Radar-Füllstandsmessung für effiziente Laborautomatisierung
In analytischen Laboratorien, etwa bei der chromatographischen Trennung chemischer Substanzen in Flüssigproben, sind Präzision, Reproduzierbarkeit und Sicherheit essenziell. Bei der Automatisierung blieb ein kritischer Aspekt bislang wenig beachtet: die zuverlässige Überwachung von Vorrats- und Auffangbehältern.
Die effiziente Füllstandsüberwachung von Eluenten- und Lösemittelabfallbehältern bringt deutlich mehr Sicherheit in die chromatographische Anwendung.Vega
Anzeige
Ein moderner Laborbetrieb muss heute nicht nur präzise,
sondern auch wirtschaftlich sein. Das bedeutet: maximale Nutzungsdauer teurer
Analysegeräte, möglichst wenig Stillstand und idealerweise ein 24/7-Betrieb.
Doch bei vielen HPLC-Systemen (High-Performance Liquid Chromatography,
Hochleistungs-Flüssigchromatographie) besteht genau hier ein Engpass: Die
Kontrolle der mobilen Phasen und der Abfallbehälter erfolgt oft manuell oder
mithilfe älterer Messmethoden wie Schwimmern oder Wägesystemen. Kommt es dabei
zu Messfehlern, kann das schwerwiegende Folgen haben. So kann, wenn eine
Vorratsflasche leerläuft, Luft in das HPLC-System gezogen werden, was nicht
selten die Trennsäule austrocknet und bei manchen Säulentypen zu irreversiblen
Änderungen in der Packungsstruktur, schlechterer Trennung und kürzerer
Lebensdauer führt. Läuft dagegen ein Sammelbehälter über, kann dies bei
organischen Lösemitteln wie Methanol oder Acetonitril sogar zu Sicherheitsrisiken
führen, speziell wenn dies bei Nacht oder am Wochenende passiert.
Nicht zuletzt deshalb hatte beim Analytik-Dienstleister Quacx,
wo Geräte auch nachts und am Wochenende betrieben werden, eine automatisierte
und hochzuverlässige Füllstandslösung Priorität. Das Unternehmen ist
spezialisiert auf Labordienstleistungen und Automatisierungslösungen und hat
diese Schwachstelle gezielt adressiert – mit einem Überwachungssystem auf Basis
von Radarmesstechnik des Herstellers Vega.
Anzeige
Intelligente Radarsensorik für kontinuierliche Prozesssicherheit
Berührungslose Füllstandskontrolle: Der Radarsensor erkennt auch geringe Änderungen der mobilen Phasen im Vorratsgefäß.Vega
Quacx hat daher ein modulares Überwachungssystem realisiert,
das auf dem Vegapuls 42 von Vega basiert. Der Sensor
eignet sich durch seinen fokussierten Messstrahl (12°-Abstrahlwinkel) für
beengte Einbauverhältnisse wie den schmalen Hals typischer Laborflaschen. Mit
einer Messgenauigkeit von ±2 mm erkennt er auch geringe Volumenänderungen. Auf
diese Weise verhindert er zuverlässig, dass Vorratsflaschen leerlaufen oder
Abfallbehälter überlaufen.
Im Überwachungssystem kommen bis zu sechs Radarsensoren zur
präzisen Kontrolle der Vorratsflaschen zum Einsatz, die in der Regel ein
Volumen von 500 ml bis 2 l aufweisen. Zusätzlich ist jeweils ein
weiterer Sensor oberhalb der 25- bis 35-l-Auffangbehälter installiert, um
auch dort eine zuverlässige Füllstandsüberwachung sicherzustellen. Die einfache
Integration über IO-Link ermöglicht eine einmalige Parametrierung, die sich bei
Bedarf auf weitere Geräte übertragen lässt – das spart Zeit und reduziert den
Aufwand bei Systemerweiterungen oder -anpassungen. Ergänzt wird das System
durch eine integrierte 360°-Statusanzeige, die den Betriebszustand optisch
signalisiert und auch aus größerer Entfernung sowie aus verschiedenen
Blickwinkeln gut erkennbar ist.
