Energie intelligent beschaffen

Zwischen Kühlketten, Kosten und Nachhaltigkeitszielen

Die Temperaturführung macht die Pharmalogistik insbesondere bei hohen Strompreisen zu einer kostspieligen Dienstleistung. Es geht aber auch anders: Mit direkten Stromlieferverträgen, wie Großkonzerne sie nutzen, statt klassischen Festpreisverträgen.

Im Reinraum verarbeitet Loxxess Arzneimittel nach strengen Vorschriften.

Entscheider-Facts:

  • Die Pharmalogistik braucht Energie für die Temperaturführung. 
  • Steigende Energiekosten und neue Vorgaben erhöhen den Druck. 
  • Strom dynamisch zu beschaffen, senkt Kosten, Risiken und Emissionen. 

Die Pharmalogistik gehört zu den sensibelsten und zugleich anspruchsvollsten Bereichen moderner Lieferketten. Sie muss höchste regulatorische Anforderungen erfüllen, rund um die Uhr verfügbar sein und dabei Produkte schützen, deren medizinische und gesellschaftliche Bedeutung weit über ihren reinen Warenwert hinausgeht. Gleichzeitig verschärfen sich die Rahmenbedingungen: Steigende Energiepreise, volatile Strommärkte und neue Berichtspflichten beeinflussen die Wirtschaftlichkeit, die internationale Wettbewerbsfähigkeit und die Nachhaltigkeit der Lieferketten.

Besonders energieintensiv ist ausgerechnet das, was für große Teile der Pharmalogistik verpflichtend ist: Temperaturführung. Dafür ist eine unterbrechungsfreie Stromversorgung bei Lagerung und Transport notwendig. Ohne sie ist GDP-konforme (Good Distribution Practice) Pharmalogistik nicht denkbar. Doch genau dies treibt den Energieverbrauch in die Höhe. Je nach Standort entfallen beim Kontraktlogistiker Loxxess bis etwa 65 % des gesamten Stromverbrauchs auf Klimatisierung – von der Raumtemperatur bis zur Tiefkühlung. Was lange als technisches Detail galt, rückt heute ins Zentrum strategischer Entscheidungen. Energie wird zum Wettbewerbsfaktor. Die Frage nach modernen Energiebeschaffungsstrategien ist längst keine Zukunftsfrage mehr, sondern bestimmt zunehmend, wer Aufträge bekommt, Nachhaltigkeitsziele glaubwürdig erfüllt und sich langfristig im Markt behaupten kann.

Neue Anforderungen an die Pharmalogistik

Gabelstapler im Lager eines Pharmalogistik-Unternehmens
Der Leitfaden Good Distribution Practice (GDP) regelt Sicherheit und Dokumentation entlang der gesamten Pharmalieferkette.

Mit dem europäischen GDP-Leitfaden sind Sicherheit und Dokumentation entlang der gesamten Lieferkette klar geregelt. Was lange im Fokus von Qualität und Compliance stand, wird nun um eine weitere Dimension ergänzt: Nachhaltigkeit. Durch die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) müssen bestimmte Unternehmen offenlegen, wie sich ihr Geschäftsmodell auf Umwelt und Gesellschaft auswirkt.

Für die Pharmalogistik ist das besonders relevant. Laut der European Federation of Pharmaceutical Industries and Associations (EFPIA) fallen bis zu 90 % der CO2-Emissionen von Pharmaunternehmen außerhalb der eigenen Standorte an, ein erheblicher Teil davon bei Lagerung und Transport. Logistikdienstleister sind damit nicht mehr nur operativer Dienstleister, sondern werden zum Hebel, damit ihre Kunden ihre Nachhaltigkeitsziele erreichen.

Somit zeichnen sich drei zentrale Entwicklungen ab. Erstens werden CO2-Bilanzen zunehmend bei Kundenausschreibungen gefordert, wodurch zweitens der Druck auf die Logistiker steigt, die eigene Nachhaltigkeitsperformance transparent zu machen und gezielte Nachhaltigkeitsmaßnahmen in die Wege zu leiten. Drittens führt die hohe Volatilität am Strommarkt mit stark schwankenden Energiepreisen zu wachsenden Risiken für Margen, Planbarkeit und wirtschaftliche Stabilität.

Wie ein vorausschauender Umgang mit diesen Herausforderungen aussehen kann, zeigt das Beispiel des europaweit tätigen Kontraktlogistikers. Dieser bietet unter anderem GDP- und GMP-zertifizierte 360-Grad-Dienstleistungen für Klienten aus dem Gesundheitsmarkt sowie Pharma- und Healthcare-Logistiklösungen an.

Effizienz allein reicht nicht aus

Der Kontraktlogistiker betreibt mehr als 22 Standorte für E-Commerce, Pharma- und Healthcare-Logistik sowie Speziallösungen. Sein Strombedarf ist hoch: rund 6,06 GWh pro Jahr, was grob dem Jahresbedarf von 1.500 Vier-Personen-Haushalten entspricht. Nachhaltigkeit ist schon seit vielen Jahren ein Thema, nicht als Einzelinitiative, sondern als fest etabliertes und gruppenweites Transformationsprogramm. In Sachen Klimaschutz investiert das Unternehmen, gemeinsam mit den entsprechenden Vermietern, schon lange gezielt in energieeffiziente Infrastruktur, von Photovoltaikanlagen über moderne Wärmepumpen und LED-Beleuchtung bis hin zu Ladeinfrastruktur für E-Mobilität der Privat- und Firmenwagen.

