P+F: Wie lassen sich die
Systeme in bestehende Leittechnik-Infrastrukturen integrieren, die
beispielsweise noch nicht auf moderne Ethernet-Strukturen setzen? Und wie
verhält es sich hier mit den Vorteilen?
Die Systeme sind nicht Teil des Leitsystem-I/O-Systems,
sondern werden auf der IT-Seite angebunden. Dadurch lassen sie sich auch in
bestehende Infrastrukturen integrieren, die noch nicht vollständig auf moderne
Ethernet-Strukturen ausgelegt sind. Bereits vorhandene
Cat.-6-/Cat.-7-Verkabelungen aus früheren KVM-Extender-Strukturen können dabei
häufig weiter genutzt werden.
Bei einer Modernisierung wird der bisherige Konverter durch
einen Switch ersetzt, sodass Ethernet durchgeroutet und Thin Clients integriert
werden können. Der Vorteil liegt in der Weiternutzung bestehender Infrastruktur
bei gleichzeitiger schrittweiser Modernisierung.
Klassische KVM-Lösungen sind in der Reichweite meist auf
rund 100 m begrenzt, während frühere proprietäre Übertragungen teils 150
bis 200 m ermöglichten. Ethernet-basierte Strukturen sind dafür heute
deutlich flexibler und besser skalierbar.
P+F: Wie vertragen sich
Modularität und schnelle Updates mit notwendigen Zertifizierungen, vor allem im
regulierten Umfeld?
Das liegt grundsätzlich in der Verantwortung des Endkunden.
Gerade im regulierten Umfeld entsteht hier ein Spannungsfeld, das sich durch
den CRA weiter verschärft, da Sicherheitsupdates künftig verpflichtend
eingespielt werden müssen. Das kann im Widerspruch zu bestehenden
Dokumentations- und Freigabeprozessen stehen.
Um diesen Konflikt zu entschärfen, ist wichtig, dass wir
nicht Teil des Audit-Trails sind. Der Audit-Trail beginnt erst in dem System,
mit dem wir uns verbinden. Dadurch sind unsere Komponenten in der Regel nicht
Bestandteil der festen GMP-Dokumentation.
Auf der Softwareseite bleibt das System generisch, bis
tatsächlich eine Passworteingabe oder Interaktion mit dem Zielsystem erfolgt.
Auf der Hardwareseite unterstützt die Modularität die Dokumentation zusätzlich:
Die Seriennummer des Gesamtsystems bleibt gleich, nur die Seriennummer
einzelner Module, etwa der DPU, ändert sich. Dadurch ist im Regelfall nur eine
Ergänzungsdokumentation erforderlich.
P+F: Sie heben die
Kooperation mit Körber hervor. Gibt es ähnliche Bestrebungen für andere große Hersteller, beispielsweise für die in der Chemieindustrie weit verbreiteten
Prozessleitsysteme?
Die Zusammenarbeit mit Körber ist für uns ein wichtiger und
geschätzter Bestandteil unseres Partnernetzwerks. Darüber hinaus bestehen auch
mit weiteren führenden Herstellern enge Partnerschaften, etwa mit Emerson,
Rockwell und Honeywell. Sichtbar wird das unter anderem durch entsprechende
Qualifizierungen und das Listing bei den jeweiligen Partnern.
Gleichzeitig sind wir in der Praxis auch mit weiteren
Prozessleitsystemen im Einsatz. Über die Visunet-RM-Shell-Software ist der
Zugriff auf PLS vergleichsweise einfach möglich, beispielsweise über
Standard-Remote-Profile wie RDP, VNC oder browserbasierte Zugänge. Dadurch
können wir grundsätzlich leitsystemherstellerunabhängig agieren.
Gerade deshalb haben diese Partnerschaften einen hohen
Stellenwert: Sie ermöglichen eine optimale Abstimmung der Systeme und schaffen
die Grundlage für eine konsistente und zuverlässige User Experience beim
Endkunden.