Anzeige
Alle eingesetzten Sensoren erfüllen die hohen Anforderungen
an Hygiene und Materialverträglichkeit: Die medienberührenden Teile bestehen
aus FDA-konformen Werkstoffen und entsprechen der EU-Verordnung 1935/2004 – ein
Muss für Labor- und Pharmaanwendungen.
Prozesse wie in der Pharma-Produktion
Die umgesetzte Lösung orientiert sich nicht zufällig an den
Maßstäben der pharmazeutischen Industrie. Die Prozesslogik in analytischen
Laboren weist zahlreiche Parallelen zu GMP-geregelten Herstellprozessen auf: Vor
jedem Messdurchlauf wird eine Art „Line Clearance“ durchgeführt, bei der die
HPLC-Säulen konditioniert und Systemeignungstests vorgenommen werden – ein
Verfahren, das der Reinigung und Freigabe von Mehrzweckanlagen in der
pharmazeutischen Produktion entspricht. Anschließend erfolgen die Einwaagen der
benötigten Substanzen, entweder in Form von Ausgangsstoffen oder als
Standardsubstanzen, stets präzise und nachvollziehbar.
Anzeige
Die eigentliche Analyse wird auf Basis schriftlich fixierter
Analysevorschriften durchgeführt, während die Auswertung der Ergebnisse
dokumentiert und kontrolliert wird – vergleichbar mit dem „Batch Record Review“
in der Herstellung. Abschließend erfolgt die Freigabe der Analyseergebnisse
durch den Laborleiter, was funktional der Rolle der „Qualified Person“ bei der
Freigabe von Arzneimitteln entspricht. Diese Nähe macht deutlich, dass auch im
analytischen Umfeld die Integrität und Rückverfolgbarkeit technischer Messdaten
eine entscheidende Rolle spielen – und somit auch die Sensoren so validierbar
und dauerhaft stabil arbeiten müssen, als seien sie in einer Pharmaanwendung
eingesetzt.
Radarvorteile für reibungslose Abläufe
Präzise Radartechnik trifft moderne Laborumgebung und ermöglicht zuverlässige Füllstandskontrolle für HPLC-Anwendungen.Vega
Im Vergleich zu klassischen Messsystemen wie Wägetechnik
bietet die Radartechnologie deutliche Vorteile: Da der Vegapuls 42 ohne
bewegliche Teile auskommt, ist er vollkommen wartungsfrei und somit besonders
zuverlässig im Dauerbetrieb. Eine regelmäßige Rekalibrierung ist nicht
erforderlich, was eine dauerhaft präzise Messleistung gewährleistet. Auch die einfache
Integration über IO-Link verschlankt den Prozessaufwand. Sie reduziert den
Schulungsaufwand, da Parametrierungen automatisch übertragen und Systeme damit
schnell und einfach erweitert werden können. Ergänzend bietet die integrierte LED-
Statusanzeige eine klare, weithin sichtbare Rückmeldung – auch aus größerer
Entfernung oder in schwer einsehbaren Laboraufbauten. Für Quacx bedeutet dies
eine spürbare Steigerung der Anlagenverfügbarkeit, eine Reduktion potenzieller
Ausfallursachen sowie mehr Sicherheit im Umgang mit kritischen Medien.
Entscheider-Facts
Mit der Einführung einer Radar-Füllstandsüberwachung
hat ein Labordienstleister eine technische Lücke geschlossen und seine smarte Laborautomatisierung vorangetrieben.
Der eingesetzte Radar-Füllstandssensor zeigt, wie moderne Technologie Abläufe
absichert und ganze Prozessketten intelligenter, robuster und effizienter
macht.
Die Lösung erfüllt strenge regulatorische Vorgaben und bringt auch wirtschaftliche Vorteile durch reduzierte Stillstandszeiten,
weniger manuelle Eingriffe und erhöhte Betriebssicherheit.