Stromlose Thermoboxen für Pharmalogistik

Stromlose Thermoboxen lassen sich mit speziellen Kühlakkus für nahezu jeden Temperaturbereich auslegen. (Bild: Schaumaplast)

| von Jona Göbelbecker

Das Versenden pharmazeutischer Produkte bei -70 °C in mit Trockeneis bestückten Boxen von Schaumaplast wird bei DHL und anderen Logistikunternehmen nicht erst seit Corona praktiziert. Auch für andere Erzeugnisse nutzen sie die passiven Kühlsysteme, die etwa der Partikelschaum-Spezialist Schaumaplast für die Gefrierschrank- bzw. Kühlschranktemperaturbereiche herstellt. „Viele dieser Vorgehensweisen sind nicht neu. Die Herausforderung bei der Corona-Impfstofflogistik in Bezug auf unsere Kühlsysteme besteht vielmehr darin, die bekannte Technologie in kürzester Zeit auf die individuellen Anforderungen wie Packungsgrößen sowie Lager- und Transportzeiten anzupassen“, erklärt Martin Raack, Key Account Manager bei Schaumaplast.

Die Unternehmensgruppe mit Sitz im baden-württembergischen Reilingen entwickelt und produziert unter der Marke Thermocon passive, also stromlos arbeitende Kühlsysteme für die Pharmaindustrie. Die leichten Thermoboxen lassen sich mit Spezialakkus für nahezu jeden Temperaturbereich und verschiedene Volumina ausgelegen. Diese Flexibilität bei Größe und Kühlung kommt bei der Corona-Impfstofflogistik zum Tragen, da sie drei sehr unterschiedliche Temperaturbereiche bedienen muss: -70 °C, -15 bis -25 °C sowie 2 bis 8 °C.

Höhere Temperatur heißt nicht automatisch weniger Aufwand

„Dabei ist eine höhere Temperatur nicht gleichzusetzen mit weniger Aufwand“, räumt Geschäftsführer Markus Hoffmann mit einem Vorurteil auf. „Es kann sein, dass der Bereich von minus 15 bis minus 25 Grad höhere Anforderungen an die Verpackung stellt als minus 70 Grad.“ Trockeneis mit seiner Temperatur von -78 °C kann hier nicht verwendet werden. Stattdessen kommen spezielle Kühlelemente zum Einsatz.  „Diese müssen kalt, aber eben nicht zu kalt, eingelegt werden, so dass die minus 25 Grad Celsius nicht unterschritten werden, gleichzeitig aber trotzdem genügend Kälteenergie in die Box gelangt“, beschreibt Markus Hoffmann den ausgeklügelten Prozess, der vom Impfstoffhersteller über den Verpackungsproduzenten und Logistiker bis hin zum Anwender der Impfdosen sicher und reibungslos laufen muss. „Den Mitarbeitern im Verpackungs- und Transportbereich kommt hier große Verantwortung zu. Sie müssen mit den Thermoverpackungen vertraut und gut geschult sein. Das beste Kühlsystem versagt, wenn die Packverfahren nicht penibel eingehalten werden.“

Vor ihrem Einsatz haben die Schaumaplast-Kühlsysteme bereits erfolgreich einen anspruchsvollen Qualifizierungsprozess durchlaufen. In den unternehmenseigenen Klimakammern wurden sie wechselnden Außentemperaturen ausgesetzt. Damit wird sichergestellt, dass die definierten Temperaturgrenzen zuverlässig eingehalten werden.

Auch die Rohstoffe sind wichtig

Hierfür spielen ebenso die Rohstoffe für die Medizinboxen eine wesentliche Rolle, die über sehr gute Isoliereigenschaften verfügen müssen. Hergestellt werden sie aus den expandierbaren Polystyrolgranulaten (EPS) der Marken Styropor und Neopor von BASF. „Wir sind stolz, dass unsere Produkte in der aktuellen Pandemie dazu beitragen die Impfstoffe sicher und gut gekühlt an ihren Bestimmungsort zu bringen. Dies zeigt, dass EPS auch 70 Jahre nach seiner Erfindung besonders in sensiblen Bereichen wie der Pharmalogistik unerlässlich ist“, sagt Klaus Ries, Leiter des Styrenics-Geschäfts Europa der BASF.

 Bislang haben DHL und weitere Logistikdienstleister bereits zehntausende Impfdosen sicher temperiert in Thermocon-Kunststoffboxen aus Neopor an ihr Ziel gebracht. Hunderttausende werden folgen.

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