Strategische Allianz in der Biopharma-Industrie
BMS implementiert KI-Modell Claude für globale Forschung und Produktion
Der US-Konzern Bristol Myers Squibb (BMS) rollt die KI-Plattform Claude von Anthropic unternehmensweit aus. Die Integration von agentischer KI in den Arbeitsalltag soll unter anderem die Zeit zur Identifizierung neuer Wirkstoffe halbieren.
Milos – stock.adobe.com
BMS plant, Claude als zentrale Intelligenzplattform über die
gesamten globalen Operationen des Unternehmens hinweg zu etablieren. Im
Gegensatz zu vielen frühen KI-Ansätzen soll die Anwendung deutlich über einfache
Chatbots hinausgehen. Agentische
KI-Funktionen sollen direkt in die täglichen Arbeitsabläufe der
Forschung und Entwicklung (F&E), der Fertigung sowie des kommerziellen
Betriebs eingebettet werden. Greg Myers, Chief Digital and Technology Officer
bei BMS, erklärte dazu, dass die Zusammenarbeit darauf abzielt, ungenutzte
Werte aus jahrzehntelangen Datensilos zu befreien und das kollektive Wissen für
jeden Mitarbeiter zugänglich zu machen.
In der frühen Forschung soll die Analysekapazität von Claude
dazu beitragen, die Identifizierung und Optimierung von Wirkstoffzielen in den
Kernbereichen Onkologie, Hämatologie, Neurowissenschaften und Immunologie
massiv zu beschleunigen. Laut CEO Chris Boerner verfolgt BMS das Ziel, die Zeitspanne von der Zielauswahl bis zur
Identifizierung eines Lead-Moleküls mithilfe der KI zu halbieren.
Parallel dazu soll das Tool „Claude Code“ die interne Softwareentwicklung beschleunigen
und Expertenwissen aus bisher getrennten Systemen nutzbar machen.
Auch für die klinische Entwicklung und die Fertigung erwartet
das Unternehmen signifikante Effizienzsprünge. So könnte eine automatisierte
Studiendokumentation die Zeit zwischen dem Abschluss der Datenerhebung und der
behördlichen Einreichung minimieren, wobei Experten des Konzerns eine Produktivitätssteigerung
in diesem Bereich um bis zu 45 % erwarten. In der Produktion soll die KI unter
anderem bei der Ursachenanalyse von Abweichungen in Echtzeit sowie bei
Entscheidungen zur Chargenfreigabe unterstützen.
Diese weitreichende Einführung von Claude markiert einen
weiteren Schritt im aktuellen „KI-Wettrüsten“
der Pharmabranche. BMS folgt damit dem Trend großer Konkurrenten wie
Merck, Novo Nordisk und Eli Lilly, die ebenfalls umfassende Partnerschaften mit
Technologieführern wie Google, OpenAI oder Nvidia geschlossen haben, um ihre
Forschungs- und Betriebsabläufe grundlegend zu transformieren. Laut
BMS-Management werden jene Unternehmen das nächste Jahrzehnt der
Biopharma-Branche anführen, die lernen, durch KI fundamental anders zu
operieren.