PPWR treibt Wandel im Verpackungsmaschinenbau
Neue Materialien und Verordnungen verändern die Anforderungen an den Verpackungsmaschinenbau. Hersteller reagieren darauf mit flexiblen Anlagen, Automatisierung und einer engeren Zusammenarbeit entlang der Wertschöpfungskette.
Der Verpackungsmaschinenbau hat die Aufgabe, regulatorische Anforderungen in technische Lösungen zu übersetzen.
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Entscheider-Facts:
- Die PPWR verändert Anforderungen an Verpackungen.
- Maschinenbauer müssen Anlagen an neue Materialien
anpassen.
- Digitale Technologien und Netzwerke treiben flexible
Prozesse voran.
Der VDMA hat kürzlich eine Folge seines Industrie-Podcasts über die Schlüsselrolle des Maschinenbaus bei der Verpackung veröffentlicht. Zu
Gast waren Judith Binzer, Referentin Verpackungsmaschinen, Technik und
Forschung beim VDMA, und Prof. Dr.-Ing. habil. Marek Hauptmann, Abteilungsleiter
Verpackungs- und Verarbeitungstechnologien am Fraunhofer IVV in Dresden. Die
beiden haben darüber gesprochen, welche Erwartungen es jetzt und in Zukunft an
Verpackungen gibt und was infolgedessen auf Verpackungsmaschinenbauer zukommt.
Die Vorgaben der kommenden EU-Verpackungsverordnung (Packaging
and Packaging Waste Regulation, PPWR), die ab August 2026 greift, zielen darauf
ab, Abfälle zu reduzieren, Recycling zu stärken und den Einsatz von Rezyklaten
verbindlich zu erhöhen. Für die Hersteller von Verpackungsmaschinen bedeutet
das nicht nur, dass sie ihre Anlagen an neue Materialien anpassen müssen, es ist
vielmehr ein struktureller Wandel entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Die PPWR soll erstmals EU-weit Anforderungen an
Verpackungen und Verpackungsabfälle harmonisieren und damit dem bisherigen
Flickenteppich nationaler Regelungen ein Ende bereiten. Gleichzeitig erweitert
sie den regulatorischen Rahmen auf den B2B-Bereich, denn auch Maschinenbauer
müssen sich künftig mit ihrer Rolle als Verpackungsakteure auseinandersetzen,
etwa als Hersteller oder Inverkehrbringer von Verpackungen. Daraus ergeben sich
neue Dokumentations- und Nachweispflichten, die die Maschinenbauer organisatorisch
und technisch umsetzen müssen.
Anforderungen kommen hinzu
Das Marktforschungsinstitut Euro Monitor International
beziffert, dass 2024 weltweit rund 4,1 Mrd. verpackte Lebensmitteleinheiten verkauft
wurden, bis 2029 wird eine Steigerung von 11 % prognostiziert. Da Lebensmittel
nur einen Teil des Marktes verpackter Güter ausmachen, lässt diese Zahl darauf
schließen, dass die Menge der insgesamt benötigten Verpackungen noch sehr viel höher liegt.
Deutsche Hersteller von Verpackungsmaschinen hatten 2025 einen Exportanteil von
rund 25 %. Ihr Portfolio reicht von hochpräzisen Füll- und Verschließmaschinen
bis hin zu komplexen, automatisierten Verpackungslinien.
Diese Systeme sind flexibel, präzise und zuverlässig. All
das bleibt auch künftig gefragt, allerdings verschieben sich die Anforderungen:
Während bisher vor allem Effizienz und Leistungsfähigkeit im Fokus standen,
gewinnen recyclingfähige Materialien und Maschinen, die sich an die neue Materialvielfalt
anpassen können, an Bedeutung.
