Unternehmen sucht nach Investor durch Investorenprozess

Arzneimittelhersteller R-Pharm Germany stellt Insolvenzantrag

Der Arzneimittelhersteller R-Pharm Germany mit Sitz in Illertissen hat die Einleitung eines vorläufigen Insolvenzverfahrens beantragt. Internationale Russland-Sanktionen hatten zuletzt die Geschäftsentwicklung des Unternehmens belastet.

Tabletten auf Förderband in vollautomatisierter Pharma-Produktionslinie

Der Geschäftsbetrieb des Arzneimittelherstellers am Standort Illertissen läuft trotz des vorläufigen Insolvenzverfahrens eingeschränkt weiter. Mit Beschluss vom 12. März 2026 bestellte das zuständige Amtsgericht Neu-Ulm Rechtsanwalt Markus Fröhlich von der Kanzlei Fröhlich zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Dieser kümmert sich derzeit um die Sicherstellung der Löhne und Gehälter der rund 300 Beschäftigten über eine Insolvenzgeldvorfinanzierung. R-Pharm Germany blickt auf eine seit 1849 bestehende Firmengeschichte zurück und entwickelt, produziert und versendet Arzneimittel für Kunden in rund 150 Ländern weltweit. Während der Corona-Pandemie hatte das Unternehmen vorrübergehend auch Impfstoffdosen für Astrazeneca sowie den russischen Impfstoff Sputnik produziert.

Schwierige Rahmenbedingungen durch fortgeschrittene Krisensituation

Der vorläufige Insolvenzverwalter will trotz schwieriger Rahmenbedingungen aufgrund der bereits fortgeschrittenen Krisensituation im Unternehmen alle Sanierungsoptionen ausloten, um für das Traditionsunternehmen eine nachhaltige Perspektive für den Standort sowie für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu schaffen. Sanierungsexperte Markus Fröhlich und sein Team verschaffen sich derzeit einen umfassenden Überblick über die wirtschaftliche Situation des Unternehmens. Parallel dazu führt er Gespräche mit Kunden, Lieferanten und weiteren Geschäftspartnern, um den laufenden Geschäftsbetrieb zu stabilisieren und fortzuführen. „Der Arzneimittelhersteller genießt in der Branche einen guten Ruf, stellt im Markt nachgefragte Arzneimittelprodukte her und verfügt über einen internationalen Kundenstamm. Das sind grundsätzlich gute Voraussetzungen für eine Sanierung, wenngleich die Ausgangssituation sicherlich nicht einfach ist“, erklärt Fröhlich.

Nach einer ersten Analyse sieht er Chancen für eine Zukunftslösung. „Unser Ziel ist es, im Rahmen eines strukturierten Investorenprozesses einen starken Partner zu finden, der das Unternehmen langfristig stabilisiert und den Standort Illertissen weiterentwickelt“, so Fröhlich. Ziel des vorläufigen Insolvenzverfahrens ist eine sogenannte übertragende Sanierung. Nun soll ein strukturierter Investorenprozess unverzüglich über ein renommiertes M&A-Beratungsunternehmen gestartet werden. Bereits jetzt haben sich erste Interessenten gemeldet, die sich für den Pharmahersteller und seine Produktionskapazitäten interessieren. Im Fokus stehen hier insbesondere die technologische Ausstattung, der internationale Kundenstamm und die qualifizierte Belegschaft.

Hintergrund der wirtschaftlichen Situation

Die Gründe für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten liegen vor allem im Gesellschafterkreis des Unternehmens, der einem russischen Konsortium angehört. Infolge internationaler Russland-Sanktionen kam es zunehmend zu Unsicherheiten bei Kunden und Geschäftspartnern, was sich negativ auf die Geschäftsentwicklung auswirkte. Bereits im Herbst 2024 hatte es Medienberichte über mögliche Veränderungen in der Eigentümerstruktur und einen Verkauf gegeben. Durch die Einleitung des Insolvenzverfahrens könnte der angestrebte Verkauf des Unternehmens erleichtert werden.

Torsten Falke, Bezirksleiter der zuständigen Branchengewerkschaft IGBCE aus Augsburg, bestätigt die massiven sanktionsbedingten Einschränkungen, die aber beidseitig von EU und der Russischen Regierung verhängt wurden. Aus Russland sei es so gut wie unmöglich geworden, einen gesicherten Geldfluss zu generieren. Torsten Falke verbindet mit einem geordneten Insolvenzverfahren und einem ambitionierten, professionellen M&A Verfahren die Hoffnung, dass die Mitarbeiter, die seit Monaten ihre Löhne und Gehälter immer wieder verspätet erhielten, endlich eine positive Zukunft bekämen. „Wir werden gemeinsam mit dem Betriebsrat und dem Insolvenzverwalterteam eng zusammenarbeiten, damit eine schnelle und gute Lösung erzielt werden kann“, sagt Torsten Falke.