Streit um Compliance-Mängel bei Neubau

Novartis kündigt Vertrag mit Lohnhersteller Porton in Slowenien

Der Schweizer Pharmakonzern Novartis hat den Pachtvertrag mit dem chinesischen Auftragshersteller Porton Pharma Solutions für einen Standort in Slowenien gekündigt. Hintergrund sind regulatorische Probleme beim Bau einer Produktionsstätte.

Stillgelegte Baustelle mit Barriere und Schriftzug 'Terminated' vor modernem Gebäude.
Wegen regulatorischer Streitigkeiten kommt der Bau einer Produktionsstätte auf dem Novartis-Campus im slowenischen Mengeš zum Stillstand.

Der Streit konzentriert sich auf ein Projekt auf dem Mengeš-Campus von Novartis in Slowenien. Im Jahr 2022 vereinbarten die beiden Unternehmen, dass Porton dort rund 50 Mio. Euro investiert und Forschungs- und Produktionsanlagen für pharmazeutische Wirkstoffe (APIs) und Zwischenprodukte errichtet. Während ein Forschungsgebäude im Mai 2024 erfolgreich in Betrieb ging, traten beim Hauptproduktionsgebäude „B30“ nach dessen Fertigstellung im Rohbau Ende 2025 massive Probleme zutage. Hierfür weisen sich beide beteiligten Unternehmen gegenseitig die Schuld zu.

Porton Pharma Solutions – nicht zu verwechseln mit dem britischen Unternehmen Porton Biopharma – gibt an, bei einer Prüfung der frühen Genehmigungsunterlagen für Gebäude B30 regulatorische Probleme entdeckt zu haben. Diese Mängel hätten dem Auftragshersteller zufolge dazu führen können, dass die Fabrik nicht für die vorgesehene Produktion genutzt werden könne. Aus Vorsicht entschied sich das Unternehmen, die weiteren Investitionen und den Bau des Gebäudes vorerst auszusetzen, um rechtliche und finanzielle Risiken zu minimieren. Das Unternehmen betont, dass Novartis vertraglich verpflichtet war, Porton bei den behördlichen Genehmigungsverfahren und dem Bau zu unterstützen.

Novartis sieht hingegen die Verantwortung für Compliance-Mängel bei Porton und betrachtet den Baustopp als schwerwiegende Vertragsverletzung. Porton hat diesen Vorwurf ausdrücklich zurückgewiesen. Nach ergebnislosen Verhandlungen hat Novartis als Konsequenz einseitig den Vertrag zwischen den beiden Partnern gekündigt und fordert, dass Porton das Campus-Gelände innerhalb von 90 Tagen räumen muss. Darüber hinaus behält Novartis sich Forderungen nach Schadensersatz und ausstehenden Servicegebühren in Höhe von insgesamt etwa 54,7 Mio. Euro vor.

Eine solche Schadensersatz-Forderung könnte den Lohnhersteller stark in Bedrängnis bringen. Porton hat bereits 447,6 Mio. Yuan (etwa 65,8 Mio. Dollar) in den Standort investiert – ein Betrag, der in etwa dem Nettogewinn des Unternehmens im Jahr 2025 entspricht. Schadensersatz in einer ähnlichen Dimension würde das Geschäft für 2026 erheblich belasten. Zusätzlicher finanzieller Schaden entstünde durch nicht mehr erfüllbare Kundenaufträge und eventuelle Abfindungen an Mitarbeiter, warnt das Unternehmen.

Hinzu käme ein strategischer Rückschlag: Mengeš sollte der erste Forschungs- und Produktionsstützpunkt des chinesischen Lohnherstellers in Europa werden. Diesen noch vor Fertigstellung wegen eines regulatorischen Rechtsstreuts wieder aufgeben zu müssen, wäre ein herber Verlust.