Einmalige Anwendung mit weniger Nebenwirkungen

Gentherapie für Typ-2-Diabetes in klinischer Entwicklung

Ein Pharmaunternehmen aus den USA arbeitet an einer Gentherapie, die GLP-1 im Körper selbst aktiviert. Ziel ist – im Gegensatz zu den „Abnehmspritzen“ – eine einmalige Behandlung für Typ-2-Diabetes mit weniger Nebenwirkungen. Die ersten Studien am Menschen laufen seit Mai 2026.

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Der Gentherapie-Kandidat muss im Gegensatz zu den "Abnehmspritzen" potenziell nur einmal verabreicht werden.

Wer nicht unter einem Stein lebt, ist in den vergangenen Jahren nicht um die öffentliche Debatte um die „Abnehmspritzen“ herumgekommen. Eine Behandlung, die ursprünglich für Menschen mit Diabetes vorgesehen war und dafür auch immer noch genutzt wird. Diese Anwendung ist jedoch nicht so medienwirksam wie das Nutzen als Abnehmmedikament.

Die Krux mit den im Volksmund als „Abnehmspritzen“ bezeichneten GLP-1-Rezeptoragonist-Präparaten wie Wegovy und Ozempic, sind zum einen ihre Nebenwirkungen und zum anderen die Notwendigkeit sie dauerhaft anzuwenden, weil die erzielten positiven Effekte, gesenkter Blutzuckerspiegel, Gewichtsabnahme und Schutz von Gefäßen, sonst schnell wieder zurückgehen. Sollte man zu den unglücklichen Personen gehören, die Nebenwirkungen haben, ist die Aussicht auf deren lebenslanges Fortbestehen, um positive Effekte des Präparats – sei es Spritze oder Tablette – aufrecht zu erhalten, eher abschreckend.

Was wäre, wenn es eine Therapie gäbe, die eine ähnliche Wirkweise wie die bisherigen Präparate hat, aber nur einmalig angewendet werden muss und dazu noch weniger Nebenwirkungen verursacht? An so einem Arzneimittel, das fast zu schön klingt, um wahr zu sein, arbeitet das US-amerikanische Pharmaunternehmen Fractyl Health. Es handelt sich um eine Gentherapie mit dem Namen Rejuva, die Mitte Mai 2026 in die ersten Studien am Menschen für Typ-2-Diabetes eingetreten ist.

Wie funktioniert die Gentherapie?

Es handelt sich um eine potenzielle, einmalige und auf die Bauchspeicheldrüse ausgerichtete Gentherapie. Sie soll den Körper befähigen, GLP-1 als Reaktion auf die Nahrungsaufnahme zu produzieren – ein physiologischer statt eines pharmakologischen Ansatzes, wie Dr. med. Dr. phil. Harith Rajagopalan, Mitbegründer und CEO des Pharmaunternehmens erklärt.

Für all diejenigen die tiefer einsteigen wollen: Die Therapie besteht aus Adeno-assoziierten Viren (AAV), die eine modifizierte Version des menschlichen Insulin-Promotors sowie spezifische Steuerungssignale transportieren und diese Gene in die Betazellen der Bauchspeicheldrüse einbringen. Diese Gene sorgen in den Betazellen für eine körpereigene GLP-1-Expression, wenn Nahrung aufgenommen wird und vermeiden so potenziell hohe Wirkstoffkonzentrationen im Blutkreislauf, die bei systemischen GLP-1-Therapien die Nebenwirkungen verursachen können. Die AAV gelangen minimal-invasiv mittels endoskopischer, ultraschallgesteuerter Infusion direkt in die Bauchspeicheldrüse.

Die Phase-1/2-Studie für diese Gentherapie wird in den Niederlanden durchgeführt und soll deren Sicherheit, Verträglichkeit und vorläufige Wirksamkeit bei Erwachsenen mit unzureichend kontrolliertem Typ-2-Diabetes – trotz Anwendung mehrerer blutzuckersenkender Medikamente, einschließlich GLP-1-Rezeptor-Agonisten – untersuchen. Das Pharmaunternehmen rechnet damit, erste Studienergebnisse in der zweiten Jahreshälfte 2026 vorlegen zu können. Neben dem Gentherapie-Kandidaten (RJVA-001) zum Behandeln von Patienten mit unzureichend eingestelltem Typ-2-Diabetes, hat das Pharmaunternehmen noch einen Kandidaten (RJVA-002) für das Behandeln von Adipositas, der sich in der präklinischen Phase befindet.