Neue Materialien, neue Herausforderungen
Ein zentraler Treiber des Wandels im
Verpackungsmaschinenbau ist der zunehmende Einsatz alternativer
Verpackungsmaterialien. Neben optimierten Kunststoffen rücken faserbasierte
Materialien wie Papier stärker in den Fokus. Diese bringen jedoch andere
mechanische Eigenschaften mit sich, sind etwa weniger dehnfähig oder haben
andere Reibwerte. Bestehende Maschinen sind darauf häufig nicht ausgelegt, was
Anpassungen erforderlich macht.
Damit verschiebt sich auch die Entwicklungslogik im
Maschinenbau: Künftig müssen Anlagen nicht nur für stabile Prozesse sorgen,
sondern flexibel auf schwankende Materialeigenschaften reagieren können.
Insbesondere Rezyklate stellen hier eine Herausforderung dar, da ihre Qualität
variieren kann. Maschinen müssen diese Schwankungen kompensieren, um weiterhin eine
konstante Produktqualität aufrechtzuerhalten.
Andere technische Ansätze
Hier kommen digitale Technologien ins Spiel. Die
zunehmende Verfügbarkeit von Materialdaten beispielsweise in einem digitalen
Produktpass eröffnet neue Möglichkeiten. Perspektivisch könnten Maschinen
diese Daten nutzen, um Prozesse automatisch anzupassen. KI-gestützte
Assistenzsysteme und datenbasierte Modelle ermöglichen es, Parameter dynamisch
zu verbessern und Anlagen robuster zu betreiben.
Auch im Bereich Smart Manufacturing zeigt sich ein klarer
Trend: Automatisierung, Robotik und intelligente Steuerungssysteme reduzieren
manuelle Eingriffe und steigern die Ressourceneffizienz. Gleichzeitig entstehen
neue datenbasierte Geschäftsmodelle, etwa im Service oder in der
Prozessoptimierung.
Parallel dazu treiben Maschinenbauer neue technische
Ansätze voran. Dazu zählen alternative Siegelverfahren, etwa induktives
Siegeln, sowie neue Werkzeugkonzepte für empfindliche Materialien. Auch das
Modularisieren von Anlagen wird wichtiger, da Betreiber ihre Maschinen so
schneller an neue Anforderungen anpassen und gezielt einzelne Prozessschritte
optimieren können. Die PPWR wirkt wie ein Katalysator, der bestehende Trends
beschleunigt und neue Impulse setzt.
Netzwerke gewinnen an Bedeutung
Ein entscheidender Erfolgsfaktor ist die enge
Zusammenarbeit entlang der Wertschöpfungskette. Materialhersteller,
Maschinenbauer und Anwender müssen ihre Entwicklungen stärker aufeinander
abstimmen. Denn neue Materialien erfordern angepasste Maschinen und umgekehrt.
Entsprechend gewinnen Netzwerke und Forschungskooperationen an Bedeutung. Initiativen,
die Kompetenzen aus Materialforschung, Verfahrenstechnik und Maschinenbau
bündeln, zeigen bereits erste Ansätze für integrierte Lösungen. Ziel muss es
sein, Verpackungssysteme ganzheitlich zu denken, von der Rohstoffbasis über die
Verarbeitung bis hin zum Recycling.
Transformation als Daueraufgabe
In den kommenden Jahren wird sich der
Verpackungsmaschinenbau weiter verändern. Themen wie „Design for Recycling“,
der Einsatz hochwertiger Rezyklate und die sogenannte „Paperization“ prägen
voraussichtlich die Entwicklung. Gleichzeitig bleibt die Herausforderung bestehen
– insbesondere bei den neueren Materialien, für die noch nicht so viele Daten
vorliegen –, Produktschutz, Effizienz und Nachhaltigkeit in Einklang zu bringen.
Bei diesem Wandel hat der Maschinenbau die Aufgabe, regulatorische
Anforderungen in technische Lösungen zu übersetzen und die Voraussetzungen
dafür zu schaffen, dass neue Verpackungskonzepte industriell umgesetzt werden
können. Diese Transformation ist damit weniger ein kurzfristiger
Anpassungsprozess als vielmehr eine langfristige Entwicklungsaufgabe.