe war auch, dass einzelne Staaten sowie die EU recht frühzeitig Lieferverträge mit garantierten Abnahmemengen abgeschlossen haben. Dadurch, erklärt VFA-Geschäftsführer Throm, konnten sich die Unternehmen schon früh auf zu produzierende Mengen einstellen und mit geringerem Risiko bereits Produktionskapazitäten aufbauen, noch während ihre Impfstoff-Kandidaten in der Entwicklung waren.

Erster in Deutschland und der EU zugelassener Covid-Impfstoff, mit Zulassung am 21.12.2020, war der von Biontech und Pfizer entwickelte Kandidat BNT162b2. Wenig später, am 06.01.2021, erhielt auch der Impfstoff mRNA-1273 von Moderna die Zulassung. Ebenfalls überraschend: Beide Impfstoffe stammen aus der neuen Klasse der mRNA-Impfstoffe, deren Wirkmechanismus bislang völlig unerprobt war. Am 29.01.2021 schließlich erteilte die EMA dem Vektor-Impfstoff von Astrazeneca die Zulassung. Elf weitere Impfstoffkandidaten befinden sich in Phase-III-Studien (VFA, Stand Februar 2020). Zwei davon unterliegen bereits dem Zulassungsverfahren in der EU im Rolling Review. Insgesamt zählt die WHO derzeit 236 Impfstoffe in unterschiedlichen Stadien der Entwicklung.

Schnell, aber nicht die ersten

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Die Entwicklung von Impfstoffen verlief mit bislang beispielloser Geschwindigkeit und Kooperation auf allen Ebenen. Bild: sasun Bughdaryan – Adobe Stock

Die in der EU zugelassenen und nun genutzten Impfstoffe waren jedoch nicht die ersten, mit denen auf der Welt gegen Covid-19 geimpft wurde. Für Diskussionen sorgte der bereits Mitte 2020 eingesetzte russische Impfstoff Gam-Covid-Vac, besser bekannt unter der Bezeichnung Sputnik V. Der vom Gamaleya-Institut in Moskau entwickelte Vektor-Impfstoff erhielt in Russland bereits nach der klinischen Phase II die Zulassung. Der Einsatz kam damit so schnell, dass Experten weltweit heftige Zweifel an der Wirksamkeit sowie an der Einhaltung internationaler Standards bei der Entwicklung des Impfstoffs äußerten. Die außerordentlich dünne Datenlage sowie die intransparente Kommunikation der Daten konnte diese Zweifel zunächst nicht ausräumen. Sogar der Verdacht von gefälschten oder zumindest manipulierten Studiendaten stand zwischenzeitlich im Raum.

Ob Russland mit Sputnik V das technologische Rennen um einen Covid-Impfstoff gewonnen hatte, so wie in den 1960er Jahren den Wettlauf ins All mit dem Satelliten Sputnik I, ließ sich zu dem Zeitpunkt folglich nicht sagen. Eine im medizinischen Fachmagazin The Lancet veröffentlichte Studie bescheinigte dem Impfstoff dagegen jüngst eine Wirksamkeit von 91,6 %. Einem MDR-Bericht zufolge hat das deutsche Biopharma-Unternehmen IDT Biologika Interesse daran, den Impfstoff in Deutschland herzustellen.

Entscheider-Facts

  • Die großen Hoffnungen in die Umwidmung bekannter Medikamente für den Einsatz gegen Covid-19 haben sich bislang nicht erfüllt.
  • Die Entwicklung von Impfstoffen war dagegen in Rekordzeit möglich.
  • Zusätzliche Studien werden die Datenlage verbessern und weitere Wirkstoff-Entwicklungen beschleunigen.

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