1 Eine Propen-Kälteanlage zur Temperierung von Rührwerksbehältern

Alternative Kältemittel sorgen für eine hocheffiziente Kälteerzeugung. Hier: Eine Propen-Kälteanlage zur Temperierung von Rührwerksbehältern. (Bild: L & R)

| von Burkhard Rüßmann ist CEO der L&R Kältetechnik
  • Die F-Gase-Verordnung regelt den schrittweisen Ausstieg aus H-FKW-haltigen Kältemitteln.
  • Um bestehende Kälteanlagen zukunftssicher auszustatten, können neu entwickelte synthetische Kältemedien zum Einsatz kommen. Anwender sollten jedoch auch natürliche Kältemittel wie Ammoniak, Kohlendioxid, Propan und Propen berücksichtigen.
  • Propen etwa bietet insbesondere im Hinblick auf Nachhaltigkeit und Umweltschutz hervorragende Werte. Darüber hinaus können Anwender von deutlichen Energieeinsparungen profitieren.

Viele Ausgangs-, Zwischen- und Endprodukte in der Pharmaproduktion müssen bei tiefen Temperaturen (bis herab zu -80 °C) verarbeitet oder gelagert werden, um ihre Wirksamkeit zu erhalten. Deshalb gehören Kälteanlagen zur Standardausrüstung von Produktionsstätten der Pharmaindustrie. Anwender solcher Anlagen müssen die F-Gase-Verordnung der EU umsetzen. Sie trifft Regelungen zum schrittweisen „Phase down“ oder „Phase out“ von Produktion und Gebrauch der H-FKW-haltigen Kältemitteln, die zu den Verursachern des Treibhauseffektes gehören. Davon sind auch gängige Kältemittel betroffen, die in industriellen Kälte- und Tiefkälteanlagen zum Einsatz kommen.

Mehrere Lösungen führen zum Ziel

Aus Sicht der Experten von L&R Kältetechnik gibt es mehrere Lösungspfade für die Umsetzung der F-Gase-Verordnung: Um bestehende Kälteanlagen zukunftssicher auszustatten, können neu entwickelte synthetische Kältemedien wie R 1234yf, R513, R449A, R452A, R454C usw. zum Einsatz kommen. Eine Umrüstung ist je nach Anlagenausführung mit geringem technischem Aufwand möglich. Bei einer Investition in eine neue Anlage sollten Anwender natürliche Kältemittel wie Ammoniak, Kohlendioxid, Propan und Propen berücksichtigen. Diese Technologie ist erprobt und bewährt. Vor allem Ammoniak-Anlagen befinden sich in nennenswerter Anzahl im Markt, und das nicht erst seit gestern. Einige der allerersten industriellen Kühlmaschinen, die Carl von Linde ab 1876 entwickelt und gebaut hat, verwendeten bereits Ammoniak als Kältemittel.

Bei der Erzeugung von Tiefkälte bewähren sich Anlagen, die Propen oder Ethan als Kältemittel nutzen. Für einen Hersteller von biotechnologisch erzeugten Pharmazeutika hat L&R beispielsweise eine Kälteanlage projektiert und gebaut, die Rührwerke temperiert und eine Kälteleistung von 42 kW bei -35 °C Austrittstemperatur bzw. eine Leistung von 96 kW bei -15 °C Austrittstemperatur erbringt. Die Anlage, deren Leistung sich bedarfsgerecht von 0 bis 100 % skalieren lässt, nutzt Propen (R 1270) als natürliches Kältemittel.

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Für industrielle Anwendungen stehen verschiedene Kältemittel zur Verfügung, die sich im GWP-Wert als Messgröße für das Treibhauspotenzial unterscheiden. (Bild: L&R)

Optimal für Umweltschutz und Nachhaltigkeit

Mit Blick auf Nachhaltigkeit und Umweltschutz bietet dieses Kältemittel hervorragende Werte. Das Ozonabbaupotenzial (ODP) liegt bei Null und der GWP-Wert als Messgröße für das Treibhauspotenzial beträgt 2, während vergleichbare H-FKW-haltige Kältemittel einen GWP-Wert von 1800 bis 3985 erreichen. Zusätzlich profitieren die Anwender solcher Anlagen davon, dass sich gegenüber R404 und R507A-Anlagen deutliche Energieeinsparungen ergeben. Somit stehen der Pharmaproduktion auch nach dem „Phase-out“ der bisher gängigen Kältemittel erprobte und energieeffiziente Technologien für die Kälteerzeugung zur Verfügung.

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