Start des Online-Arzneimittelvertriebs TrumRx "schafft Fakten"
Pharma Deutschland durch US-Preispolitik unter Druck
Mit dem Start der Online-Plattform TrumpRx.gov setzt die US-Regierung ihren "Most Favoured Nation"-Ansatz zur drastischen Senkung von Arzneimittelpreisen für US-Bürger in die Praxis um. Der Pharmaindustrie-Verband Pharma Deutschland fordert "Antworten der Bundesregierung" auf dieses Druckmittel.
KI-generiert mit ChatGPT / Dall-E
Was steckt hinter dem "Most Favored Nation"-Prinzip?
Ausgangspunkt des jetzigen Most-Favored-Nation(MFN)-Prinzips der US-Regierung im Pharmamarkt ist eine Executive Order von Präsident Trump vom 12. Mai 2025 („Delivering Most-Favored-Nation Prescription Drug Pricing to American Patients“). Darin formuliert die Regierung, amerikanische Bürger müssten Zugang zu einem „most-favored-nation price“ erhalten; bei ausbleibender Kooperation der Unternehmen könne „additional aggressive action“ folgen. Die Executive Order enthält zudem den Auftrag, Direct-to-Consumer- beziehungsweise Direct-to-Patient-Programme zu erleichtern, sofern Hersteller ihre Produkte zum MFN-Preis anbieten.
Im Mai letzten Jahres hatte die US-Regierung die Umsetzung eines „Most Favored Nation (MFN)“- Prinzips angekündigt. Danach sollen sich die US-Arzneimittelpreise an denen vergleichbarer Länder orientieren. Deutschland gilt dabei explizit als Referenzland.
Über die Webseite TrumRx.gov sollen Patientinnen und Patienten in den USA künftig günstiger an Arzneimittel gelangen. Derzeit sind 40 Arzneimittel gelistet, weitere sollen folgen. Die Plattform ist Teil einer umfassenden Initiative zur Senkung der Arzneimittelpreise in den USA. Die Website ist kein staatlicher Online-Shop, sondern ein Routing-Portal: Es verkauft keine Medikamente, sondern leitet Patienten zu Angeboten weiter, die als „beste Preise“ beworben werden.
„TrumpRx schafft Fakten und zeigt einmal mehr, mit welchem Tempo und mit welcher Entschlossenheit die angekündigten Maßnahmen umgesetzt werden. Die amerikanische Preispolitik setzt die deutschen Pharmaunternehmen mit US-Geschäft unter Druck. Die Marktmacht und Exportintensität in die USA sind zu groß, als dass Deutschland von TrumpRx nicht massiv betroffen wäre“, warnt Dorothee Brakmann, Hauptgeschäftsführerin von Pharma Deutschland.
Unternehmen müssen Preisstrategien neu bewerten
„Unternehmen werden ihre Preis- und Markteintrittsstrategien zwangsläufig neu bewerten müssen – mit der Folge, dass Deutschland bei der Einführung neuer Arzneimittel zurückfallen oder ganz leer ausgehen könnte. Wir müssen verhindern, dass die Transformation des US-Marktes zu Lasten der Patientenversorgung in Deutschland geht“, so Brakmann abschließend. „Die Entwicklungen in den USA und ihre Auswirkungen auf den Pharmastandort Deutschland brauchen richtungsweisende und ressortübergreifende Antworten der Bundesregierung beim laufenden Pharmadialog.“
Der Branchenverband Pharma Deutschland sieht die Gefahr, dass die rasanten Veränderungen des globalen Pharmamarktes dazu führen, dass innovative Arzneimittel später oder gar nicht in Deutschland oder Europa vermarktet werden, um niedrige Preisreferenzen zu vermeiden und den US-Preis zu schützen. Bereits heute besteht gegenüber den USA ein spürbarer Innovationsrückstand: Seit 2015 sind insgesamt über 100 Substanzen gar nicht mehr in Europa zugelassen worden. Aktuell gibt es 19 Arzneimittel mit Breakthrough-Status, die in den USA, aber nicht in Deutschland, verfügbar sind. Somit gerät die schnelle und langfristige Verfügbarkeit innovativer Arzneimittel für deutsche Patientinnen und Patienten durch TrumpRx zusätzlich unter Druck.