Doch selbst die effizienteste Infrastruktur stößt an Grenzen, wenn die Energiebeschaffung nicht mitgedacht wird. Neben technischen Optimierungen ist eine intelligente Energiebeschaffung wichtig. Denn auch ein effizienter Standort bleibt anfällig, wenn Strom teuer, unflexibel oder nicht nachhaltig bezogen wird. Die Herausforderung ist typisch für viele mittelständische Logistikunternehmen: Steigende Energiekosten, 24/7-Betrieb und wachsende Nachhaltigkeitsanforderungen treffen auf begrenzte personelle Ressourcen.

Der entscheidende Hebel besteht darin, das Beschaffen von Energie und Nachhaltigkeit strategisch miteinander zu verbinden. Was viele nicht wissen: Das ist auch ohne eigenes Strommarkt-Know-how und ohne eigene Energie-Einkaufteams möglich.

(Teil-)dynamische Stromtarife statt starrer Verträge

In der Praxis haben viele Unternehmen klassische Festpreisverträge mit lokalen Versorgern, die zwar zu einem gewissen Grad verlässlich sind, sich jedoch im heutigen Marktumfeld zunehmend als unflexibel und teuer erweisen. Das liegt daran, dass der Versorger nicht weiß, wie sich der Energiemarkt entwickeln wird, und den Unsicherheiten in Form von Risikoaufschlägen vorbeugt. Diese Kosten zahlen Unternehmen mit, auch in Phasen, in denen die Börsenstrompreise durch den wachsenden Anteil erneuerbarer Energien deutlich niedriger liegen.

Labor mit Glasflaschen im Vordergrund und Personen in Schutzkleidung im Hintergrund
Bis zu 90 % der CO₂-Emissionen von Pharmaunternehmen fallen außerhalb der eigenen Standorte an, ein erheblicher Teil davon bei Lagerung und Transport.

Der Kontraktlogistiker reagiert auf diese Entwicklung, indem er seit zwei Jahren auf eine professionelle Strombeschaffung mit dem Energiedienstleister Trawa setzt, wie sie lange Zeit vor allem Großkonzernen vorbehalten war. Im Kern basiert der Ansatz auf drei zentralen Elementen:

  1. Hybrides Energieportfolio:
  2. Das Energieportfolio setzt sich aus direkten Stromlieferverträgen (Power Purchase Agreements, PPA) mit deutschen Wind- und Solarparks sowie flexibel beschafftem Börsen-Grünstrom zusammen. Durch diese Kombination lassen sich günstige Marktphasen nutzen und zugleich Strompreisspitzen abfedern. Das aktuelle Portfolio besteht aus einem Mix aus Wind-PPA (50 %), Terminmarktmengen (25 %) und flexiblen Mengen aus dem Spotmarkt.

  3. Optimale frühzeitige Beschaffung:
  4. Bei energieintensiven Großkonzernen ist das frühzeitige, flexible und häufige Beschaffen von Stromprodukten bereits seit Jahrzehnten Marktstandard. Im Mittelstand hingegen wird oft nur selten, kurzfristig und ohne klares System beschafft. Der Kontraktlogistiker nutzt die Möglichkeiten des Energiedienstleisters, die Marktpreise zu beobachten und auf Basis transparenter Systeme, wie dem Verfolgen von Marktpreisniveaus, zur richtigen Zeit Strommarktprodukte zu beschaffen. So lassen sich realistisch über 10 % der Stromkosten reduzieren, ohne die Zukunft prognostizieren zu müssen.

  5. Datenbasierte, kontinuierliche Analyse:
  6. Das digitale, KI-gestützte Energiemanagement des Dienstleisters ermöglicht es, den Stromverbrauch standortübergreifend zu erfassen und etwa typische Verbrauchsmuster, Lastspitzen oder Auffälligkeiten frühzeitig zu erkennen und entsprechend zu reagieren. Die Systeme prognostizieren den Strombedarf, bewerten Marktsignale und stellen kontinuierlich den optimalen Energiemix zusammen. Auf dieser Grundlage wird das Portfolio jährlich überprüft und angepasst, um sowohl auf Veränderungen im Strommarkt als auch auf die spezifischen Anforderungen beispielsweise der Pharmalogistik reagieren zu können.

Vom regulatorischen Druck zum Wettbewerbsvorteil

Der Wechsel weg vom starren Festpreisvertrag hin zu einem passgenauen, datenbasierten Energieportfolio zeigt Wirkung. Allein im vergangenen Jahr konnte der Kontraktlogistiker durch das Umstellen und das optimierte Beschaffen rund 1.900 t CO2-Emissionen vermeiden, was etwa dem jährlichen Strombedarf von 200 Haushalten entspricht. Der Energiedienstleister entwertet eindeutige Herkunftsnachweise für den Kontraktlogistiker, um hohe Nachhaltigkeitsstandards zu erfüllen.

Der Kontraktlogistiker konnte seine Performance in puncto Nachhaltigkeit verbessern, was für Ausschreibungen potenzieller Kunden wichtig ist. Besonders bedeutend ist dabei, dass über 70 % des Stroms aus direkten Verträgen mit deutschen Wind- und Solarparks stammt.

Der Fall des Kontraktlogistiker zeigt, dass Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit in der Pharmalogistik keine Gegensätze sein müssen. Wer Energie nicht nur effizient nutzt, sondern auch intelligent beschafft und aktiv steuert, erhöht seine Resilienz gegenüber Markt- und Preisrisiken und stärkt gleichzeitig seine Wettbewerbsposition.

Energie wird damit zum Managementthema, denn Beschaffung, Risikoabsicherung und Nachhaltigkeit gehören strategisch zusammen. Unternehmen, die dieses Zusammenspiel berücksichtigen, verschaffen sich langfristige Planungssicherheit, stärken zugleich ihre regulatorische Konformität und haben einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil.