Hochpotent, hochriskant: Von der Einzellösung zum sicheren System
Herausforderungen und Lösungen im modernen Containment
Bei steigender Potenz von Wirkstoffen steigen auch die Anforderungen an den Arbeitsschutz. Die Regulatorik verlangt ein Umdenken von der isolierten Betrachtung einzelner Maschinen hin zu Systemlösungen, die den gesamten Lebenszyklus einer Anlage absichern.
Moderne Wash-in-Place-Systeme reinigen die Pressräume von Tablettenpressen unter Containment automatisch und ohne manuelle Eingriffe.Fette Compacting
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Lange Zeit wurde Containment
primär als technische Notwendigkeit betrachtet, die sich auf die Undurchlässigkeit
einzelner Maschinen im regulären Produktionsbetrieb konzentrierte. Doch die
Realität in den Produktionsräumen hat sich verändert, da bei hochaktiven
pharmazeutischen Wirkstoffen bereits Mengen im Mikrogramm- bis Nanogrammbereich
sicherheitsrelevant sind. Insbesondere durch Fortschritte in Onkologie und Präzisionsmedizin wächst der Markt für hochaktive
pharmazeutische Wirkstoffe (HPAPIs) weiter stark.
Ein einziger Zuckerwürfel, gleichmäßig im gesamten Luftvolumen der Elbphilharmonie in Hamburg verteilt, entspräche einer Raumluftkonzentration von etwa 5,5 Mikrogramm pro Kubikmeter.Fette Compacting
„Wir
sprechen über Wirkstoffkonzentrationen, die man sich schwer vorstellen kann“,
erklärt Marcel Issmer, Group Lead Platform Management bei Fette Compacting.
„Zermahlt man einen einzigen Zuckerwürfel und verteilt den Staub gleichmäßig in
der gesamten Hamburger Elbphilharmonie, entsteht eine Raumluftkonzentration von
etwa 5,5 Mikrogramm pro Kubikmeter. Und selbst diese Menge ist für manche
Wirkstoffe bereits zu viel.“ Während moderne Produktionsanlagen diesen
Grenzwert täglich sicher einhalten müssen, gelten für High-Containment-Anlagen
noch strengere Anforderungen. In speziellen Fällen müssen sie sogar
Höchstgrenzen gewährleisten, die bis in den Nanobereich reichen.
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Strengere
Regeln, neue Blickwinkel
Die
im Dezember 2024 in Kraft getretene Novellierung der Gefahrstoffverordnung
(GefStoffV) reagiert auf die zunehmenden hochaktiven Wirkstoffe mit konkreten
Vorgaben: Für krebserzeugende, mutagene und reproduktionstoxische Stoffe
(CMR-Stoffe) sind geschlossene Systeme als Schutzmaßnahme vorgeschrieben,
sofern dies technisch umsetzbar ist. Verbindliche Expositionsgrenzwerte legen
fest, welche Konzentrationen akzeptabel sind. Zudem müssen diese nicht nur im
laufenden Produktionsbetrieb, sondern auch während Wartung, Reinigung und
Umbauten eingehalten und nachgewiesen werden. Parallel dazu hat die
International Society for Pharmaceutical Engineering (ISPE) ihren
SMEPAC-Leitfaden überarbeitet. Auch hier hat sich der Fokus verschoben: Die
Richtlinie empfiehlt erstmals die Betrachtung des gesamten Lebenszyklus komplexer
Produktionssysteme und berücksichtigt nun auch kontinuierliche
Herstellprozesse.
Continuous
Manufacturing entwickelt sich zu einem Schlüsselfaktor für modernes Containment.
Während die kontinuierliche Produktion oft wegen Effizienz und Geschwindigkeit gelobt
wird, bietet sie auch aus Sicht des Arbeits- und Umweltschutzes einen entscheidenden
systemischen Vorteil: die Minimierung kritischer Transferschnittstellen.
Continuous Manufacturing reduziert die Anzahl kritischer Transferpunkte deutlich: beispielhafte Anlage mit kontinuierlichem Verarbeitungssystem (rechts) und Tablettenpresse (links).Fette Compacting
In
der klassischen Batch-Produktion stellt jeder Materialtransfer zwischen
einzelnen Prozessschritten ein potenzielles Risiko für eine
Wirkstofffreisetzung dar. Ein durchgängig geschlossener, kontinuierlicher
Prozess reduziert viele dieser kritischen Schnittstellen von vornherein. Continuous
Manufacturing unterstützt somit einen stabilen Expositionsschutz, da das
Produkt im Idealfall vom Rohstoff bis zur fertigen Tablette im geschlossenen
System verbleibt.
Saubere
Rohrleitungen auf Knopfdruck
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Neben
dem Prozessdesign rückt das Airmanagement, also die Steuerung der Luftströme
innerhalb der Anlage und in Zu- und Ableitungen, zunehmend in den Fokus der
Sicherheitsbetrachtung. Während Wash-in-Place-Systeme (WiP) die Pressräume
automatisch reinigen, blieb die Reinigung der Rohrleitungen, Filterkammern und
Ventile des Airmanagements eine Herausforderung. Oft mussten Anlagenbediener
diese Bereiche manuell reinigen, oder automatisierte Prozesse erledigten die
Reinigung nicht zufriedenstellend. „Was bei konventionellen Substanzen
tolerierbar ist, wird bei HPAPIs zum Sicherheitsrisiko“, sagt Issmer. Zudem
erschweren unzugängliche Bereiche in der Luftführung die Validierung der
Reinigungsprozesse – eine Anforderung, die sowohl die Gefahrstoffverordnung als
auch SMEPAC explizit stellen.
Hier
setzen Innovationen wie das waschbare Airmanagement von Fette Compacting an. Eine
vollautomatisierte Reinigung der gesamten Luftführung im WiP-Prozess befreit
Rohrleitungen, Filterkammern und Ventile zuverlässig von Rückständen. Technisch
wird dies durch eine strömungsoptimierte Positionierung der Reinigungsdüsen
realisiert. Stäube und hochaktive Partikel werden ohne manuelle Eingriffe
gebunden und entfernt, sämtliche Prozessparameter lückenlos dokumentiert. „Die
Rückmeldungen aus der Praxis zeigen, dass der Ansatz aufgeht: Die ersten
Kunden, die das System nutzen, sind sehr zufrieden“, berichtet Issmer.
Messbare
Sicherheit
Um
Containment zu einer objektiv bewertbaren Systemeigenschaft zu machen, sind
standardisierte Messverfahren unerlässlich. Mit dem Containment Guard hat Fette
Compacting bereits 2017 ein Verfahren etabliert, das die Rückhalteleistung von
Anlagen unter praxisnahen Bedingungen und in verschiedenen definierten
Szenarien messbar macht. „So können wir die Containment-Performance bereits
beim Factory Acceptance Test gemeinsam mit dem Kunden prüfen“, sagt Issmer. Pharmaunternehmen erhalten damit noch vor der
Inbetriebnahme die Gewissheit, dass die Anlage den spezifischen Anforderungen
an den Umgang mit ihren Wirkstoffen gewachsen ist.
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Wirksames Containment
erfordert eine ganzheitliche Betrachtung der Herstellung. Die Kombination aus Continuous
Manufacturing, innovativen Reinigungskonzepten wie dem waschbaren Airmanagement
und validierten Messverfahren macht den Schutz vor hochpotenten Wirkstoffen
planbar. Wenn Mikrogramme über die Sicherheit von Mitarbeitenden und Umwelt entscheiden,
muss der Schutz über die Einzelmaschine hinausgehen und den gesamten
Lebenszyklus der Anlage umfassen.